Leitzinsen EZB senkt um 0,5 Prozent
Frankfurt am Main - Nach der Zinssenkung der US-Notenbank Fed um einen halben Prozentpunkt auf jetzt zwei Prozent am Dienstag und nach den erneut schwachen deutschen Konjunkturdaten vom Mittwoch hatten zahlreiche Analysten die Kürzung um 50 Basispunkte erwartet.
Zuletzt hatte die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen am 17. September nach den Anschlägen in den USA in Koordination mit der Fed um einen halben Prozentpunkt auf 3,75 Prozent gesenkt.
Im Anschluss an die Entscheidung sagte EZB-Präsident Wim Duisenberg: "Der jetzige Zinssatz ist angemessen, die Preisstabilität in der Eurozone zu erhalten. Der Inflationsdruck hat in den vergangenen Wochen weiter abgenommen."
Das Wirtschaftswachstum in Europa gehe weiter zurück. "Das Bruttosozialprodukt der Eurozone wird in der zweiten Hälfte 2001 schwach sein", so Duisenberg. Es gebe zudem einen "hohen Grad von Unsicherheit" an den Finanzmärkten. Bei den Investitionen seien Verzögerungen zu erwarten. Die schlechte Lage werde sich auch negativ auf das Konsumentenverhalten auswirken. Die Chancen für eine Erholung im Jahr 2002 seien jedoch vorhanden, so Duisenberg.
Gefahren durch niedrigen US-Zinssatz?
Ferner wies Duisenberg darauf hin, dass die EZB entschieden habe, sich fortan nur noch bei dem ersten ihrer zwei monatlichen Treffen mit dem Leitzins zu beschäftigen. "Deshalb werden Entscheidungen über den Zinssatz fortan in der Regel auf der ersten EZB-Sitzung des Monats getroffen werden." Entsprechend werde es auch nach dem zweiten monatlichen Treffen nicht mehr wie bisher eine Pressemitteilung geben. Duisenberg sagte, dass die EZB auch weiterhin "zu jedem Zeitpunkt" zwischen den Sitzungen eine Veränderung des Zinssatzes beschließen könne, wenn sie die für notwendig halte.
Auf die Frage von Journalisten, ob die Fed die Zinsen nicht bereits zu stark gesenkt habe und ob der niedrige US-Leitzins eine Gefahr für die Wirtschaft der Eurozone darstelle, sagte Duisenberg: "Wenn ich eine Gefahr in den Handlungen der Fed sähe, würde ich das nicht öffentlich äußern."
Britische Zentralbank senkt um 50 Basispunkte
Auch die Bank of England (BoE) hat am Donnerstag ihren Leitzins (Repo Rate) überraschend deutlich um 50 Basispunkte auf nunmehr 4,00 Prozent reduziert. Ökonomen hatten dagegen weithin einen Zinsschritt um lediglich 25 Basispunkte prognostiziert. Die Notenbank begründete ihre Entscheidung im Anschluss an die zweitägige Sitzung des Geldpolitischen Rats (MPC) damit, dass die globale konjunkturelle Abkühlung stärker als bislang angenommen ausfallen könnte.
Inflation in Euroland geht zurück
Duisenberg hatte bereits am Montag nach Meinung vieler EZB-Beobachter mit dem Hinweis auf eine günstige Inflationsentwicklung deutliche Bereitschaft zu einer Zinssenkung signalisiert. Der EZB-Präsident hatte gesagt, die Inflation werde Anfang 2002 deutlich unter die Toleranzgrenze von zwei Prozent fallen und auf dem niedrigeren Niveau verharren. Die Teuerungsrate hat sich in der Euro-Zone seit dem Achtjahreshoch von 3,4 Prozent im Mai bis auf vorläufig 2,4 Prozent im Oktober verringert.
In Deutschland erreichte die Inflation nach endgültigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes die EZB-Marke von zwei Prozent. Wie das Amt am Donnerstag mitteilte, sank die Inflationsrate in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone im Oktober auf zwei Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit August 2000. Der für europäische Zwecke verwendete harmonisierte Index der Verbraucherpreise erhöhte sich im Oktober zum Vorjahr den Angaben zufolge um zwei Prozent.