Krisenstimmung Schwarzer Freitag
Frankfurt am Main - Der Dax baute am frühen Nachmittag seine Verluste vorübergehend auf 3,44 Prozent aus und fiel auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren. Nach dem Fall der Unterstützungsmarke bei 5350 Punkten sehen Charttechniker rot. Der Nemax 50 drehte um 0,9 Prozent ins Minus bei 1064 Punkten. Die Stimmung könnte kaum schlechter sein, sagten Händler.
Die US-Futures notierten tief im Minus, obwohl Hiobsbotschaften von den Branchenriesen Hewlett Packard und Dell ausgeblieben sind. HP konnte die Erwartungen nach US-Börsenschluss leicht übertreffen, während Dell im Rahmen blieb. Auch die Aussicht auf Zinssenkungen der US-Notenbank am 21. August konnte die Talfahrt nicht aufhalten.
Bayer trotz schlechter Nachrichten im Plus
Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählten am Vormittag BASF und SAP mit bescheidenen Gewinnen von 0,5 Prozent. Bayer drehte am Nachmittag trotz schlechter Nachrichten zunächst minimal ins Plus, erhlote sich aber später auf ein Plus von 0,8 Prozent. Seit Bekanntgabe des Rückrufs des Cholesterinmittels Lipobay/Baycol in der vergangenen Woche ist der Kurs der Bayer-Aktie um gut ein Viertel gesunken. Inzwischen wird mit mehr als 52 Todesopfern im Zusammenhang mit dem Medikament Lipobay gerechnet. Auch in Frankreich ist eine Klage eingereicht worden.
Zur Hauptbelastung für den Dax entwickelten sich am Nachmittag die Autowerte DaimlerChrysler , BMW und Volkswagen , die nach der Gewinnwarnung von Ford zwischen fünf und sechs Prozent abgaben. Sowohl DaimlerChrysler als auch VW rutschten unter 50 Euro. Der Streik in der südafrikanischen Automobilindustrie geht nach einem erfolglosen Schlichtungsgespräch weiter. Alle drei Autobauer sind von dem Streik betroffen. Zusätzlich mindert der erstarkte Euro die Exportchancen in den USA.
T-Aktie: Rätsel um Großverkauf gelöst
Die T-Aktie fiel am Nachmittag um 3,6 Prozent auf 17,36 Euro. Das Rätsel um den Großverkauf von T-Aktien ist gelöst: Verkäufer der von der Deutschen Bank platzierten 44 Millionen Aktien der Deutschen Telekom ist offenbar die Hongkonger Hutchison-Whampoa-Gruppe.
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Der Finanzvorstand der Deutschen Telekom, Karl-Gerhard Eick, gibt sich vor dem erwarteten Rückfluss weiterer T-Aktien aus dem Besitz von VoiceStream-Altaktionären gleichwohl gelassen. Er rechnet damit, dass von den neuen Großaktionären der Telekom nach Ablauf einer Haltefrist am 1. September rund 80 Millionen Anteile auf den Markt kommen. Selbst 100 Millionen Stück dürften den Markt nach seinen Worten nicht beeindrucken.
Börsianer sind dagegen skeptisch: Es herrsche immer noch die Furcht vor einem Überangebot an Telekom-Aktien, sagten Händler. "Bis die potenziellen 500 Millionen Stücke nicht aufgenommen sind, hat die T-Aktie kaum Chancen sich zu erholen", sagte Knut Hochwald, Händler bei der Hamburger Sparkasse.
Ausverkauf bei MLP
Größte Verlierer im Dax blieb am Nachmittag der Finanzdienstleister MLP , der mit einem Verlust von rund 15,3 Prozent auf 71,36 Euro auf ein 19-Monats-Tief fiel. Der Dax-Neuling ist hoch bewertet. Anleger sichern angesichts des Kursrutschs offenbar Gewinne, und Hedgefonds spekulieren darauf, dass MLP diese Sonderbewertung nicht halten kann. Eine Verkaufsempfehlung von JP Morgan und das Auslösen zahlreicher Stopp-Loss-Marken beschleunigten die Talfahrt von MLP.
Altana legt zu, Übernahmepoker um Bankgesellschaft Berlin
Im Nebenwerte-Index Mdax kletterte Altana zuletzt um zehn Prozent auf 49 Euro. Das Pharma-Unternehmen hat Erfolge beim Test eines neuen Lungenmedikaments gemeldet und stemmte sich gegen die sehr schwachen Märkte. Die Deutsche Bank stufte die Aktie von Altana auf "Kauf" herauf.
Die Offerte einer privaten Investorengruppe für die angeschlagene Bankgesellschaft Berlin nützt der Aktie bislang nichts: Sie gab um 1,1 Prozent auf 8,50 Euro nach. Vertreter des neuen Kaufinteressenten ist der ehemalige Investment-Banker bei Goldman Sachs und jetzige Direktor der japanischen Shinsei Bank, Christopher Flowers. Die Investorengruppe wolle mindestens 75 Prozent an der BGB kaufen. Ein Angebot des Partners Nord LB hatte den Kurs der im MDax notierten Aktie bereits in den Vortagen in die Höhe getrieben.
Neuer Markt: Primacom legt zu, Pixelpark bricht ein
Der Neuen Markt ist auf dem Weg zu neuen Rekordtiefs. Der Kabelnetzbetreiber PrimaCom hat eine Übernahme durch Liberty Media inzwischen dementiert, die Kursgewinne summierten sich dennoch auf 20 Prozent. "Ich halte das nicht für wahrscheinlich, denn Liberty Media ist auch an dem PrimaCom-Partner UPC beteiligt", sagte ein Händler in Frankfurt. Die niederländische UPC stehe selbst kurz vor einer angekündigten Übernahme der PrimaCom.
Der Internet-Dienstleister Pixelpark brach nach schwachen Quartalszahlen um 13 Prozent auf 4,32 Euro ein. Das Unternehmen hatte bei 23 Millionen Euro Umsatz einen Verlust von 20,9 Millionen Euro gemeldet.
Euro etwas schwächer
Der Euro notierte am Mittag bei 0,9148 Dollar. Am Vorabend hatte die Gemeinschaftswährung bei 0,9189 Dollar notiert.