Kursfeuerwerk Anleger im Kaufrausch
Frankfurt am Main - Die Wall Street hat mit dicken Gewinnen eröffnet und den Aufwärtstrend in Frankfurt gestützt. Der Dow Jones gewinnt bis 16 Uhr 3,6 Prozent auf 8161 Zähler hinzu. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq-Composite, rückt zunächst um vier Prozent auf 1269 Zähler vor.
Angeführt von deutlichen Aufschlägen bei Finanz- und Technologiewerten kann der Dax seinen Erholungskurs halten und gewinnt 4,9 Prozent auf 2989 Punkte hinzu. Am Neuen Markt gewinnt der Nemax 50 mehr als zehn Prozent und notiert knapp unter der Marke von 400 Punkten.
Wall Street: Viele Ergebnisse über den Erwartungen
Im Fokus der Wall Street stehen am Dienstag zunächst die Geschäftszahlen von Citigroup . Der weltgrößte Finanzdienstleister hat im dritten Quartal seine Rückstellungen für Kreditausfälle um 283 Millionen Dollar erhöht. Die gesamten Rückstellungen belaufen sich damit auf 10,7 Milliarden Dollar. Im dritten Quartal ist das Nettoergebnis auf 3,92 (3,18) Milliarden Dollar gestiegen. Das Ergebnis liegt über den Erwartungen der Analysten. Die Aktie gewinnt zu Handelsbeginn mehr als fünf Prozent.
Auch die Bank of America macht mit guten Zahlen von sich reden. Das deutlich gestiegene Nettoergebnis im dritten Quartal auf 2,24 (0,84) Milliarden Dollar sei vor allem auf das Wachstum im Privatkundengeschäft zurückzuführen, sagte CFO James Hance. Das Ergebnis von 1,45 Dollar je Aktie hat die Prognosen der Analysten von 1,41 Dollar je Aktie übertroffen.
General Motors hat vor Sondereffekten den Gewinn je Aktie im dritten Quartal von 0,94 Cent auf 1,24 Dollar gesteigert. Erwartet worden war lediglich ein Plus von 99 Cent.
Frankfurt: Finanzwerte stemmen sich gegen Abstufungen
Der Konsumgüterproduzent Johnson & Johnson konnte seinen Quartalsgewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 49 auf 60 Cent steigern. Das war ein Cent mehr als von den Börsianern erwartet.
Die deutschen Finanzwerte stemmen sich gegen eine Reihe von Herunterstufungen durch Investmentbanken und weisen deutliche Gewinne aus. Commerzbank springen um zehn Prozent auf 7,62 Euro, HypoVereinsbank klettern um neun Prozent auf 15,72 Euro und Deutsche Bank um acht Prozent auf 45 Euro. Münchener Rück gewinnen rund 13 Prozent auf 137 Euro und führen damit den Dax an. Allianz verteuern sich ebenfalls um mehr als zehn Prozent auf 102 Euro.
"Die Anleger wollen ihre Cashbestände investieren. Das können auch die zahlreiche Herunterstufungen nicht verhindern", sagt ein Händler. Unter anderem hatte die schweizerische Investmentbank UBS den europäischen Bankensektor heruntergestuft. In Frankfurt heißt es, seien viele große Investoren - unter ihnen auch deutsche Fondsgesellschaften - am Start.
Techwerte klettern kräftig
Die Verluste in den vergangenen Wochen seien wohl einfach zu stark gewesen, meint ein weiterer Marktteilnehmer. Jetzt witterten Investoren ihre Chance auf eine Herbst- und Winterrallye und kauften daher die Titel, die am stärksten verloren hätten. "Solange die anstehende Berichtssaison zum dritten Quartal keine negativen Überraschungen bringt, dürften die Märkte in den kommenden Wochen weiter nach oben laufen", meint auch ein Analyst. Dabei könne der Dax durchaus in Richtung 3200/3400 Punkte anziehen. Spätestens dann sei aber mit nachhaltigeren Gewinnmitnahmen zu rechnen.
Infineon , Epcos , Siemens und SAP verteuerten sich zwischen zwölf und neun Prozent. Bei Infineon verbesserten vor allem die teilweise deutlichen Gewinne der Aktien der asiatischen Halbleiterhersteller die Stimmung, sagte ein Händler.
