Leser über Lidl: "Kundentäuscher und Bauernfänger" - DER SPIEGEL
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Leser über Lidl "Kundentäuscher und Bauernfänger"

Unter den Kunden, die am Morgen vor Lidl-Filialen Schlange standen, waren auch viele SPIEGEL-ONLINE-Leser. In Dutzenden Mails berichteten sie von Chaos und Frust in den Filialen - fast keiner hat die begehrten Bahn-Tickets wirklich bekommen. Hier einige Ausschnitte.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Man fragt sich: Was haben sich Lidl und die Bahn bei dieser Aktion gedacht? Ich war um 7.55 Uhr bei meiner Lidl-Filiale in Frankfurt. Diese hatte schon um 7.30 Uhr geöffnet und um 8.00 Uhr gab es nur noch eine superlange Schlange für die Namenseintragung. Als Alternative lassen sich die Karten nun einzeln bei eBay ersteigern.

Was bringt das für Lidl? Ich denke nicht viel, vielleicht hat der ein oder andere das erste mal seine Filiale gesucht und gefunden, gekauft hat er aber nichts.

Was bringt das für die Bahn? In meinen Augen auch nicht viel. Es beweist doch nur wieder, dass viele Leute Bahn fahren würden, wenn der Preis nicht so hoch wäre.

Jessica Schönfeld






Ich habe heute morgen selbst vor einer Lidl-Filiale in Worms lange vor der Öffnungszeit angestanden. In diesem Lidl-Markt wurden insgesamt fünf Kassen geöffnet. Obwohl sich nur acht Kunden vor mir in der Kassenschlange befanden, ging ich leer aus.

Bereits fünf Minuten nach der Ladenöffnungszeit waren sämtliche Tickets restlos ausverkauft.

Ein anwesender Lidl-Bezirksverkaufsleiter, der die "Wartelisten" ausgab, versicherte mir, dass trotzdem noch alle Kunden, die sich nun in die Wartelisten eingetragen hätten, "innerhalb einer Woche" noch Tickets erhalten würden.

Der Ablauf dieser Aktion ist ein einziger Skandal. Es gibt jetzt nur eine einzige Möglichkeit: Die Bahn muss weitere Tickets nachdrucken, damit alle regulären Lidl-Endkunden diese Tickets auch zum regulären Preis zumindest heute noch erhalten können.

Falls Lidl dazu nicht in der Lage ist, geht der Schuss eindeutig nach hinten los: Dann wird Lidl im Gedächtnis der enttäuschten Kunden als Kundentäuscher und Bauernfänger mit betrügerischen Mitarbeitern haften bleiben.

Björn Ackermann


Faszinierend, über was sich Leute doch aufregen können. Statt es sportlichhinzunehmen, dass man einfach zu spät dran war, wird mal wieder über diebeiden Unternehmen gewettert, die die Aktion veranstaltet haben - das passtganz prima in diese miesepetrige Antistimmung in diesem Lande. Hoffentlichhat wenigstens Münte Tickets abbekommen, sonst droht uns sein nächsterAusbruch...

Stephan A. Vitzthum


Ich persönlich war beim Lidl in Eschborn. Dort lief alles sehr gesittet und gut organisiert ab. Es waren alle Kassen offen und ich bekam meine drei Tickets problemlos. Ich hatte mich um 7.30 Uhr angestellt. Vermutlich lag die gute Organisation daran, dass zwei Fernsehteams und Vertreter der Deutschen Bahn vor Ort waren.

Jörg Witthaus


Hier in Berlin, Choriner Straße, waren die Tickets schon um circa 8.10 Uhr weg! Manchmal finde ich es Schade, dass wir nicht US-Recht haben, dann koennte man Lidl jetzt auf 10 Millionen Schadenersatz wg. entgangener Lebensfreude oder so verklagen ... :-)

Christoph Reder


Habe - wie so viele andere auch - den Morgen mit Schlangestehen vor der Lidl-Filiale in Frankfurt-Ginnheim verbracht. Dank meines Erscheinens um 7.30 Uhr waren auch "nur" circa 35 Personen vor mir in der Schlange und nach wenigen Minuten dann schon in etwa 250 Personen noch hinter mir.

Karten habe ich natürlich trotzdem keine bekommen, denn die vor mir in der Reihe stehenden Personen haben das kläglich anmutende Kontingent gleich "abgegriffen" - unter anderem auch deshalb, weil kein Maximalkontingent pro Person eingehalten wurden und so manche unverfroren 10 bis 15 Tickets bekommen haben.

In Verbindung mit der teilweise völligen Überforderung einiger Verkäuferinnen (durchaus nachvollziehbar bei dem Andrang) und dem plötzlichen Ausfall einer Kasse (was dazu führte, dass die so aussichtsreich an dieser Kasse stehenden Personen, sich in eine andere Schlange einreihen mussten, was folglich dazu führte, dass man sich plötzlich wieder wesentlich weiter hinten in der wartenden Masse befand) und den üblichen "Drängeleien" der anwesenden Klientel, war die ganze Aktion also eher geeignet Anti-Werbung für Lidl zu betreiben.

Markus Stenger


Heute morgen bei Lidl in Hamburg-Eimsbüttel: Riesige Schlangen und nur wenig Tickets. Alles war schlecht organisiert. Dadurch, dass mit Karte bezahlt wurde, dauertees sehr lange.Es gab keine Kasse für Barzahlungen. diese hätte das Prozedere deutlichbeschleunigen können.

