Kursverfall: SPD ermahnt Telekom-Aufsichtsräte - DER SPIEGEL
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Kursverfall SPD ermahnt Telekom-Aufsichtsräte

SPD-Generalsekretär Müntefering hat sich besorgt über den Kursverfall der T-Aktie geäußert. Die Schuld gab er nicht nur Telekom-Chef Sommer, sondern auch dem Aufsichtsrat.
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Berlin/Bonn - Die SPD erwartet, dass die Kontrolleure der Deutschen Telekom   stärker in die Geschicke des Unternehmens eingreifen, wenn dies notwendig sein sollte, sagte Müntefering nach einer Präsidiumssitzung der SPD am Montag in Berlin. "Unsere Erwartung ist an den Aufsichtsrat gerichtet, dass er prüft, ob Konsequenzen gezogen werden müssen oder nicht."

Eine Aussage, die als indirekter Vorwurf der Untätigkeit verstanden werden könnte. Müntefering stellte klar, dass Konzernchef Sommer nicht die alleinige Schuld an den Problemen des Konzerns trägt. Kritiker könnten Münteferings Appell an den Aufsichtsrat ohnehin als politisches Manöver und "späte Einsicht" werten. Immerhin ist der Bund nach wie vor der größte Aktionär der Telekom, wenngleich er seit Mai 2001 nicht mehr die Aktienmehrheit an dem mit 65 Milliarden Euro verschuldeten Unternehmen hält.

In Medienberichten hatte es am Wochenende geheißen, die Bundesregierung strebe die Ablösung Sommers vor der Bundestagswahl an. Das Bundesfinanzministerium hat sich indes erneut hinter den umstrittenen Chef gestellt. "Es gibt überhaupt keinen Grund, an der Person von Ron Sommer zu zweifeln", sagte ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage. Berichte über eine Ablösung seien "Spekulationen".

Telekom-Sprecher Ulrich Lissek sagte unterdessen, eine Sondersitzung des Aufsichtsrats über Sommers Zukunft sei nicht geplant. Es gebe auch keinen Antrag auf eine außerordentliche Sitzung. Der Aufsichtsrat wäre für eine Abberufung Sommers zuständig.

Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) hat Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) angesichts der Kursschwäche der Telekom-Aktie zu einem entschiedeneren Eingreifen bei dem Unternehmen aufgefordert.

Die Aktie der Telekom falle drastisch, während die Vorstandsgehälter des zu noch fast zur Hälfte dem Bund gehörenden Unternehmens erheblich gestiegen seien, sagte Stoiber in einem am Montag in der "Bild"-Zeitung veröffentlichten Streitgespräch mit dem Kanzler. "Die Aktien gehen um 90 Prozent zurück, und auf der anderen Seite werden die Gehälter um 90 Prozent erhöht", beklagte Stoiber. Diese Dinge würden von der Bevölkerung als außerordentlich ungerecht empfunden. Hier müsse die Politik eingreifen. Der Kanzler warf Stoiber vor, sich bei enttäuschten Kleinanlegern "einzuschmeicheln" zu wollen.

Schröder sagte, die T-Aktie leide unter einer Schwäche, von der alle Telekommunikationswerte betroffen seien. Für die Gehälter der Telekom-Vorstände sei allein der Aufsichtsrat des Unternehmens zuständig. Er verstehe den Versuch, den Unmut der Kleinaktionäre für die Zwecke der Union zu nutzen, sagte Schröder. "Aber mit ökonomischer Kompetenz und Durchblick hat das nicht das Geringste zu tun."

Am Samstag hatte Unionsfraktionschef Friedrich Merz Schröder aufgefordert, angesichts neuer Medienberichte über eine baldige Ablösung von Telekom-Chef Ron Sommer eindeutig Position zu beziehen. Das "Bild"-Streitgespräch war am Donnerstag geführt worden.