Kuba Hurrikan verbläst Zigarrenernte
London - Zwei Hurrikane innerhalb von wenigen Tagen - das war selbst den leidgeprüften kubanischen Tabakpflanzern zu viel. Wenige Tage nachdem "Isodore" über ihre Felder gerast war, verwüstete "Lili" alles, was die erste Sturmwelle überstanden hatte. Besonders betroffen waren die Gebiete in der westlichen Provinz Pinar del Rio, wo die feinsten Tabaksorten wachsen. Nach Angaben der staatlichen kubanischen Zeitung "Gramma" fielen dort insgesamt mehr als die Hälfte der Tabakpflanzen den Wirbelstürmen zum Opfer.
Für Kubas weltberühmte Zigarrenindustrie bedeutet das eine Katastrophe. Mit rund 100 Millionen Zigarren - bekannt als "Cohiba", "Montecristo" oder "Romeo y Julieta" - werden pro Jahr in alle Welt exportiert. Nach dem Zusammenbruch der Wirtschaft auf Grund der Selbstauflösung des großen Bruderstaats Sowjetunion bildeten die Zigarren einen der wichtigsten Devisenbringer.
Jetzt, so befürchten Experten, werden die Preise für die Zigarren deutlich ansteigen - ein Alarmsignal vor allem für die Importeure, denn gestiegene Einkaufspreise lassen sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht ohne weiteres auf die Kunden abwälzen. Seit Ende der neunziger Jahre, als die Mode, ein festliches Mahl mit einer "Monte Christo" zu beschließen, ihren Höhepunkt erreichte, geht die Nachfrage ohnehin langsam aber sicher zurück.
Einen ersten ernsthaften Knick hatte die Zigarrenkonjunktur am 11. September 2001 bekommen. Nach den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York war die Zahl der reichen Amerikaner, die ihre Zigarren höchstpersönlich in Europa einkauften, stark zurückgegangen. In den USA sind "Cohiba", "Monte Christo" oder "Romeo y Julieta" wegen des US-Handelsembargos nicht zu kaufen.