Kurssturz: Dax kracht ein - Börse hochnervös - DER SPIEGEL
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Kurssturz Dax kracht ein - Börse hochnervös

Die Stimmung an den Börsen verdüstert sich: Der Dax ist am Nachmittag zeitweise auf den niedrigsten Stand seit Dezember 2006 abgerutscht. Händler sprechen von hoher Nervosität - alle fürchten eine Rezession in den USA und einen Crash an der Wall Street.
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Frankfurt am Main - Erst ging es rauf, dann ging es leicht bergab. Doch schließlich fiel der Dax immer schneller nach unten: Am Nachmittag notierte der wichtigste deutsche Aktienindex zeitweise fast sechs Prozent im Minus, bei 6386 Punkten - so niedrig wie seit Dezember 2006 nicht mehr.

Der MDax   verlor bis zum Nachmittag 3,1 Prozent - nachdem er am Morgen noch deutlich gestiegen war. Der TecDax   gab 4,4 Prozent nach.

Börse in Frankfurt: Die EZB enttäuscht die Anleger

Börse in Frankfurt: Die EZB enttäuscht die Anleger

Foto: DPA

Händler sprachen von Rezessionsängsten in den USA, die die Märkte umtreiben. Die Dow-Jones-Futures in den USA drehten schon vor Handelsbeginn an der Wall Street deutlich ins Minus; Futures sind Wetten auf künftige Kurse. Auch ein enttäuschender Zwischenbericht des Computerkonzerns Apple drückte die Stimmung.

Händler verwiesen außerdem auf Gerüchte über weitere Milliardenabschreibungen bei Banken. "Es heißt, die Société Générale könnte im Zuge der Finanzmarktkrise 40 Milliarden Euro abschreiben", sagte ein Börsianer. Die französische Zeitschrift "Le Canard Enchaine" habe darauf verwiesen, dass ein großer Teil der risikobehafteten Kredite der Bank von einem aktuell angeschlagenen US-Versicherer abgesichert werde.

Händler werten Fed-Zinssenkung als "Panikreaktion"

Zusätzliche Unruhe verursacht die gestrige Senkung der US-Leitzinsen um 0,75 Prozent. "Der Markt hat davor Angst, dass sich in den USA eine negative Bewertung der Zinssenkung durchsetzt, und damit eine neue Verkaufswelle droht", sagte ein Händler. Die Kommentare zur Senkung durch die US-Notenbank seien weltweit sehr zwiespältig ausgefallen, überwiegend würden sie als "Panikreaktion" der Notenbank interpretiert.

Der Leitzins ist der fundamentale Zinssatz, zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen. Je niedriger der Zinssatz ist, desto leichter können Kredite vergeben werden. Auf diese Weise sollen Unternehmen zu Investitionen angeregt werden.

Die Wirksamkeit der gestrigen Absenkung ist allerdings umstritten. "Die Möglichkeiten, mit Hilfe einer expansiven Geldpolitik die Konjunktur anzukurbeln, sind sehr begrenzt", sagt der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz der "Berliner Zeitung". Eine zu schnelle Absenkung wertet Franz sogar als gefährlich: Wenn die Banken den Eindruck bekämen, die Fed helfe ihnen aus jeder Krise, würden sie noch risikofreudiger, wenn nicht leichtsinniger.

Europäische Zentralbank will Leitzins nicht senken

Gestern zeigte die Zinssenkung indes Wirkung: In den USA verzeichnete der Dow Jones   gestern nur ein leichtes Minus von 1,06 Prozent, im nachbörslichen Handel stiegen die Kurse sogar ins Plus. Die Zinssenkung der US-Notenbank habe Schlimmeres verhindert, sagte Stratege Robert Halver von der Bank Vontobel. "Aber wir sind noch nicht durch."

Nach der Rettungsaktion der Fed gab es erneut Spekulationen, dass auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Zinsen senken könnte. Dazu ist sie aber offensichtlich nicht bereit. Zinssenkungen würden die Inflation weiter hoch treiben - das wolle die EZB in jedem Fall verhindern, sagte Zentralbankchef Jean-Claude Trichet. Analysten erwarten eine Zinssenkung der EZB erst im März.

Trichets klares Nein ist möglicherweise ein weiterer Grund für die wieder fallenden deutschen Aktienkurse. Niedrige Zinsen hätten die Wirtschaft in Schwung bringen können - und damit die Kurse befeuert. Jetzt ziehen sich die Anleger wieder zurück.

In den USA hingegen könnte es schon nächste Woche weitere Zinssenkungen geben. Nach Einschätzung der Deutschen Bank ist ein erneuter Abschlag von 0,5 bis 0,75 Punkten nicht ausgeschlossen.

Abschreibungen ausgewählter Banken in US-Dollar *

Citigroup 24,6 Mrd.
Merrill Lynch 23,6 Mrd.
UBS 14,4 Mrd.
Morgan Stanley 9,4 Mrd.
Bank of America 5,3 Mrd.
Credit Suisse 4,7 Mrd.
HSBC 3,4 Mrd. **
Deutsche Bank 3,2 Mrd. **
JP Morgan Chase 2,9 Mrd.
Barclays 2,7 Mrd. **
Bear Stearns 2,7 Mrd.
Wachovia 1,7 Mrd.
Dresdner Bank 840 Mio. **
Commerzbank 425 Mio.
Hypo Real Estate 584 Mio.
Postbank 89 Mio. **
* 3. und 4. Quartal 2007
** nur 3. Quartal

An Asiens Börsen griffen die Anleger wieder kräftig zu. In Tokio legte die Börse als Reaktion auf die Not-Zinssenkung der US-Zentralbank deutlich zu: Der Nikkei   schloss mit einem Plus von zwei Prozent bei 12.829 Punkten - unter anderem in Folge von Schnäppchenkäufen.

Südkorea, Singapur und Hongkong verbuchten Kursgewinne zwischen einem und fünf Prozent. Einzig die Börse in Taiwan verzeichnete Abschläge von 2,3 Prozent. Hier hatte der schwache Ausblick des Computerkonzerns Apple   die Kurse belastet.

Die internationale Presse reagierte auf den "schwarzen Montag" und den "grauen Dienstag" durchweg kritisch: Die französische Zeitung "Le Monde" verglich den Börsencrash sogar mit der radioaktiven "Giftwolke von Tschernobyl": Es sei "ziemlich naiv, anzunehmen, dass sich in einer globalisierten Welt eine Finanzkrise nicht auf internationale Märkte auswirken würde", schrieb das Blatt - der Atlantik hätte die radioaktive Wolke schließlich auch nicht aufgehalten.

wal/ssu/AP/dpa/ddp/Reuters