Kurssturz: Dunkle Wolken über der Börse - DER SPIEGEL
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Kurssturz Dunkle Wolken über der Börse

"Sell in May and go away" - an den Aktienmärkten bewahrheitet sich eine Börsenweisheit. Der Dax hat noch einmal deutlich nachgegeben und bis zum Abend 2,2 Prozent verloren. Auch TecDax und MDax rutschten steil ab.
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Frankfurt am Main - Weltweit sind die Aktienmärkte nach schwachen Vorgaben aus Fernost mit deutlichen Kursverlusten in die Handelswoche gestartet. Marktteilnehmern zufolge bestimmten Sorgen über die weitere Zinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve und das zu erwartende Wachstum der größten Volkswirtschaft der Welt den Handel.

Der Leitindex Dax   verlor 2,22 Prozent auf 5546 Punkte. Im Handelsverlauf war der Leitindex sogar bis auf 5513 Zähler gefallen. Auf diesem Niveau hatte er zuletzt im Januar notiert. Auch der MDax   mittelgroßer Werte gab um 5,61 Prozent oder 459 Punkte auf 7723 Zähler nach. Der TecDax   fiel um 4,36 Prozent auf 628 Punkte.

"Von der Großwetterlage her macht der Mai seinem Namen alle Ehre", sagte Robert Halver, Kapitalmarktexperte bei Vontobel Asset Management. "Das reinigende Gewitter ist allerdings etwas stärker ausgefallen als erwartet." Der Mai gilt als schlechter Börsenmonat. "Sell in May and go away", zählt zu den Börsenweisheiten, auch wenn sich dieser Ratschlag statistisch nicht unterfüttern lässt. "Grundsätzlich bleibt das positive Umfeld bestehen", betonte Halver. "An den Fundamentaldaten hat sich nichts geändert." Er sehe keine Trendwende der weltweiten Aufwärtsbewegung an den Aktienmärkten. Vom derzeitigen Niveau aus sei ein Anstieg des Dax um 10 Prozent in den kommenden sechs Monaten durchaus realistisch.

"Richtig Sorgen, dass wir hier eine Trendwende sehen könnten, mache ich mir nicht", sagte auch Frank Schallenberger, Aktienstratege bei der Landesbank Baden-Württemberg. Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11,5 auf Basis der Schätzungen für 2007 mache es definitiv keinen Sinn, alle Aktien einfach hinzuschmeißen. "Die Fundamentaldaten sehen bereits bei 5600 Punkten so billig aus, dass wir uns in den kommenden Wochen und Monaten die 6000 auch wieder von oben ansehen werden."

Doch zunächst wird auf eine Beruhigung der Märkte gewartet. Sollte die schwache Tendenz am US-Aktienmarkt anhalten, könnte es am Dienstag im frühen Geschäft nochmals zu erheblichem Verkaufsdruck kommen, prognostizierten Marktteilnehmer.

In New York fiel der Dow-Jones-Index   bis 17.45 Uhr (MESZ) um 0,6 Prozent auf 11.082 Punkte und der Nasdaq Composite verlor 1,2 Prozent auf 2167 Zähler. Händler sprachen von einer Fortsetzung der an den asiatischen und europäischen Börsen zu beobachtenden Welle der Gewinnmitnahmen. Dabei belaste die Sorge vor einer steigenden Inflation und anziehenden Zinsen. Vor allem spekulatives Kapital werde daher aus den sehr gut gelaufenen Aktien und Rohstoffen abgezogen. Das Geschäft sei von großer Nervosität angesichts der unsicheren konjunkturellen Aussichten geprägt.

Der Euro stieg bis zum Abend auf 1,2839 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte am Mittag einen Referenzkurs von 1,2753 Dollar festgelegt. Devisenhändler berichteten vor allem von technischen Dollar-Verkäufen.

Aktie der Deutschen Börse verliert 8,5 Prozent

Im Blickpunkt standen Papiere der Deutsche Börse  , die sich an die Spitze der Dax-Verlierer setzten und 8,5 Prozent auf 101,30 Euro nachgaben, nachdem die New York Stock Exchange   ein Angebot für die Vierländerbörse Euronext   vorgelegt hatte. Medienberichten zufolge zieht Euronext eine Fusion mit der US-Börse einem Zusammenschluss mit dem Frankfurter Finanzplatz vor.

MAN   verloren wegen des Dividendenabschlags 4,8 Prozent auf 54,26 Euro. ThyssenKrupp   verbilligten sich um 7,3 Prozent auf 23,98 Euro. Am Abend lagen alle 30 Dax-Werte im Minus. Die geringsten Verluste verzeichneten Schering  , die fast unverändert mit 85,54 Euro aus dem Handel gingen.

Im Technologie-Index TecDax verloren die beiden Solarwerte Conergy   und Solarworld   mehr als 13 Prozent. Auch Q-Cells und Ersol   schlossen mit deutlichen Verlusten. Trotz der anhaltenden deutlichen Abgaben bei den Solarwerten sehen Marktteilnehmer das Verlustpotenzial noch nicht ausgeschöpft. In die Werte sei massiv "spekulatives Geld" geflossen, sagte ein Händler. Fünf TecDax-Werte schlossen im Plus, an der Spitze Jenoptik  , die sich um 3,2 Prozent auf 7,85 Euro verbesserten.

In der zweiten Reihe fielen die Papiere des Immobilienunternehmens Vivacon   um 21,2 Prozent auf 28,66 Euro. "Die fetten Enten verlieren in diesen Tagen am meisten. Dazu zählt auch eine Vivacon", sagte ein Händler. Stark unter Druck standen auch Salzgitter   mit einem Verlust von 16,3 Prozent auf 51,40 Euro. Mehr als zehn Prozent verloren Schwarz Pharma  , Pfleiderer   und Leoni  .

itz/mm.de/dpa/ddp