Kurswechsel Microsoft will jetzt nur noch die Filetstücke von Yahoo
Washington - Bei Yahoo bleibt möglicherweise kein Stein auf dem anderen. Der neue Plan von Microsoft-Chef Steve Ballmer sieht einem Zeitungsbericht zufolge eine Aufspaltung des Internetportals vor. Microsoft wolle von Yahoo das Geschäft mit Internetwerbung übernehmen, berichtete das "Wall Street Journal" in seiner Onlineausgabe. Weiter solle Yahoo seine Aktivitäten in Asien an Microsoft abtreten. Am verbleibenden Unternehmen wolle der Softwarekonzern einen Anteil übernehmen.
Der Komplett-Aufkauf von Yahoo bleibe weiterhin eine Option, erklärte Ballmer in einem Interview mit der ungarischen Wirtschaftswochenzeitung "Figyelö". Zu diesem Zwecke werde Microsoft möglicherweise auch mit dem Yahoo-Investor Carl Icahn gesondert verhandeln. Dieser hatte die Ablehnung der letzten Microsoft-Offerte in Höhe von 47,5 Milliarden US-Dollar durch Yahoo-Chef Jerry Yang massiv kritisiert.
"Derzeit sprechen wir nicht über einen Komplett-Aufkauf von Yahoo, sondern suchen nach anderen Lösungen", sagte Ballmer in dem Interview, dessen Wortlaut die Zeitung am Montagabend auszugsweise im Internet veröffentlichte. "Doch wir halten uns die Option offen, dass wir ein Angebot für Yahoo als ganzes unterbreiten, oder wir verhandeln mit Aktionärsrebellen wie zum Beispiel Carl Icahn", fügte er hinzu.
Die jetzt bekannt gewordenen Pläne für eine Zerschlagung des Internetportals kommen allerdings bei der Yahoo-Unternehmensführung laut "WSJ" ähnlich schlecht an, wie das Angebot einer Komplettübernahme. Die Verantwortlichen hätten mit großer Zurückhaltung auf das Angebot reagiert, hieß es aus vertrauten Kreisen.
Das Onlinewerbegeschäft steht im Mittelpunkt des Interesses von Microsoft: Der Softwarekonzern versucht seit geraumer Zeit, den Internetgiganten Google anzugreifen, der den Markt mit Werbung im Internet klar dominiert. Schon das etwa 45 Milliarden Dollar schwere Übernahmeangebot im Februar hatte der Softwareriese so begründet.
Internetwerbung gewinnt immer mehr an Bedeutung: Da viele Dienste kostenlos angeboten werden, werden diese durch Werbung finanziert. Das gilt zunehmend auch für Software, das ursprüngliche Microsoft-Kerngeschäft: Sie wird verstärkt kostenlos im Netz angeboten - werbefinanziert.
Microsoft hatte am Sonntag mitgeteilt, nach der gescheiterten Übernahme von Yahoo zwar keine Übernahme mehr anzustreben, dafür aber eine andere Form der Zusammenarbeit mit Yahoo. Ziel ist demnach, "die Online-Dienste und das Anzeigengeschäft zu verbessern und auszubauen". Wie diese Alternative zur Übernahme genau aussehen könnte, hatte Microsoft nicht bekannt gegeben.
mik/AFP/Reuters