Lehrstellenmisere: Grüne prangern Adidas an - DER SPIEGEL
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Lehrstellenmisere Grüne prangern Adidas an

Rund 2000 Mitarbeiter hat Adidas in Deutschland - und nur 17 Auszubildende pro Jahrgang. Damit bilde Adidas weniger aus als alle anderen Dax-Unternehmen, schimpfen die Grünen. Der WM-Sponsor wehrt sich: Schließlich habe man jede Menge Trainees und Praktikanten, heißt es in Herzogenaurach.
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Berlin - Ein "Skandal" sei die Ausbildungssituation bei Adidas in Deutschland, schimpft der Grünen-Parteichef Reinhard Bütikhofer. 2000 Mitarbeiter hat der WM-Sponsor in der Bundesrepublik, aber er bildet lediglich 17 Lehrlinge pro Jahrgang aus. Derzeit hat das Unternehmen so 40 Azubis, damit liegt die Ausbildungsquote bei zwei Prozent. "Wenn diese Firma in so einem entscheidenden Punkt einfach nichts macht, dann muss sie gesellschaftlich unter Druck gesetzt werden", fordert Bütikhofer.

Eine Kampagne würden die Grünen gegen Dax-Unternehmen wie Adidas starten, kündigte der Grünen-Chef an: "Es ist nicht akzeptabel, dass sich die Stars der deutschen Wirtschaft ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entziehen." Wie die Kampagne der Grünen konkret aussehen soll, blieb zunächst offen. Man wolle bei Unternehmen, Gewerkschaften und betroffenen Kommunen dafür werben, dass Versäumnisse bei der Ausbildung skandalisiert würden, sagte Bütikofer lediglich.

Adidas bestätigt die Zahlen der Grünen, kann aber an der Situation nichts Verwerfliches finden. Außerhalb der "klassischen Azubi-Ausbildung" leiste das Unternehmen einen großen Beitrag zu Ausbildung, betonte eine Sprecherin in Herzogenaurach. So gebe es mehr als 200 Praktikanten, Volontäre und Trainees. In der Regel würden sowohl Azubis  als auch Trainees nach der Ausbildung außerdem übernommen.

Mit zwei Prozent habe Adidas unter den Dax-Unternehmen die niedrigste Ausbildungsquote, monierte Bütikhofer dagegen. Allerdings bildeten die großen deutschen Börsenunternehmen auch insgesamt zu wenig aus: Nach den Recherchen der Grünen liegt die Ausbildungsquote bei insgesamt neun der 30 Dax-Konzerne unter fünf Prozent. "Man kann nur sieben Unternehmen positiv erwähnen", sagte Bütikofer. So kämen E.on, MAN und Lufthansa auf eine Ausbildungsquote von sieben Prozent, Bayer auf 8,2 Prozent und Metro auf 8,5 Prozent. Bei Tui und der Deutschen Bank läge die Quote sogar bei rund 11 Prozent. Eine durchschnittliche Ausbildungsquote von sieben Prozent wäre notwendig, damit jeder Jugendliche eine Lehrstelle erhalten würde, so Bütikhofer.

Nach der Bekanntgabe der Arbeitslosenzahlen vom Mai war die Situation auf dem Ausbildungsmarkt wieder verstärkt ins Zentrum der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt: Während die Zahl der Arbeitslosen im Mai so stark sank wie seit 1990 nicht mehr, standen noch 354.000 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz da - fast 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

ase/AP/ddp