Krisenplan Bankgesellschaft will offenbar Tafelsilber verkaufen
Berlin - Der Vorstand werde den Verkauf der Weberbank prüfen, teilte der Aufsichtsrat der Bankgesellschaft nach seiner sechsstündigen Sondersitzung am Freitag mit. Damit könnte der Konzern seine Eigenkapitallücke von 4 Milliarden Mark zumindest teilweise schließen.
Die auf vermögende Privat- und Firmenkunden ausgerichtete Weberbank sei von den gegenwärtigen Schwierigkeiten der Gruppe nicht betroffen. Die Weberbank gehört zu 95 Prozent der Landesbank Berlin, die wiederum eine Tochter der Bankgesellschaft ist.
Hoher Jahresfehlbetrag
Ferner teilte der Aufsichtsrat mit, dass die Bilanz des Jahres 2000 voraussichtlich Mitte Juli festgestellt werde. Der Jahresfehlbetrag werde hoch sein. Er werde jedoch unterhalb der Eigenkapitallücke von vier Milliarden Mark liegen. Die laufende Ertragsentwicklung im zweiten Quartal lasse ein "befriedigendes Zwischenergebnis" zum 30. Juni erwarten, hieß es.
Die zugesagte Kapitalerhöhung werde auf der Hauptversammlung Ende August wie geplant zur Beschlussfassung gestellt. Dort werde den Aktionären zudem das Sanierungskonzept erläutert, das zunächst dem Aufsichtsrat in einer weiteren Sitzung am 24. Juni vorgelegt werde.
Nord/LB: Mehrheitsbeteiligung ist möglich
Inzwischen schließt die Norddeutsche Landesbank (Nord/LB) eine Mehrheitsbeteiligung an der Bankgesellschaft nicht mehr aus. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Niedersachsens Finanzminister Heiner Aller (SPD), sagte am Freitag dem NDR-Magazin "hallo Niedersachsen", eine Mehrheitsbeteiligung sei möglich, wenn verschiedene Bedingungen erfüllt seien. Dazu gehöre auch die Geschäftsführung. "Wenn wir uns stärker engagieren, muss auch über die unternehmerische Führung diskutiert werden", sagte Aller der dpa.
Das Land Berlin will seinen Anteil an der Bankgesellschaft reduzieren. Die Nord/LB, die bereits 20 Prozent an dem Unternehmen hält, galt als heißester Kandidat, hatte bisher aber immer abgewunken.