Die PKW-Zulassungszahlen im Westeuropa haben sich im September um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat leicht erholt, was die Automobilwerte stützt. Der mögliche Streik bei DaimlerChrysler in Kanada habe keine Auswirkungen, sagen Händler. Der Einfluss auf das operative Geschäft durch einen Ausstand in dem kanadischen Werk sei begrenzt. Das "Wall Street Journal" berichtet, dass die Wahrscheinlichkeit eines Streiks im kanadischen Werk von DaimlerChrysler höher geworden ist.
DaimlerChrysler gewinnen 7,40 Prozent auf knapp 36 Euro, BMW 5,60 Prozent auf Euro und Volkswagen 5,70 Prozent auf 39,39 Euro.
Neuer Markt geht durch die Decke
Neuer Markt geht durch die Decke
Mit einem Kursfeuerwerk präsentiert sich der Neue Markt am Dienstagnachmittag. Bis 16 Uhr steigt der Nemax-50 um mehr als zehn Prozent auf 393 Zähler.
Händler zeigen sich überrascht von den deutlichen Kursgewinnen. Diese ließen sich fundamental nicht erklären, das treffe allerdings auch auf die vorherigen Verluste zu. Es gebe dennoch einige positive Faktoren, die förderlich seien. Neben einer überraschend festen Wall Street vom Vortag, die sich auch durch die Terroranschläge nicht in Bedrängnis bringen ließ, überraschten einige Unternehmen mit positiven Nachrichten.
So haben die Quartalszahlen von Unisys, Citigroup oder auch Bank of America die Erwartungen erfüllt oder übererfüllt. Getragen werde die Aufwärtsbewegung von Short-Eindeckungen in einem überverkauften Markt. Von einer anstehenden Herbstrallye möchte aber noch kein Händler etwas wissen. Dazu müssten zunächst die Unternehmen über einen längeren Zeitraum positive Zahlen liefern und die Umsätze deutlich anziehen.
Im Mittelpunkt des Anlegerinteresses am Neuen Markt stehen wieder einmal MobilCom .
Das "Handelsblatt" berichtet, dass France Telecom MobilCom die Schulden von 4,7 Milliarden Euro erlassen wird. Zwar sei die Meldung bereits am Montag im späten Handel bekannt gewesen, doch viele Anleger sprängen wohl jetzt noch auf den fahrenden Zug auf, so ein Händler. Allerdings sei auf dem gegenwärtigen Niveau bereits wieder Vorsicht angebracht. Nach Einschätzung der DZ Bank hat MobilCom eine Überlebenschance, sollte es tatsächlich zu einem vollständigen Schuldenerlass kommen. Das Kerngeschäft könnte ohne UMTS und unter Einhaltung des rigorosen Restrukturierungsprogramms profitabel arbeiten, sagte Robert Vinall.
Ein UMTS-Engagement sei nur mit einem finanzstarken Partner möglich, der sämtlich Investitionen zum Netzaufbau tragen würde. Es sei allerdings unwahrscheinlich, dass etwa Hutchinson Whampoa bei den Büdelsdorfern einsteige. Für die Chinesen gebe es attraktivere Engagements wie etwa bei O2. Andere potenzielle Partner sieht Vinall momentan nicht. Die Aktie klettert um 24,7 Prozent auf 3,74 Euro.
Insbesondere die in der jüngsten Vergangenheit "verprügelten Werte" - darunter viele Standardwerte - erholen sich am Neuen Markt. Bislang handele es sich aber lediglich nur um technische Erholungen auf starke vorherige Verluste. Dem entsprechend seien die Gewinne mit Vorsicht zu genießen. So legen etwa Augusta 29 Prozent zu, Kontron 19 Prozent, Micronas 16 Prozent auf 17,05, Aixtron 23 Prozent auf 5,65 Euro, CE Consumer um 31 Prozent auf 1,71 Eurp oder Singulus 16,7 Prozent auf 14,20 Euro.
Der Kurs des Euro ist am Dienstag gefallen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9810 (Montag: 0,9873) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0194 (1,0129) Euro. Gegen 15.50 Uhr wurde der Euro mit 0,9813 Dollar gehandelt.