Kurssprung Gerüchte über Staatsfonds-Einstieg bei TUI
Frankfurt am Main - Neue Spekulationen über die Zukunft von TUI : Möglicherweise wird das Unternehmen seine Schifffahrtsaktivitäten mit denen des singapurischen Staatsfonds Temasek zusammenlegen. An der Börse wurden die Gerüchte positiv aufgenommen: Die Aktie des deutschen Reisekonzerns kletterte bis zum Mittag gut 5,5 Prozent nach oben. Ein TUI-Sprecher dementierte allerdings, dass es Verhandlungen gebe.
Über die Zukunft der TUI gab es immer wieder Gerüchte. Seit längerem wird vermutet, dass ein ausländischer Investor bei dem Unternehmen einsteigen könnte. Sollte es sich dabei um einen Staatsfonds handeln, wäre dies allerdings eine große Überraschung. TUI wäre das erste Unternehmen im Dax , an dem ein ausländischer Staatsfonds einen Anteil in relevanter Größenordnung erwirbt. Temasek verwaltet einen Teil der Milliardenreserven des südostasiatischen Staates Singapur.
Die "Financial Times" hatte unter Berufung auf Insider berichtet, es gebe Gespräche über eine Fusion der TUI-Tochter Hapag-Lloyd mit der zu Temasek gehörenden Reederei Neptune Orient Lines (NOL). NOL lehnte eine Stellungnahme ab. TUI-Chef Michael Frenzel hatte vor kurzem erklärt, sein Konzern wolle am Konzentrationsprozess in der Branche aktiv teilnehmen.
Aus Sicht von Branchenexperten würde ein Zusammenschluss von Hapag-Lloyd und NOL Sinn machen. "Hapag-Lloyd und NOL passen gut zusammen", erklärte Jochen Rothenbacher von Equinet. Das gemeinsame Geschäft läge auf Platz drei hinter Moller-Maersk und der Schweizer Mediterranean Shipping Company. "Zusammen könnten sie der Konkurrenz gut die Stirn bieten", sagte ein Händler.
Gut 20 Prozent der TUI-Anteile stehen zur Debatte
"Dadurch ließen sich erhebliche Synergien heben", sagte MM-Warburg-Analyst Eggert Kuls. Er verwies darauf, dass TUI nach der Übernahme des kanadischen Reeders CP Ships vor drei Jahren Einsparungen von drei Prozent des Umsatzes erzielt habe.
Für ein Zusammengehen von TUI und Temasek machen am Markt verschiedene Szenarien die Runde. Wenn TUI an seinem geplanten Konzernumbau festhalten und die Konzernholding mit der Tochter Hapag-Lloyd verschmelzen will, kommt eine Fusion von Hapag-Lloyd und NOL in ein neues Gemeinschaftsunternehmen eigentlich nicht in Frage. Eine übergeordnete Holding wäre nach Ansicht von Branchenexperten dann überflüssig, und erneute Rufe nach einer Aufspaltung des Konzerns würden laut werden. TUI hatte diese Variante bei der Fusion mit der britischen First Choice zur TUI Travel angewandt.
Der Staatsfonds aus Singapur könnte seinen 68-prozentigen NOL-Anteil auch direkt gegen TUI-Aktien tauschen. In diesem Fall, spekulieren Marktkenner, könnte der Fonds einen Anteil von gut 20 Prozent an dem deutschen Konzern erhalten.
wal/Reuters