Kundenflucht: UBS kämpft um ihre Reputation - DER SPIEGEL
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Kundenflucht UBS kämpft um ihre Reputation

Fehlspekulationen, Beihilfe zur Steuerhinterziehung, Kursverluste - die Schweizer Großbank UBS steht mit dem Rücken zur Wand. Doch Milliarden-Abschreibungen sind das geringere Übel. Zur ernsten Gefahr wird der Reputationsverlust - mit möglichen Folgen für den Finanzplatz Schweiz.
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Berlin - Der Ansehensverlust ist beispiellos - und er lässt sich an den Zahlen ablesen: Im Jahr eins der US-Immobilienkrise, als noch niemand auf die Idee kam, die UBS könnte mit Subprime-Krediten Milliarden verzockt haben, sammelten ihre Vermögensberater noch 34 Milliarden Franken ein. In diesem Jahr regiert dagegen das Misstrauen: Die Kunden zogen insgesamt 43,8 Milliarden Franken ab. Allein bei Schweizer Geschäftskunden verlor das Institut nach eigenen Angaben zwei Milliarden Franken, in der Vermögensverwaltung für wohlhabende Kunden 17,3 Milliarden Franken und in der globalen Anlagenverwaltung 24,5 Milliarden Franken.

Zentrale der UBS: Notfallplan zur Wiederherstellung der Reputation

Zentrale der UBS: Notfallplan zur Wiederherstellung der Reputation

Foto: REUTERS

Wohl keine Zahl in der umfangreichen Quartalsbilanz, die UBS-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer heute präsentierte, hat die Experten derart elektrisiert wie diese. Denn sie spiegelt das Misstrauen der Kunden wider, wie kaum eine zweite. "Für die obersten Gremien einer Bank zählt die Reputation gewiss zu den zentralen Punkten, die es zu wahren gilt", erklärt Philipp Gisdakis, Kreditstratege von der UniCredit. Die Gefahr, dass sich daraus ein regelrechter Abwärtssog entwickle, sei enorm groß und selbst für eine Bank gefährlich, die in ihrer Substanz gesund sei.

Dieser Abwärtssog lässt sich bereits am Aktienkurs ablesen. Noch vor einem Jahr galt die UBS als Synonym für sicheres, vertrauenswürdiges Investment. Doch in den Turbulenzen der vergangenen Monate hatte die Aktie der Bank rund zwei Drittel ihres Wertes verloren, die Marktkapitalisierung halbierte sich nahezu von rund 60 Milliarden auf rund 30 Milliarden Euro. Inzwischen liegt die UBS nach Marktkapitalisierung weltweit nur noch auf Rang 25. Was hingegen den Wertverlust ihrer Aktie angeht, belegt sie hinter den US-Banken Citigroup   und Merrill Lynch   Rang drei.

Zweifel an der Diskretion

Nach Überzeugung von Experten gründet sich die Kundenflucht allerdings nicht allein auf die milliardenschweren Abschreibungen im Investmentbanking. Auch die Nachstellungen der amerikanischen Steuerfahnder tragen ihren Teil dazu bei. Um der Gefahr eines Lizenzverlusts im lukrativen US-Markt zu entgehen, sind die Schweizer gezwungen, sensible Kundendaten preiszugeben - eine alarmierende Nachricht für diejenigen, die bislang die Diskretion der Eidgenossen bei der Verwaltung ihresVermögens zu schätzen wussten.

Die unselige Affäre förderte noch einen anderen Aspekt zu Tage, der entscheidend zur Imagebildung beiträgt. Bis dato galt eine Schweizer Bank als diskrete und vornehme Institution, in der Werte wie Aufrichtigkeit, Loyalität und Ehre eine zentrale Rolle spielten. Doch dann berichteten Zeitungen in aller Breite wie es hinter den Kulissen der UBS rumorte. Nach Informationen der "Zeit" existierte ein internes Papier mit Richtlinien, das allein der juristischen Rückversicherung des Managements gegen die täglich praktizierte gesetzwidrige Beratung von US-Kunden diente. Der jetzt als Kronzeuge auftretende Vermögensberater Bradley Birkenfeld habe den Fahndern ein Dossier vorgelegt, in dem sich auch Schulungsunterlagen befunden hätten, mit denen die Berater mit den Ermittlungstechniken der FBI-Agenten vertraut gemacht wurden.

Schaden für den Finanzplatz Schweiz

Doch der Aufruf zum Gesetzesbruch auf der einen Seite wirkt ebenso wenig honorig wie der Verrat auf der anderen. Für ein Unternehmen, das derart auf das Vertrauen seiner Kunden angewiesen ist wie eine Bank, ist das Gift.

Der Nürnberger Finanzexperte Wolfgang Gerke fürchtet denn auch, dass die Reputation der UBS nachhaltig Schaden genommen hat. "Es wird lange dauern, bis der Ruf wieder hergestellt ist, wenn es überhaupt gelingt". Doch das Problem bleibt seiner Überzeugung nach nicht allein auf die UBS beschränkt: "Das Institut zählte immer zu den Aushängeschildern der Branche. Entsprechend wirkt sich der Ansehensverlust auch auf die anderen Schweizer Banken aus. 'Wie sicher ist mein Geld?', 'Wie sicher sind meine Daten?', dass sind Fragen, die Berater aller Banken in Zukunft werden beantworten müssen".

Dass auch die UBS-Führung den Ernst der Situation erkannt hat, wurde in der heutigen Bilanz-Pressekonferenz klar. Ein "weiter so", erklärte Kurer, werde es nicht geben. Dazu gehört auch die neue Struktur, die helfen soll, Prozesse zu vereinfachen und Risiken transparenter zu machen. Sie sieht vor, die zentralen Geschäftsbereiche künftig als selbständige Einheiten zu führen: Vermögensverwaltung und Business Banking, Asset Management und Investmentbanking. Die Bonuszahlungen für die Mitarbeiter sollen sich künftig an den Ergebnissen der jeweiligen Einheit orientieren.

Ob die Maßnahmen geeignet sind, auch das Vertrauen der vermögenden Großkunden wieder herzustellen, muss sich erst noch erweisen. CEO Marcel Rohner jedenfalls will noch nicht von der Rückkehr in die Erfolgsspur sprechen. "Wir müssen erst alle Probleme lösen, bevor wir sicher auf dem Weg zurück zu früheren Ergebnisniveaus sind", so Rohner. Dabei bleibe die Anwerbung neuer Kunden weiter von Bedeutung.

Zumindest Finanzexperte Gerke glaubt, dass der Neuanfang gelingen kann. "Die UBS verfügt über enormes Know-how bei Geldanlagen - ebenso wie viele andere Schweizer Institute. Diese Vorrangstellung wird ihnen so schnell niemand streitig machen können."