Künftiger Weltbankchef Wolfowitz punktet bei EU-Vertretern
Brüssel - "Ich erwarte, dass Wolfowitz die Unterstützung der EU hat", sagte die Bundesministerin für Entwicklung, Heidemarie Wieczorek-Zeul, nach dem Gespräch mit dem US-Vizeverteidigungsminister. EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn äußerte sich zufrieden über Wolfowitz' Ausführungen zu Freihandel, Entwicklungshilfe und Armutsbekämpfung.
Der designierte Weltbankchef Wolfowitz hatte zuvor bei der EU-Kommission um Zustimmung für seine Wahl am Donnerstag geworben. Der luxemburgische Ministerpräsident Jean-Claude Juncker und EU-Repräsentanten aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden und Schweden wollten den US-Politiker zu seinen Zielen als künftiger Weltbankchef befragen.
"Ich verstehe, dass ich eine umstrittene Person bin"
Wolfowitz sagte, er sehe seinen neuen Posten als "noble Aufgabe". Es gehe darum, Menschen aus der Armut zu befreien. Er wolle an der multilateralen, internationalen Ausrichtung der Weltbank festhalten, erklärte er.
"Ich verstehe, dass ich eine umstrittene Person bin", fügte Wolfowitz hinzu. "Aber ich hoffe, dass die Leute, wenn sie mich besser kennen, verstehen werden, dass ich zutiefst an den Auftrag der Bank glaube."
Europäer wollen Einfluss ausweiten
Die USA sind Hauptanteilseigner der Weltbank und stellen traditionell deren Präsidenten. Die Nominierung von Wolfowitz durch US-Präsident George W. Bush wurde in Europa mit Befremden aufgenommen: Der Vizeverteidigungsminister gehörte in der US-Regierung zu den stärksten Befürwortern des Irak-Krieges und hat wenig Erfahrung auf dem Gebiet der internationalen Entwicklungspolitik.
Die EU bemüht sich, ihren Einfluss in der internationalen Entwicklungspolitik auszubauen. Frankreich will den neuen Posten eines Vizepräsidenten schaffen und hat dafür bereits den derzeitigen Chef des Pariser Clubs, Jean-Pierre Jouyet, vorgeschlagen.
Die Einsetzung eines Franzosen als zweitem Mann hinter Wolfowitz würde das Gewicht der EU erhöhen. So könnten auch Befürchtungen in der EU abgemildert werden, Wolfowitz könne die Weltbank als Instrument missbrauchen, um die Agenda von US-Präsident Bush zu verfolgen.