Kürzungen geplant Opel dreht an der Kostenschraube
Rüsselsheim - Der neue Opel-Chef Hans Demant hatte eine Beschäftigungsgarantie abgelehnt. Für die deutschen Werke gehe es im konzerninternen Wettbewerb mit den anderen Standorten in Europa darum, Effizienz und Produktivität deutlich zu steigern.
Der Gesamtbetriebsrat will in den Verhandlungen einen "Zukunftsvertrag" erreichen. Die Arbeitnehmervertreter verlangen eine Beschäftigungssicherung bis mindestens 2010 sowie Zusagen für die deutschen Standorte. Die bestehenden Einkommen und Tarifverträge müssten gesichert werden, außerdem müsse die Ausbildung erhalten bleiben.
Beide Seiten betonten, es sei Vertraulichkeit vereinbart worden. Die Gespräche, die bis Ende Oktober gehen könnten, würden fortgesetzt. Vorstand und Betriebsrat wollen damit offenkundig eine konfliktreiche öffentliche Auseinandersetzung verhindern. Das Unternehmen wollte sich auf Anfrage zu Details nicht äußern.
Vor einigen Wochen hatte die Konzernmutter General Motors (GM) bekannt gegeben, das Europa-Geschäft umbauen zu wollen. Davon wären auch die Marken Saab und Vauxhall betroffen. Empört war der Opel-Betriebsrat, dass Teile der Produktion des Kompakt-Vans Zafira von Bochum ins polnische Gliwice verlagert werden und nicht ins derzeit nicht ausgelastete Stammwerk Rüsselsheim.
GM will mit seiner angekündigten Neuorganisation in Europa insgesamt einen dreistelligen Millionenbetrag einsparen. Unklar ist bislang, wie hoch das angestrebte Sparvolumen bei Opel ist. Der neue GM-Europa-Präsident und Ex-Opel-Chef Carl-Peter Forster hatte erklärt, die Lohnstückkosten in den deutschen Werken müssten im zweistelligen Prozentbereich sinken.
Die Adam Opel AG schrieb 2003 operative Verluste in Höhe von 384 Millionen Euro und steht wie seine Wettbewerber unter hohem Kostendruck. Bei DaimlerChrysler hatte es in der Tarifrunde im Juli kurzfristige Streiks gegeben.
Während bei VW ein neuer Haustarifvertrag verhandelt wird, geht es bei Opel um die Umsetzung des Tarifabschlusses in der Metall- und Elektroindustrie. Bei beiden Autoherstellern verdienen die Beschäftigten mehr als normale Metallarbeiter. Deshalb könnten Lohnerhöhungen verrechnet oder Zulagen gestrichen werden.
Neben Opel wird derzeit auch bei VW um drastische Kostensenkungen und neue Tariflösungen gerungen. Die Wolfsburger wollen bis 2011 ihre jährlichen Personalkosten von 6,8 auf 4,8 Milliarden Euro verringern. Jobgarantien lehnen sie ebenfalls ab. Bei DaimlerChrysler hatten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer nach einem wochenlangen Konflikt Ende Juli auf ein 500-Millionen-Euro-Sparpaket verständigt. Daraufhin garantierte der Konzern die 160.000 deutschen Jobs bis zum Jahr 2012.