Kursrutsch Dax verliert 2,4 Prozent
Frankfurt am Main - Auslöser der Gewinnmitnahmen sei eine skeptische Studie der Analysten von Morgan Stanley zu den europäischen Märkten gewesen, sagten Händler: Die Analysemodelle der Experten hätten drei Alarmsignale gleichzeitig ausgegeben - eine so deutliche Warnung sei seit 1980 nur fünf Mal vorgekommen. "Da sind viele Investoren hellhörig geworden und verkaufen", sagte ein Händler. "Es wird verkauft, was das Zeug hält", sagte ein anderer.
Am späten Nachmittag verstärkte sich der Druck, der Dax fiel bis auf 7723 Punkte. Letztlich schloss der Index mit einem Abschlag von 2,4 Prozent bei 7730 Punkten. Auch in der zweiten Reihe, beim MDax und TecDax wurden die Verliererlisten im Laufe des Tages immer länger. Der MDax rutschte um 2,71 Prozent auf 10.855,44 Punkte nach unten. Der TecDax büßte 2,90 Prozent auf 893,25 Zähler ein.
EZB-Entscheidung hinterließ kaum Spuren
Dabei hatte der Markt auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, die Zinsen in der Eurozone um 25 Basispunkte auf vier Prozent anzuheben, kaum reagiert - für Börsianer ein Zeichen der Stärke. Dann aber senkte die US-Regierung ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr. Zudem machten Spekulationen über ein Ansteigen der Inflation und mögliche Zinserhöhungen der US-Notenbank die Runde. "Vielleicht bekommen wir doch eine ordentliche Korrektur", sagte ein Händler. Einige Marktteilnehmer hätten die Meldung zum US-Wachstum wohl so aufgefasst, dass das Szenario einer weichen Landung in Gefahr sein könnte.
Die Folge: etliche Verkaufsorders gingen bei den Brokern ein. Doch Abnehmer waren schwer zu finden: "Die Käufer streiken", sagte ein Händler. "Es ist heute schon etwas übertrieben. Aber solange nicht eine wirklich gute Nachricht wie beispielsweise eine Übernahme kommt, dürften wir erstmal seitwärts tendieren." Vor nächster Woche sei auch nicht zu erwarten, dass der Dax die am vergangenen Freitag erstmals seit sieben Jahren überschrittene Marke von 8000 Punkten wieder in Angriff nehme - zumal am Donnerstag wegen des Feiertags viele Marktteilnehmer fehlen dürften.
"Es könnten noch weitere Rücksetzer kommen, aber bei rund 7630 Punkten sollte dann langsam Schluss sein", meinte auch Marktstratege Christian Schmidt von der Helaba. Dabei rechnet er zugleich mit deutlichen Schwankungen: "Der große Verfall in der kommenden Woche dürfte spätestens ab Freitag seine Schatten voraus werfen", sagte er. Möglicherweise versuche schon am Donnerstag jemand, den Markt in die eine oder andere Richtung zu drücken - dazu würden Feiertage oftmals benutzt.
Alle Dax-Titel im Minus
Der Abwärtssog im Dax betraf alle Werte. Selbst die Aktie von SAP , die sich lange als einziger Standardtitel im Plus gehalten hatte, drehte am Nachmittag ins Minus und ging 0,3 Prozent billiger aus der Sitzung. Im Vergleich zu allen anderen 29 Werten im Dax hätte SAP noch Nachholbedarf, wurde zuvor die überdurchschnittlich gute Entwicklung der Aktie begründet. An der Spitze der langen Verliererliste standen ThyssenKrupp , BASF und TUI mit Kursverlusten von rund vier Prozent.
Die Aktie der Deutschen Bank verbilligte sich um 2,5 Prozent. Gerüchten zufolge gab es Verluste im Eigenhandel, wie Händler sagten. Eine Person aus dem Umfeld der Deutschen Bank wies die Behauptungen indes zurück. Das Institut selbst lehnte eine Stellungnahme ab. Linde , die um 2,4 Prozent zurückfiel, wurde zusätzlich von einem Dividendenabschlag gedrückt.
Etwas besser als der Gesamtmarkt hielt sich dagegen die Altana-Aktie mit einem Kursverlust von 1,5 Prozent. Die Entscheidung der Börse, Altana aus dem Dax zu nehmen und den Platz in der ersten Reihe an Merck zu vergeben, war am Markt erwartet worden. Noch sind Altana jedoch im Dax zu finden: Die Veränderungen werden erst zum 18. Juni umgesetzt. Merck gaben um 1,5 Prozent nach.
mik/Reuters/dpa