Längerere Börsenzeiten Händler erwarten Nullsummenspiel
Frankfurt am Main - In Finanzkreisen wird angenommen, dass die zusätzlichen Börsenumsätze durch die Mehrkosten der längeren Handelszeiten kompensiert werden. Der Bundesverband deutscher Banken (BdB) geht nach eigenen Angaben davon aus, dass sich die zusätzlichen Erträge und Aufwendungen wahrscheinlich in etwa ausgleichen und sich somit ein Nullsummenspiel ergibt.
Börsenhändler äußerten sich sehr kritisch. "Es fällt schwer, die Argumente dafür nachzuvollziehen", hieß es. Einstimmig bezweifeln die Händler, dass sich der Umsatz durch den zusätzlichen Handel vergrößern wird. "Ich halte wenig davon - das Volumen wird künstlich gestreckt, und nach 18 Uhr werden die Umsätze klein sein", prognostizierte Steffen Krautwald von der Investmentbank MM Warburg in Hamburg. Auch ein Händler von der Helaba in Frankfurt schloss sich dieser Meinung an: "Mehr Liquidität wird dem Markt nicht zufließen, die Orders werden nur verschoben."
Gewerkschaften und Kirchen hatten in dieser Woche ihre Forderungen nach einem Verbot der Börsengeschäfte an Feiertagen bekräftigt. Die Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) will sogar die Möglichkeit einer Verfassungsklage prüfen. Schließlich schütze das Grundgesetz die Sonn- und Feiertagsruhe und lasse nur bestimmte Ausnahmen wie etwa bei der Feuerwehr zu, hieß es bei der HBV in Düsseldorf.
An den deutschen Wertpapierbörsen wird es künftig deutlich längere Handelszeiten geben. Am Donnerstag öffnen sie erstmals an einem Feiertag ihre Pforten. Ab Freitag verlängern sie zudem den täglichen Handel um zweieinhalb Stunden auf 20.00 Uhr. Insgesamt wird es künftig an vier deutschen Feiertagen - außer Himmelfahrt auch an Pfingstmontag, Fronleichnam und dem Tag der Deutschen Einheit - Börsenhandel geben. Die Deutsche Börse AG begründete den Schritt mit internationalem Wettbewerbsdruck und dem steigenden Interesse der Privatanleger.
In Europa steht die Deutsche Börse mit der Verlängerung des Handels in den Abendstunden bisher ziemlich alleine da. In London beispielsweise ist eine Verlängerung der Börsenzeit noch nicht geplant, die Erfahrungen der Mailänder Börse mit längeren Handelszeiten gelten als wenig viel versprechend. Auch bei den Feiertagen gibt es in Europa weiterhin sehr unterschiedliche Regelungen.
Der Handel mit festverzinslichen Papieren wird übrigens nicht verlängert, er wird weiterhin um 19.00 Uhr schließen.