Krisenverlierer Rezession bremst Ostdeutschland aus
Halle - Die weltweite Rezession wirft die wirtschaftliche Entwicklung in den neuen Bundesländern zurück: Das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) geht in seiner neuen Konjunkturprognose für Ostdeutschland davon aus, dass die Produktion in den neuen Bundesländern im laufenden Jahr um 4,5 Prozent sinkt. Die Lage am Arbeitsmarkt werde sich in der zweiten Jahreshälfte deutlich verschlechtern, teilte das Institut am Montag mit.
Vor allem das verarbeitende Gewerbe, der bisherige Wachstumsführer in den neuen Ländern, bekommen den weltweiten Nachfrageeinbruch zu spüren. Die Exportwirtschaft werde wegen der dramatischen Einbrüche auf den Märkten erstmals seit Anfang der 1990er Jahre wieder Absatzeinbußen hinnehmen müssen. Dass ein Viertel der Exporte nach Osteuropa geht, erweise sich derzeit als Nachteil - denn diese Märkte seien besonders von den Folgen der Finanzkrise betroffen.
Die Wirtschaftsforscher rechnen deshalb damit, dass die Zahl der Erwerbstätigen unter das Niveau von 2007 fallen wird. Viele Firmen, die der Krise bisher mit Kurzarbeit begegneten, würden Mitarbeiter entlassen. Das IWH prognostiziert für den Osten in diesem Jahr eine durchschnittliche Arbeitslosenquote von 14 Prozent - sie bleibt damit etwa doppelt so hoch wie im Westen. 2007 gab es im Osten 5,74 Millionen Erwerbstätige, für dieses Jahr rechnet das IWH mit 5,72 Millionen - nach knapp 5,8 Millionen im vergangenen Jahr.
Die Wirtschaftsforscher weisen zudem darauf hin, dass der Rückschlag Ostdeutschland deutlich heftiger treffe, als es viele Zahlen andeuteten. Zwar verkürze sich der Rückstand gegenüber dem Westen gemessen am Rückgang von Pro-Kopf-Einkommen und -Produktion. Da die Bevölkerung in den neuen Ländern aber abnehme, sei dies nur eine rein rechnerische Annäherung. "Einen wirklichen Aufholprozess bedeutet das jedoch nicht, da diese Entwicklung mit Wohlstandsverlusten einhergeht", teilte der Arbeitskreis Konjunktur Ostdeutschland am IWH mit.