Lehrstellen-Studie: Jeder zweite Bewerber scheitert - DER SPIEGEL
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Lehrstellen-Studie Jeder zweite Bewerber scheitert

Die Lage auf dem Lehrstellenmarkt ist noch miserabler als bisher angenommen: Einer Studie zufolge scheiterte jeder zweite Schulabgänger, der 2005 einen Ausbildungsplatz suchte. Besonders für Jugendliche mit Migrationshintergrund wird die Situation von Jahr zu Jahr hoffnungsloser.
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Berlin - Rund 1900 Schulabgänger interviewten die Forscher des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) über ihre Erfahrungen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz - das Ergebnis ist dramatisch: Jeder zweite Schulabsolvent, der auf der Suche nach einer Lehrstelle war, ging im vergangenen Jahr leer aus. Ende September 2005 standen den Hochrechnungen zufolge noch rund 200.000 Bewerber ohne Lehrstelle da. Die offizielle Ausbildungsplatzstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) zählte dagegen Ende September nur rund 40.900 erfolglose Bewerber. Einen entsprechenden Bericht der "Welt" bestätigte der Leiter der Untersuchung, Michael Friedrich, gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Der Grund für den enormen Gegensatz liegt in der unterschiedlichen Erhebung der Zahlen. So fallen aus der BA-Statistik alle Jugendlichen heraus, die nach erfolglosen Bewerbungen ein Berufsvorbereitungsjahr oder eine ähnliche Maßnahme absolvieren, ein Praktikum machen oder schlicht einen Job annehmen, der keiner Qualifizierung bedarf. Das BIBB fand in der Telefonbefragung jedoch heraus, dass auch diese Jugendlichen größtenteils weiter nach einer Lehrstelle suchen. So bestehe eine "latente Nachfrage".

Je tiefer man in die eigentlich für den Berufsbildungsbericht 2006 erstellten Zahlen des Instituts eintaucht, desto ernüchternder scheinen die Ergebnisse. Besonders dramatisch gestalte sich die Lage nach den Berechnungen des Instituts beispielsweise für ausländische Jugendliche, erklärt Friedrich. Unter ihnen habe sogar nur ein Viertel der Interessierten einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen - 2004 waren wenigstens noch 45 Prozent der Bewerber mit Migrationshintergrund erfolgreich.

Besonders schlechte Chancen haben den BIBB-Ergebnissen zufolge außerdem Hauptschüler. Gut drei Viertel wollten eine Lehrstelle finden, doch deutlich weniger als die Hälfte der Suchenden (42,9 Prozent) hätte tatsächlich eine Ausbildung begonnen, fanden die Wissenschaftler heraus. Viele landeten in Ersatzmaßnahmen, durch die sich ihre Bewerbungschancen allerdings kaum verbesserten. Abiturienten hätten eine dreimal so hohe Chance auf eine Lehrstelle wie Hauptschulabsolventen.

Insgesamt beruhten die Berechnungen auf äußerst strengen Kriterien, gibt Friedrich obendrein noch zu bedenken. Sprich: Tatsächlich gestaltet sich die Lage möglicherweise noch viel schlimmer. So galten für die Forscher nur jene Jugendliche als "Interessenten", die mindestens 20 Bewerbungen geschrieben hatten. "Das ist schon ein ganzer Haufen Schreiben", sagt Friedrich. Gar nicht einbezogen in die Untersuchung wurden solche Jugendliche, die keine Schüler mehr sind, aber schon seit mehreren Jahren nach einem Ausbildungsplatz suchen.

"Außerdem ist die Bereitschaft, bei einer solchen Studie mitzumachen, bei Jugendlichen mit besonders schlechten Noten generell immer geringer", fügt der Wissenschaftler hinzu. "In unserem Fall gilt das Gleiche für Jugendliche mit schlechten Deutschkenntnissen - schließlich handelte es sich um Telefoninterviews. Und das sind ja gerade die benachteiligten Bewerber, die man bei einer solchen Untersuchung eigentlich erreichen will." Zwar würden solche Effekte aus dem Ergebnis herausgerechnet. Die Schätzungen, die man dabei zugrunde gelegt habe, seien aber eher vorsichtig, so Friedrich.

Und letztlich wurde eine dritte Gruppe gar nicht in der Untersuchung berücksichtigt: Jene Jugendliche, die es gar nicht erst versucht haben. "Viele Jugendliche, die sich sowieso keine Chancen ausrechnen, bewerben sich ja erst gar nicht um einen Ausbildungsplatz."