Leica: Aktionäre stimmen Rettungsplan zu - DER SPIEGEL
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Leica Aktionäre stimmen Rettungsplan zu

Leica ist vorerst gerettet: Mit der überwältigenden Mehrheit von über 95 Prozent hat die außerordentliche Hauptversammlung des Kameraherstellers im hessischen Solms dem Sanierungsplan des Vorstands zugestimmt.
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Solms - Zuvor hatte der neue Vorstandsvorsitzende Josef Spichtig erst für das Geschäftsjahr 2006/2007 ein ausgeglichenes operatives Ergebnis in Aussicht gestellt. Gleichzeitig kündigte er an, das Unternehmen in seiner Gesamtheit erhalten zu wollen.

Die rund 200 anwesenden Aktionäre, die 65,5 Prozent des Unternehmens repräsentierten, stimmten mit großer Mehrheit einer Auflösung der Rücklage und einer anschließenden Kapitalerhöhung durch Ausgabe neuer Aktien zu. Die Maßnahmen sollen dazu dienen, eine Finanzierungslücke von 23 Millionen Euro zu schließen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sehen eine Kapitalherabsetzung um zehn Millionen Euro auf 1,5 Millionen Euro vor. Gleichzeitig soll die Kapitalrücklage in Höhe von 4,2 Millionen Euro aufgelöst werden. Letzter Schritt wäre eine Kapitalerhöhung auf bis zu 15 Millionen Euro durch Ausgabe von bis zu 13,5 Millionen neuen Aktien. Die Vorschläge seien unabdingbar für die Existenz des Unternehmens, hatte Spichtig die Aktionäre beschworen.

Jahresfehlbetrag: 15,5 Millionen Euro

Leica hat das Geschäftsjahr 2004/2005 voraussichtlich mit einem Jahresfehlbetrag von etwa 15,5 Millionen Euro abgeschlossen. Als diese Zahlen bekannt worden waren, hatten die Banken ihre Kreditlinien gekürzt. "Wir wissen, dass keine kurzfristigen Wunder zu erwarten sind", betonte der Spichtig.

Ganz ohne Widerspruch lief aber diese Aktionärsversammlung nicht ab. Mehrere Anleger beklagten Managementfehler, die erst zu der Notlage geführt hätten. Zu spät habe der Kamerahersteller die Bedeutung der Digitalfotografie erkannt. "Hier sind eine Reihe hausgemachter Probleme entstanden", kritisierte Herbert Hansen von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Für die Aktionäre habe schon seit sieben Jahren keine Dividende mehr gegeben.

Die Zahlen geben den Kritikern Recht. Laut Spichtig gingen die Umsätze von 119,1 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr um 21 Prozent auf 93,7 Millionen Euro zurück. Auch im April und Mai, den ersten Monaten des neuen Geschäftsjahres, gab es eine unverändert schwache Nachfrage. Allein im April entstand mit einem Umsatz von nur 6,2 Millionen Euro ein Verlust von 1,7 Millionen Euro. An dem vollständigen Jahresabschluss werde noch gearbeitet, hieß es.

Wachstumschance digitaler Markt

Spichtig kündigte an, die beiden Produktionsstandorte in Portugal und Solms zu erhalten. Bei Leica arbeiten derzeit weltweit 1050 Mitarbeiter, 415 davon in Solms. Die Sanierung verlange aber höchste Anstrengungen. "Wir brauchen für diesen Weg zu einem nachhaltig profitablen Unternehmen - ob wir das mögen oder nicht - ein bis zwei Jahre. Aber es gibt eindeutige Potenziale", erklärte der Vorstandschef.

Diese Potenziale sieht Spichtig vor allem in der Veränderung des digitalen Marktes. "Wir können jetzt Produkte anbieten, die unsere Stärken auch in der digitalen Fotografie interpretieren", betonte er mit Blick auf die legendären Leica-Objektive. "Wenn Produkte nicht mehr alle sechs Monate durch eine neue, in der Bildqualität bessere Generation abgelöst werden, dann entsteht wieder ein Interesse an soliden, Wert erhaltenden Lösungen."

DSW und die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hatten zugesagt, dem Sanierungsplan für die von ihnen vertretenen Aktionäre zuzustimmen. "So weh das auch tut: Wir werden zustimmen müssen, um zu verhindern, dass Leica zu Grunde geht", sagte Wilhelm Nottbohm (SdK).

Von Lisa Arns, AP