Kurzporträt Sihler Der Interimschef
Bonn - Für sechs Monate soll der 72-jährige Manager, der noch bis vor Kurzem dem Aufsichtsrat angehörte und selbst längere Zeit Chefkontrolleur der Bonner Telefongesellschaft war, den Vorstandsvorsitz kommissarisch übernehmen. Vor der Presse machte Sihler auch gleich klar, das eine Kursänderung nach dem Weggang seines Vorgängers Ron Sommer nicht ansteht.
"Wir wollen den Konsolidierungskurs der Telekom kraftvoll unterstützen", betonte der neue Chef, der den vielfach gehandelten Sommer-Nachfolger Gerd Tenzer als Stellvertreter an seiner Seite haben wird. Beide Manager kennen sich mit der Telekom gut aus. Sihler, der wie der jetzige Aufsichtsratschef Hans-Dietrich Winkhaus einmal Chef des Waschmittelkonzerns Henkel war, hat als Aufsichtsrat die Strategie Sommers stets unterstützt. Der Nachrichtentechniker Tenzer, seit 1990 bei der Telekom im Vorstand, gilt als die Seele im Konzern. Der Herr der Netze ist unter den Arbeitnehmern angesehen und hat sich in den vergangenen Jahren vor allem um den Verkauf der TV-Kabelnetze gekümmert.
"Ich bedaure, dass Sommer zurückgetreten ist", sagt Sihler. Nur durch den freiwilligen Rückzug, so die offizielle Version, sei die jetzt erzielte Lösung der Führungsfrage möglich geworden. Druck von der Politik auf Sommer habe es nie gegeben. Doch der hat das Handtuch nicht geworfen, weil der Kurs der T-Aktie so dramatisch abgesackt ist, was ihm immer wieder zum Vorwurf gemacht wurde, sondern weil er im Aufsichtsrat nicht mehr die volle Unterstützung hatte.
Aber das ist seit Dienstag Historie. Sihler blickt nach vorne. Neben Konsolidierung und Schuldenabbau wird seine wichtigste Aufgabe sein, in den kommenden Monaten eine endgültige Lösung für den Vorstandsvorsitz zu finden. "Dass ich es nicht bin, sehen Sie an meinem Alter", sagte er schmunzelnd. Allerdings sind sich die Experten sicher: Leicht wird diese Aufgabe nicht zu lösen sein.
Für die 257.000 Telekom-Mitarbeiter im In- und Ausland wird es in den kommenden Monaten zwar keine härteren Einschnitte als die bisherigen geben. Doch den eingeschlagenen Sparkurs will Sihler radikal fortsetzen. "Wir freuen uns, dass die Strategie der Telekom beibehalten wird und es zu keinem Kahlschlag kommt", betonte der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende und Arbeitnehmervertreter, Rüdiger Schulze.
Der Schuldenabbau steht wie unter Sommer ganz oben auf der Agenda des Vorstands. "Jetzt kommt es darauf an, dass wieder gearbeitet wird", unterstrich Sihler. Dass die Telekom möglicherweise vor einem Ausverkauf steht, wies der Manager ganz entschieden zurück."Wir sind und bleiben ein internationales Unternehmen und werden diesen Kurs weiter fortsetzen."