"LA Times": GM storniert Anzeigen wegen Negativ-Schlagzeilen - DER SPIEGEL
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"LA Times" GM storniert Anzeigen wegen Negativ-Schlagzeilen

In Zeiten der Krise liegen in der Konzernzentrale von General Motors die Nerven blank. Nach einer Reihe kritischer Artikel in der „Los Angeles Times“ kündigte der Autohersteller seinen Werbevertrag mit dem Verlag. Die Artikel hätten Fehler enthalten, sagte eine GM-Sprecherin.
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New York/Los Angeles - Die Mittwochs-Kolumne des Autoexperten Dan Neil brachte das Fass zum Überlaufen. Allzu deutlich hatte der mit dem Pulitzer-Preis dekorierte Autor dem Konzern Managementversagen vorgeworfen und die Ablösung von GM-Chef Rick Wagoner empfohlen. Das neue Modell Pontiac G6 sei ein Flop und auch sonst habe GM durch eigenes Verschulden Marktanteile verloren. "Wenn ein Sportverein eine derartige Serie von Niederlagen hinlegt, dann werden Spieler und Trainer gefeuert. Auch bei GM ist es längst Zeit für einen Kehraus", schrieb Neil.

Normalerweise sitzen Konzernmanager solche Angriffe gelassen aus und ziehen die Konsequenzen später, irgendwann, wenn der direkte Zusammenhang nicht mehr so einfach zu erkennen ist. Doch für solchen Feinheiten fehlen den Bossen eines Konzerns, in dem es nahezu in jeden Winkel lichterloh brennt, inzwischen die Nerven. In einem Schreiben an den Tribune-Verlag, dem Mutterhaus der "Los Angeles Times" ließen sie alle Anzeigenaufträge stornieren.

Anzeigenvertrag soll zehn Millionen wert sein

"Eine solche Reaktion gehört im allgemeinen nicht zu unserer Firmenpolitik", beteuerte GM-Sprecherin Ryndee Carney gegenüber dem "Wall Street Journal", "aber in diesem Fall blieb uns nichts anderes übrig". Zu häufig hätte die Zeitung falsche Fakten präsentiert und ebenso falsche Schlüsse daraus gezogen. Im Übrigen gehe nicht nur um die Kolumne, sondern um eine ganze Reihe von Artikeln mit ähnlichem Tenor. "Wir unterstützen die freie Presse", fügte Carney hinzu. "Sie ist frei darin, was sie berichtet oder kommentiert. Aber auch wir beanspruchen für uns die Freiheit, unser Geld für Werbung dort auszugeben, wo es uns am sinnvollsten erscheint."

Welchen Wert der gelöste Vertrag umfasst, dazu wollte Carney keine Stellung nehmen. Werbefachleute gingen aber davon aus, dass es sich um rund zehn Millionen Dollar pro Jahr handelt, schreibt das "Wall Street Journal".

Eine Summe die den Verlag hart treffen dürfte. Denn die "Los Angeles Times", viertgrößte Tageszeitung der USA, hatte in den vergangenen Monaten herbe Rückschläge einstecken müssen. Zum einen sank die Auflage drastisch, nachdem Herausgeber John Puerner verlustreiche Verkaufsregionen von der Vertriebsliste gestrichen und den Verkaufspreis deutlich angehoben hatte. In Folge der daraufhin einbrechenden Auflage schwanden auch die Anzeigenerträge.

Strafaktionen haben Tradtition

In einem Interview äußerte sich Tribune-Chef Dennis FritzSimons dennoch gelassen gegenüber der Macht der Autokonzerne: "Die 'Los Angeles Times' verfügt inzwischen über einen großen Einfluss. Das schlägt sich auch im Anteil am gesamten Werbeaufkommen nieder."

Die Strafaktion ist übrigens nicht die erste, mit der GM gegen missliebige Berichterstattung vorgeht. 1954, so berichtet das "Wall Street Jounal", habe der Autokonzern bereits eine Anzeigenserie storniert, weil das Blatt eine Geschichte und Bilder über künftige Automodelle gedruckt habe, die GM noch vor der Öffentlichkeit verbergen wollte.

1995 fiel auch GM-Konkurrent Ford mit einer Strafaktion auf: Weil ein Artikel im "New Yorker" ein Schimpfwort enthalten hatte, stornierte der Autohersteller alle Anzeigen. Die Redaktion des Magazins reagierte auf ihre Weise. Sie setzte Ford auf die schwarze Liste der 50 empfindlichsten Anzeigenkunden.

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