Ladenschluss-Diskussion: Gewerkschaften und Verbraucherverbände gegen Kanzler-Vorstoß - DER SPIEGEL
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Ladenschluss-Diskussion Gewerkschaften und Verbraucherverbände gegen Kanzler-Vorstoß

Nachdem Bundeskanzler Gerhard Schröder die Öffentlichkeit mit Vorschlägen für eine weitere Lockerung des Ladenschlussgesetzes überrascht hat, reagieren die Gewerkschaften empört. Verbraucherschützer fordern hingegen eine völlige Freigabe der Öffnungszeiten.
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Berlin - Schröder hatte am Dienstagabend vorgeschlagen, dass die Geschäfte samstags generell bis 20.00 Uhr geöffnet bleiben dürfen. Bislang müssen sie in der Regel um 16.00 Uhr schließen, an den vier Advents-Samstagen um 18.00 Uhr.

Mit längeren Verkaufszeiten am Samstag würde eine der wichtigsten Forderungen der Einzelhandelsverbände erfüllt. Vor allem in den Innenstädten erhoffen sie sich dadurch ein besseres Geschäft. Hermann Franzen, Präsident des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE), forderte Bund und Länder auf, das seit 1956 geltende Ladenschlussgesetz im Eilverfahren zu ändern. "Wir erwarten, dass der Vorstoß des Kanzlers so schnell wie möglich eins zu eins umgesetzt wird."

DGB-Chef Michael Sommer lehnte eine Veränderung des Status Quo hingegen ab: "Eine Änderung des Ladenschlussgesetzes ist wirklich nicht notwendig. Es führt weder zu mehr Arbeit noch zu mehr Konsum", sagte er im Deutschlandfunk. Ver.di-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold kündigte ebenfalls Widerstand ihrer Gewerkschaft an. Ein späterer Ladenschluss gehe nur zu Lasten der Beschäftigten. "Der Umsatz wird um keinen Cent gesteigert, sondern nur der Verdrängungswettbewerb forciert."

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen forderte dagegen eine völlige Freigabe der Öffnungszeiten. Eine Zwischenlösung allein für Samstag lehnte Verbandspräsidentin Edda Müller ab. Die Verbraucherzentralen fürchten, dass eine längere Samstagöffnung fast nur den Kaufhäusern zu Gute kommt. Das Institut der deutschen Wirtschaft (iw) forderte ebenfalls eine deutlichere Lockerung der Gesetzes. Auch der Sonntag dürfe nicht tabu sein, sagte iw-Konjunkturexperte Jörg Beyfuß im "Saarländischen Rundfunk".