Krisensparte Siemens will bei Handys eine Milliarde sparen
München - Während einer Rede vor Journalisten musste Pauly plötzlich seinen Vortrag abbrechen und den Saal mit den Worten "Mir ist schlecht" verlassen. Zuvor hatte er über die krisengeplagte Handy-Sparte gesprochen, die Siemens seit drei Quartalen hohe Verluste beschert.
Als Pauly kurz darauf mit deutlich mehr Farbe im Gesicht zurückkehrte, um Fragen zu beantworten, lächelte er bereits wieder: "Wenn sich unser Mobilfunkgeschäft genau so schnell erholen würde, hätten wir weniger Sorgen."
Verschärfter Sparkurs
Tatsächlich bleibt der Bereich das Sorgenkind im Konzern. Siemens will sein krisengebeuteltes Handygeschäft nun mit einem drastischen Sparprogramm sanieren und für mögliche Partner herausputzen. "Wir verlieren Geld im Handygeschäft", sagte Pauly. Daher sollten die Kosten rasch um nochmals 400 Millionen Euro gedrückt werden. Ursprünglich seien bereits Einsparungen von 500 bis 600 Millionen Euro geplant gewesen, nun könnte es insgesamt eine Milliarde Euro werden.
Die Zukunft der Sparte ist trotz der Sanierungsbemühungen völlig offen. Für einen möglichen Verkauf oder eine Kooperation müsse Siemens erst einmal den passenden Partner finden, sagte Pauly. Eine Schließung sei am wenigstens erwünscht, da dabei Werte vernichtet würden.
Wie viele Arbeitsplätze dem Sparkurs zum Opfer fallen könnten, ließ Siemens offen. Der Schwerpunkt liege aber nicht beim Stellenabbau. Stattdessen sollten zum Beispiel die Marketingausgaben reduziert werden.
Neben den Einsparungen will Siemens auch mit neuen Produkten Boden gut machen. Auf der Cebit werde der Konzern fünf neue Geräte präsentieren, sagte Pauly. Insgesamt sollen in diesem Jahr 15 Modelle auf den Markt kommen.
Handy-Marktanteil bricht ein
Pauly ist Chef des neuen Riesen-Bereichs Com mit 18 Milliarden Euro Umsatz, der im vergangenen Herbst aus der Fusion der Festnetz- und Mobilfunksparten von Siemens hervorgegangen ist. "Das war die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt", sagte Pauly. Die Entwicklungskosten bei Com sollten durch gemeinsame Plattformen um 15 Prozent gesenkt werden. Die Restrukturierung kostet einen höheren zweistelligen Millionenbetrag, der Großteil davon fällt im laufenden Geschäftsjahr an.
Die größten Probleme bereitet weiter das Handygeschäft, das allein in den letzten beiden Quartalen Verluste von jeweils mehr als 140 Millionen Euro gemacht hat. Zudem brach im abgelaufenen Quartal der Weltmarktanteil von 9,5 auf 6,4 Prozent ein. "Unsere Produkte sind so gut wie oder besser als die der Wettbewerber", sagte Pauly. Siemens komme aber zu langsam mit neuen Produkten auf den Markt. "Immer wieder haben späte Marktstarts unsere Marktposition beschädigt."