Lauda Air Austrian Airlines bläst zum Angriff
Wien - Die Austrian Airlines (AUA) ist der Kontrolle über die Lauda Air einen wesentlichen Schritt näher gekommen. In einer außerordentlichen Sitzung bewilligte der Aufsichtsrat am vergangenen Samstag den Ankauf von 11,1 Prozent Lauda-Air-Aktien aus dem Anteil der Deutschen Lufthansa. Damit erhöht sich der AUA-Anteil von derzeit 35,9 auf 47 Prozent. Die Deutsche Lufthansa bestätigte am Montag, dass eine Einigung über den Verkauf der Aktien erzielt worden sei.
Der Lauda-Air-Aufsichtsratsvorsitzende Rudolf Streicher bezeichnete die 11,1 Prozent der Lufthansa, für die es eine verbindliche Zusage gebe, als "erste Tranche". Die Übernahme der restlichen 8,9 Prozent aus dem 20-Prozent-Paket der Lufthansa könnte jedoch noch Probleme bereiten: Für diesen Teil hat der bisherige Lauda-Air-Vorsitzende Niki Lauda ein Vorkaufsrecht. Lauda legte sich bislang noch nicht fest, ob er davon Gebrauch machen wolle.
Spätestens im Sommer 2001 dürfte einer Mehrheitsbeteiligung nichts mehr im Weg stehen. Dann nämlich kann die AUA eine Kaufoption auf 30 Prozent ausüben, die sich im Besitz der Lauda Privatstiftung befinden. Allerdings will der österreichische Marktführer einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Format" zufolge den fix vereinbarten Preis von umgerechnet mehr als 16,7 Millionen Euro durch eine Klage bei der Internationalen Handelskammer auf weniger als die Hälfte drücken. AUA-Vorstand Herbert Bammer erklärte dazu: "Der Substanzwert der Lauda Air ist Null, der Preis nicht mehr gerechtfertigt."
In der Tageszeitung "Kurier" hieß es unterdessen, die AUA könnte schon jetzt eine Mehrheit an der Lauda Air halten. Fünf Prozent könnte sie über eine Tochter gekauft haben, damit hätte sie mehr als 50 Prozent an der Lauda Air, hieß es in der Zeitung. Die Austrian Airlines dementierte diese Meldungen unter Androhung gerichtlicher Folgen.
Auf der Personalseite sind die Weichen für die AUA bereits gestellt. Von vier neuen Führungskräften der Lauda Air stammen drei aus den Reihen der Austrian Airlines. Am Samstag war der bisherige Finanzvorstand, Peter Henning Thöle, zurückgetreten. Aufsichtsratspräsident Rudolf Streicher bekräftigte, dass er seine Funktion bei der Lauda Air aufgeben werde, sobald die AUA eine 50-Prozent-Mehrheit an der Lauda Air habe. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Niki Lauda hatte bereits am vergangenen Dienstag seinen Rücktritt erklärt.
Die berufliche Zukunft des Ex-Formel-1-Weltmeisters ist noch ungewiss. Mittelfristig könnte sich Lauda verstärkt der Lauda Italien widmen: "Das ist eine Möglichkeit. Ich besitze dort die Mehrheit, habe in Italien einen guten Namen, und fliegen wird man mich auch lassen", erklärte er. Lauda selbst steuerte am Samstag eine Lauda-Air-Boeing 777 nach Miami, "selbstverständlich mit einem gültigen Pilotenvertrag und topfit". Ob der mittlerweile 51-jährige Niki Lauda weiter als Pilot der von ihm 1979 gegründeten Lauda Air fliegen darf, muss der neue Lauda-Air-Vorstand entscheiden.