Ich werde wohl nicht mehr bei Lidl einkaufen.

Torsten Stern


Warum? Das frage ich mich, wenn ich hier auf der Seite all die enttäuschten Leserbriefe lese. Warum tun sich vernunftbegabte Menschen so etwas an? Und warum haben sie an einem gewöhnlichen Werktag morgens um 8:00 eigentlich Zeit dazu?Es war doch eigentlich abzusehen, dass es in den Lidl-Filialen einen riesigen Run auf diese Karten geben würde. Das scheint eine Art Lemming-Effekt zu sein, dem große Menschenmengen immer wieder unterworfen sind. Wo ein Kontingent besteht, kann man sich doch nicht ernsthaft beschweren, wenn man leer ausgeht, weil man zu spät gekommen ist. Wer in den Wühltischschnäppchenkampf zieht, der kommt darin um.

Philipp Pröbsting


Es haben wohl das Lidl-Personal und deren Umfeld gestern schon mal einen kleinen Vorverkauf veranstaltet. Wer will es ihnen verübeln, wenn man schon mal da arbeitet und die Bezahlung auch nicht so toll ist.

Reinhard Scherer


Als ich heute morgen um 8.40 Uhr vor der Lidl-Filiale in der Hamburger Stresemannstraße stehe, habe ich ein Déjà-vu: Die langsam aufgleitenden Türen und die Traube Menschen dahinter hatte ich schon einmal gesehen: Genau 45 Minuten vorher, bei Lidl im Altonaer Bahnhof. Da waren die Glastüren allerdings noch mir Riesen-Postern des Bahnticket-Angebots geschmückt. 49,90 Euro für eine Hin- und Rückfahrt kreuz und quer durch die Republik. ICE inklusive. Ein Wahnsinns-Schnäppchen!

Ich betrat den Lidl im Bahnhof vorsätzlich: Ich wollte diese Tickets! Zwei würden mir schon reichen, mit dem ersten könnte ich spontan meine Schwester am Bodensee besuchen. Nur für ein Wochenende, da würde sie ganz schön Augen machen, denn bisher beschränken sich unsere Besuche auf Weihnachten, da schaut man nicht so aufs Geld. Für das zweite Ticket würde mir etwas einfallen. Vielleicht meine Freunde in Dresden wieder sehen? Die Fahrscheine sind ja bis Oktober gültig, was man bis dahin alles machen könnte!

Im Kopf bereits Reiserouten zusammenstellend durchschritt ich rasch den Supermarkt, griff mir noch zwei grünlich-gelbe Bananen und stellte mich in die erstaunlich kurze Schlange an der Kasse. Als ich an der Reihe war, verstand ich auch warum: Die Kassiererin Frau Dur erklärte mit einer bewundernswert ruhigen Stimme, dass das Kontingent bereits erschöpft sei. Eine Stunde nach Öffnung der Filiale. Sie verwies auf Listen, in die man sich eintragen könne, was all die Kunden vor und nach mir in der Schlange auch ohne zu murren taten. Ich für meinen Teil war entsetzt über diese bodenlose Frechheit, erst bundesweit wie verrückt die Werbetrommel zu rühren und dann nach einer Stunde nichts mehr bieten zu können. Darf man denn das?

"Nun gut", dachte ich, während ich mich zähneknirschend in eine der zahllosen Listen eintrug, "möglicherweise war die Idee, ausgerechnet in der Lidl-Filiale im Bahnhof Zugtickets kaufen zu wollen, auch bescheuert." Günstigerweise öffnet der Lidl in der Stresemannstraße auch erst um acht Uhr, ich wähne mich also wieder als besonders früher Kunde, als ich um 8.40 Uhr vor dem Markt stehe. Diesmal betrete ich ihn gleich durch den Ausgang, den Marsch durch die Regalgänge kann ich mir ja sparen.

Die bereits von außen erspähte Menschenmenge, die sich in kleinen Grüppchen zusammendrängt, lässt ohnehin Schlechtes ahnen. Und richtig, auch hier trägt man sich bereits in die mir bekannten Listen ein. Diesmal möchte ich den Filialleiter sprechen: Was bedeuten diese Listen denn eigentlich? Wird tatsächlich zunächst jeder eingetragene Kunde angerufen und abgefertigt, bevor es wieder Tickets in der Filiale zu kaufen gibt? Und lässt sich später noch feststellen, welcher Kunde sich zuerst eingetragen hat, nachdem die Listen weder fortlaufend nummeriert sind noch eine Spalte für die Uhrzeit vorsehen.

Der Filialleiter sagt genau das, was ich zu hören gehofft habe. Er nummeriere die Listen in seinem Büro, dann würde er den Ticketbedarf an die Zentrale melden. Ob die Kunden dann direkt von der Zentrale aus oder aus der Filiale angerufen werden, das wisse er noch nicht. Gibt es denn genügend Tickets? "Das hoffe ich doch sehr!", sagt der junge Mann.

Ich resigniere. Obwohl er Gegenteiliges sagt, habe ich das unbestimmte Gefühl, dass mich niemals ein Lidl-Mitarbeiter anrufen wird. Die dritte Filiale spare ich mir. Meine Schwester sehe ich ja ohnehin zu Weihnachten.

J.Eikmann