Leuna-Affäre Holzer und Komplizen müssen ins Gefängnis
Paris - Beide hatten Anfang der neunziger Jahre insgesamt 39 Millionen Euro von dem damals staatlichen Ölkonzern Elf kassiert - nach Überzeugung der französischen Justiz ein Scheinhonorar, das sie nun zurückzahlen müssen.
Die Leuna-Affäre war nur ein Randaspekt in dem monatelangen Mammutprozess um die schwarzen Kassen von Elf. Die 11. Pariser Strafkammer verurteilte den früheren Konzernchef Loik Le Floch-Prigent, unter dem 1989 bis 1993 laut Staatsanwaltschaft 300 Millionen Euro Firmengelder abgezweigt wurden, und seine rechte Hand Alfred Sirven zu je fünf Jahren Haft und hohen Geldstrafen. Der ehemalige Elf-Afrika-Beauftragte Alfred Tarallo muss für vier Jahre ins Gefängnis.
Der deutsche Geschäftsmann Holzer hatte im April vor Gericht erklärt, 1992 für sein Honorar in Deutschland für Elf wichtige Lobbyarbeit geleistet und Subventionen herausgeschlagen zu haben. Er habe kein Geld an Dritte weitergeleitet. Holzer hatte gute Verbindungen zur damaligen Regierungspartei CDU.
Für die deutsche Justiz sind die Akten im Fall Leuna seit 2001 geschlossen. Die Bundesanwaltschaft fand keine Hinweise auf Bestechung bei der Milliardenprivatisierung der Raffinerie in Sachsen-Anhalt. Altbundeskanzler Helmut Kohl hatte Berichte, nach denen Schmiergelder an die CDU geflossen seien, energisch zurückgewiesen.
Die französische Justiz vermutete, dass das Geld zumindest teilweise in die Taschen von ehemaligen Elf-Managern nach Paris zurückgeflossen ist. Holzer und der Ex-Spion Lethier waren wegen Beihilfe zur Veruntreuung von Firmengeldern angeklagt. Sie müssen je 1,5 Millionen Euro Strafe zahlen und Elf die 39 Millionen Euro Kommissionen zurück überweisen, entschied die Strafkammer unter dem Vorsitzenden Richter Michel Desplan.