Kursrutsch Rezessionsangst lähmt die Weltbörsen
"Die Gewinnwarnung von General Electric hat dem Markt einen neuen Tiefschlag verpasst", sagte ein Händler. Der Konzern, der wegen seiner vielfältigen Aktivitäten als Barometer für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung in den USA gilt, wies am Freitag einen Gewinnrückgang von sechs Prozent aus. Unter der Kreditkrise und dem allgemeinen Abschwung in der größten Volkswirtschaft litten vor allem die Finanz-, die Industrie- und die Gesundheitssparte des Konzerns. Für das Gesamtjahr senkte GE seinen Ausblick.
General Electric ist nach Alcoa bereits der zweite Konzern, der zum Auftakt der US-Quartalssaison weit unter den Erwartungen der Analysten blieb. In der kommenden Woche melden unter anderem Finanzwerte wie die Citigroup , JP Morgan und Merrill Lynch ihre Ergebnisse - hier werden weitere Abschreibungen erwartet. Auch der Konsumgüterkonzern Johnson & Johnson sowie der Mischkonzern Honeywell dürften mit ihren Zahlen belegen, wie stark die Unternehmen bereits unter der Kreditkrise leiden.
Verbrauchervertrauen auf tiefstem Stand seit 1982
Verstärkt wurden die Rezessionsängste der Anleger durch schwache Konjunkturdaten. Das US-Verbrauchervertrauen fiel auf den tiefsten Stand seit Anfang der 80er Jahre.
Der Index der Universität Michigan gab nach vorläufigen Berechnungen vom Freitag im April auf 63,2 Punkte von 69,5 Zählern im Vormonat nach. Volkswirte hatten nur mit einem Rückgang auf 69,0 Punkte gerechnet.
Vor allem das Dax-Schwergewicht Siemens litt unter der Gewinnwarnung von GE. Aktien von Siemens fielen mit einem Abschlag von 3,44 Prozent auf 68,25 Euro auf den letzten Platz im DAX. "Vor allem die Schwäche in der US-Medizintechnik-Sparte betrifft Siemens genauso, denn der deutsche Konzern agiert in denselben Märkten wie GE", hob er hervor.
Auch die Autowerte, die zuletzt noch einen Erholungsversuch gestartet hatten, rutschten wieder in die Verlustzone. Besonders schwach präsentierte sich BMW .
Im MDax büßten die Aktien des Flughafen-Betreibers Fraport nach den veröffentlichten Verkehrszahlen für März 2,98 Prozent auf 45,53 Euro ein. Nach Ansicht von Händlern waren die Zahlen etwas schwach, da im vergangenen Monat die Anzahl der in Frankfurt abgefertigten Fluggäste im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist.
Die Titel wurden zuletzt von Aussagen belastet, dass der Übernahme-Interessent TomTom die Frist der EU-Kommission zur Einreichung von Vorschlägen für wettbewerbsrechtliche Auflagen einfach habe verstreichen lassen. Am Markt hieß es dazu: Sollte die Übernahme von Tele Atlas scheitern, so sei das sehr negativ für die Aktie des Herstellers digitaler Landkarten. Die Wahrscheinlichkeit einer Einigung mit der EU sei nun gesunken.
GE-Aktien brachen zeitweise um mehr als 10 Prozent Insbesondere die Finanzsparte trug zu dem schlechten Ergebnis des Konzerns bei. "Dies zeigt nur, wie die Kreditkrise sich auf alle auswirkt", sagte Frank Lesh von FuturePath Trading.
In den Abwärtssog gerieten auch Finanztitel wie die der Citigroup mit einem Minus von 1,4 Prozent. Bear Stearns , das am Vortag selbst eine Gewinnwarnung herausgegeben hatte, lag 1,6 Prozent im Minus.
Japan vor G7-Treffen etwas fester
In Tokio hatte sich der Nikkei-225-Index am Freitag in der letzten Handelsstunde sehr fest präsentiert. Die Anleger warteten auf ein Treffen der Notenbankchefs der sieben führenden Wirtschaftsnationen beim G7-Gipfel am Wochenende und hofften auf eine Stabilisierung der Finanzmärkte, erklärten Börsianer das Marktgeschehen. Japans bedeutendstes Börsenbarometer legte um 2,49 Prozent auf 13.268 Punkte zu.
Der US-Ölpreis ist am Freitag etwas unter seinen jüngsten Rekordstand gefallen. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate zur Auslieferung im Mai sank im asiatischen Handel auf 109,64 US-Dollar. Das waren 47 Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Am Mittwoch hatte der Ölpreis noch mit 112,21 Dollar noch einen neuen Höchststand erreicht.
Der Euro hat am Freitag etwas fester notiert. Vom am Donnerstag erreichten Rekordhoch bei 1,5915 Dollar blieb er jedoch weit entfernt. Die Gemeinschaftswährung hatte nach der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB)zunächst Kursgewinne verzeichnet, gab aber wieder nach, als EZB-Chef Jean-Claude Trichet Sorgen wegen der Wechselkursschwankungen ausgedrückt hatte.
itz/mm.de/dpa-AFX/Reuters