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MINERALÖL-INDUSTRIE Lästiger Partner

Die Benzinfirma Aral soll unter ihren Anteilseignern aufgeteilt werden. *
• aus DER SPIEGEL 22/1983
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Abteilungsleiter Siegfried Klaue vom Bundeskartellamt ließ sich aus dem Archiv seiner Behörde 16 Jahre alte Akten herbeischaffen. Schon nach der Lektüre der ersten Seiten war dem Beamten klar: »Da müssen wir ran.«

Klaues Akten-Studium kann für eine der bekanntesten deutschen Firmen zur Existenzfrage werden. Das Benzin-Unternehmen Aral ist nach Meinung der Berliner Behörde so konstruiert, daß es als verbotenes Kartell einzustufen ist.

Die drei Hauptaktionäre der mit 5000 Zapfstationen größten deutschen Tankstellen-Kette - die Veba Oel (Anteil 56 Prozent), der US-Multi Mobil Oil (28 Prozent) und die BASF-Tochter Wintershall (15 Prozent) - wurden jetzt vom Kartellamt aufgefordert, den Aral-Verbund aufzulösen. Andernfalls würden die Gesellschafter mit einer »Untersagungsverfügung« dazu gezwungen.

Daß die traditionsreiche Treibstoff-Firma auf einmal nicht mehr mit den Kartellgesetzen vereinbar sein soll, irritiert und verwundert die betroffenen Vorstände. Die Aral-Satzung und auch die Gesellschafterverträge, argumentieren sie, seien doch vor 16 Jahren vom Kartellamt nicht beanstandet worden.

Die Beamten hatten im Jahre 1967, als die Mobil Oil ihren Anteil bei der Aral aufstockte, die Verträge geprüft und die Benzin-Allianz genehmigt. Inzwischen aber urteilt die Behörde über das Vertragswerk ganz anders.

Als Grund für den Meinungsschwenk führt das Kartellamt ein Urteil des Bundesgerichtshofs an. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit hatten die Karlsruher Richter im Fall eines Zementkartells gegen die beteiligten Unternehmen entschieden. Weil bei diesem Fall die Firmenverflechtung nahezu identisch war mit dem Konzern-Konzept von Aral, haben die Öl-Manager in dem Kartellstreit keine guten Aussichten.

Der »wunde Punkt« (Klaue) bei Aral ist der Gesellschaftervertrag. Er zwingt die Treibstoff-Firma, ihren Sprit-Bedarf stets bei den Aktionären Veba, Mobil Oil und Wintershall entsprechend deren Beteiligungsquote und zu einheitlichen Preisen zu decken.

Das Kartellamt sieht in dieser Preis- und Mengenfestsetzung eine Behinderung des Wettbewerbs. Weil die drei Aktionäre sich bei ihren Sprit-Verkäufen an die Tochter nicht gegenseitig unterbieten und stets den gleichen Preis einfordern, würden die Autofahrer an den Aral-Zapfsäulen benachteiligt. Stünde das Lieferanten-Trio untereinander bei Aral im Wettbewerb, könnten die Preise dort um einiges niedriger sein.

Wenngleich diese Erwartung angesichts der Preis-Einigkeit unter Deutschlands Sprit-Firmen etwas blauäugig erscheint - die Aral-Teilhaber müssen die Drohung aus Berlin ernst nehmen. Doch freiwillig will sich keiner zurückziehen, zu viel steht für alle auf dem Spiel.

Mobil Oil ist der einzige unter den Öl-Multis, der in der Bundesrepublik keine eigenen Stationen betreibt. Der Welt drittgrößter Öl-Konzern fördert allerdings in deutschen Landen Öl und sahnt dabei dicke Gewinne ab.

Der kleinere Aral-Partner Wintershall ist gleichermaßen auf die Verteilerfirma angewiesen. Auch das Kasseler Unternehmen besitzt in Niedersachsen eigene Bohrlöcher, es ist an Raffinerien beteiligt und stellt Petroprodukte her.

Besonders übel dran ohne Aral wäre Deutschlands größter Energie-Konzern, die Veba. Ihre Gelsenkirchener Tochter Veba Oel ist die einzige heimische Gesellschaft, die im Öl-Geschäft gegen die Multis noch mit Anstand bestehen kann.

Erst vor wenigen Monaten haben Veba-Chef Rudolf von Bennigsen-Foerder und seine Manager einen Deal abgeschlossen, der ihnen preisgünstige Öl-Lieferungen sichern soll. In den Petro-Anlagen in Gelsenkirchen, an der die Veba die staatliche Petroleos de Venezuela zur Hälfte beteiligte, soll Schweröl aus dem südamerikanischen Land verarbeitet und zu einem beträchtlichen Teil als Benzin an den Aral-Säulen verkauft werden.

Dem Veba-Vorstand kommt der Vorstoß des Kartellamts dennoch nicht ungelegen. Die Manager hoffen, dadurch endlich die beiden lästigen Partner loswerden zu können.

Obwohl die Veba bei Aral über eine Mehrheit verfügt, hat sie in Bochum nicht mehr Stimmen als die beiden Minderheitsaktionäre. Weil im Aufsichtsrat Einigkeit erzielt werden muß, können Mobil und Wintershall den Mehrheitsaktionär jederzeit blockieren, und das taten sie in den letzten Jahren auch häufig.

Die Veba hätte wohl nichts dagegen, wenn die Aral-Konstruktion zu Bruch ginge. Das Tankstellen-Netz müßte entsprechend der Beteiligungsquote auf die Gesellschafter aufgeteilt werden. Die Veba hätte dann zunächst einmal Anspruch auf rund 2800 Aral-Stationen.

Es könnten noch einige mehr werden, wenn Wintershall seine 750 Tankstellen der Veba überließe. Als Gegenleistung müßte die Veba bereit sein, der Kasseler Firma ihren Sprit abzunehmen. Die Marktführerschaft hätte sich der deutsche Energie-Konzern damit gesichert. Die Konkurrenten BP, Texaco, Shell und Esso unterhalten jeweils rund 2100 bis 2600 Stationen - rund 1000 weniger, als dann im Besitz der Veba wären.

Bis die Gütertrennung perfekt ist, wird es im Aral-Trio ein heftiges Gerangel um die besten Tankstellen geben. Aber das ist nicht das größte Problem.

Ein heftiger Streit dürfte um den Marken-Namen Aral ausbrechen. Weil die Mobil unter Deutschlands Autofahrern weitgehend unbekannt ist, wird womöglich auch sie Anspruch auf das Emblem mit dem blauen Viereck und dem weißen Firmenschriftzug erheben.

Doch das wird die Veba sich nicht nehmen lassen. Aral, da ist sich der Vorstand einig, müsse deutsch bleiben.

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