Kursfeuerwerk: Dax schießt nach oben - DER SPIEGEL
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Kursfeuerwerk Dax schießt nach oben

Erleichterung an der Börse: Der deutsche Leitindex ist zu Börsenbeginn um mehr als vier Prozent in die Höhe geschossen. Besonders die Finanztitel schnellen nach oben, Deutsche-Bank- und Commerzbank-Titel steigen rasant. Grund ist ein gigantisches Rettungspaket der US-Regierung.
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Düsseldorf - Der Dax   schnellt nach oben: In den ersten Handelsminuten stieg er um fast fünf Prozent und durchbrach dabei die 6000er-Marke. MDax   und TecDax   legten jeweils um mehr als fünf Prozent zu. "Die Kavallerie kommt", fasste LBBW-Bankanalyst Alexander Groschke die Entwicklung zusammen.

Händler in Frankfurt am Main: Finanzwerte im Aufwind

Händler in Frankfurt am Main: Finanzwerte im Aufwind

Foto: AP

Grund für das Kursfeuerwerk sind Berichte über einen Rettungsplan für Banken, den die US-Regierung in Kürze vorlegen will. Der TV-Sender CNBC berichtet, die US-Regierung denke über eine Auffanglösung für Bankschulden nach. Nach den Überlegungen von Finanzminister Paulson soll sie sich an dem Modell der Resolution Trust Corp. (RTC) orientieren, das die Regierung Ende der achtziger Jahre nach dem Zusammenbruch mehrerer Spar- und Darlehenskassen erfolgreich zur Bekämpfung der damaligen Finanzkrise einsetzte.

Besonders gefragt sind im Dax die Finanzwerte. Die Titel der Allianz - einer der größten Vortagesverlierer - stiegen um 13 Prozent, die Aktien von Commerzbank   und Deutscher Bank   stiegen anfangs um jeweils 20 Prozent.

Auch die in Frankfurt notierten US-Bankenwerte zogen kräftig an. Washington Mutual  , die laut "Wall Street Journal" bei der Citigroup   auf Interesse gestoßen sind, schossen um 30 Prozent in die Höhe. Morgan Stanley   legten 41 Prozent zu. Nach Informationen aus Kreisen führt die Investmentbank derzeit Fusionsgespräche mit dem chinesischen Staatsfonds CIC über eine größere Beteiligung.

Zusätzlich Auftrieb dürfte dem Dax eine Bekanntgabe der Europäischen Zentralbank (EZB) geben: Diese stellt dem Geldmarkt auch über das Wochenende zusätzliche Dollar-Liquidität zur Verfügung. Sie plant einen weiteren Schnelltender im Umfang von 40 Milliarden Dollar für die nächsten drei Tage. Bereits am Donnerstag hatte die EZB im Rahmen einer konzertierten Aktion führender Notenbanken der Welt bei einer hohen Nachfrage 40 Milliarden Dollar in den Geldmarkt gepumpt.

An an anderen europäischen Börsen schnellten die Kurse in die Höhe. Der EuroStoxx   legte im frühen Handel um 2,59 Prozent auf 3078 Zähler zu. Der französische CAC-40-Index kletterte um über fünf Prozent, der Londoner FTSE 100 sogar um sechs Prozent.

Landesbanken drohen Milliardenbelastungen

Auf die deutschen Landesbanken kommen mit der Eskalation der Finanzmarktkrise einem Pressebericht zufolge Abschreibungen in Milliardenhöhe zu. Allein die Nettobelastung aus dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers  belaufe sich für die Landesbanken auf deutlich mehr als eine Milliarde Euro, schreibt das "Handelsblatt" mit Verweis auf Branchenkreise.

Entsprechende vorläufige Angaben übermittelten die einzelnen Institute in dieser Woche in einer Telefonkonferenz an Sparkassenpräsident Heinrich Haasis in Berlin. Ein Sprecher des Sparkassenverbands DSGV sagte der Zeitung, die Landesbanken seien "in unterschiedlicher Höhe, aber in verkraftbarem Rahmen betroffen". Genaue Daten könnten erst genannt werden, wenn klar sei, wie sich die Situation entwickele.

Die einzelnen Häuser der Gruppe seien offenbar höchst unterschiedlich von der Lehman-Pleite in Mitleidenschaft gezogen. Nach Angaben aus Landesbankkreisen blieben die Dekabank, die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die NordLB und auch die WestLB "relativ unauffällig".

Härter betroffen seien dagegen die HSH Nordbank, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und die BayernLB. Die LBBW hatte bereits am Donnerstag ihre Gewinnprognose zurückgezogen, von der BayernLB hieß es aus Branchenkreisen, durch Engagements bei Lehman drohten Ausfallrisiken im niedrigen dreistelligen Millionenbereich.

Jeder dritte Deutsche sorgt sich um seine Ersparnisse

Laut einer Umfrage von Infratest dimap sehen die Deutschen die Finanzkrise zusehends pessimistisch. Fast jeder dritte Bundesbürger (29 Prozent) sorge sich um seine Ersparnisse. Die große Mehrheit (71 Prozent) der 1000 Befragten hat allerdings keine Angst, heißt es in der Studie, die im Auftrag des ARD-"Morgenmagazins" durchgeführt wurde.

Angesichts der Turbulenzen hat Bundesfinanzminister Peer Steinbrück offenbar einen Krisengipfel einberaumt. Laut "Financial Times Deutschland" hat der SPD-Politiker Spitzenverbände der Branche und Vertreter großer Banken zu einem Treffen zusammengetrommelt. Dieses soll kommenden Donnerstag in Berlin stattfinden. Über die Ergebnisse will Steinbrück kommenden Freitag im Rahmen einer Regierungserklärung berichten.

ssu/AFP/AP/dpa-AFX/ddp/Reuters