Kurzes Gastspiel: Top-Manager Cordes verlässt Bahn-Aufsichtsrat - DER SPIEGEL
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Kurzes Gastspiel Top-Manager Cordes verlässt Bahn-Aufsichtsrat

Wenige Wochen nach seinem Einzug in den Bahn-Aufsichtsrat gibt Haniel-Chef Eckhard Cordes den Posten nach SPIEGEL-Informationen schon wieder ab. Als Grund nennt er Arbeitsüberlastung. Dabei hat er bisher an keiner Sitzung teilgenommen, wohl aber Zeit für die Fußball-WM gefunden.
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Hamburg - Cordes, 55, hat den Bahn-Aufsichtsratschef und RAG-Chef Werner Müller schriftlich über seinen Rückzieher informiert. Er war erst vor wenigen Wochen, am 1. Juli dieses Jahres, in das Kontrollgremium aufgerückt. Dort ersetzte er ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz, 64. Schulz wollte mit seinem Rückzug einer drohenden Überlastung vorbeugen; er sitzt bereits in den Kontrollgremien von Axa  , Bayer  , MAN   und RAG, im April kam ein Aufseherposten bei RWE   hinzu.

Cordes hat bislang noch an keiner Sitzung des Gremiums teilgenommen. Am 30. Juni war er zwar offiziell eingeladen, um sich bei den anderen Mitgliedern des Gremiums vorzustellen. Doch Cordes entschuldigte sich. Aufgrund wichtigster Verpflichtungen könne er den Termin leider nicht wahrnehmen. Die 19 übrigen Räte akzeptierten - und tagten ohne Cordes.

Nach der Sitzung hatte die Bahn ihre Kontrolleure noch zum WM-Viertelfinalspiel Deutschland gegen Argentinien ins Berliner Olympiastadion eingeladen. Und zur großen Verblüffung der meisten Aufseher war einer schon vor ihnen da: Eckhard Cordes.

Nun gab der Ex-DaimlerChrysler-Manager als Begründung für seinen Ausstieg an, der Bahn-Aufseherposten könnte ihn stärker in Anspruch nehmen als mit seinem Haniel-Job zu vereinbaren sei. Schließlich müsse der Bahn-Aufsichtsrat den möglichen Börsengang des Unternehmens intensiv prüfen und diskutieren. Jetzt muss Oberaufseher Müller kurzfristig Ersatz für Cordes beschaffen.

Cordes hatte Anfang Mai bereits einen Aufsichtsratsposten bei der Fluggesellschaft Air Berlin   übernommen und ist seit Anfang Februar Vorsitzender des Kontrollgremiums beim Handelskonzern Metro  . Auch beim Stuttgarter Pharmahändler Celesio   sitzt Cordes an der Spitze des Aufsichtsrats. An beiden Unternehmen ist Haniel beteiligt. Die Bahn äußerte sich bisher nicht zu der Personalie.

Der Haniel-Chef wurde im Bundeskanzleramt als Idealkandidat für den Posten des Aufsichtsratschefs angesehen: Er gilt als brillanter Analytiker und kennt Stärken und Schwächen von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn aus gemeinsamen früheren Daimler-Zeiten.

Der frühere Mercedes-Chef Cordes war im Sommer vergangenen Jahres von DaimlerChrysler   zu Haniel gewechselt, nachdem nicht er, sondern Chrysler-Chef Dieter Zetsche zum neuen Vorstandsvorsitzenden des Konzerns berufen worden war.

itz