Lidl-Aktion Bahnchef will keine Tickets nachschießen
Berlin - "Das war eine einmalige Werbemaßnahme", sagte Bahn-Chef Hartmut Mehdorn am Donnerstagabend im ZDF zu der Aktion, bei gestern zum Preis von 49,90 Euro bei Lidl Fahrkarten gekauft werden konnten. Ziel sei gewesen, ein Bewusstsein für billiges Bahnfahren zu schaffen und vor allem Nicht-Bahnfahrer anzulocken. Nur jeder zweite Deutsche fahre Bahn und es gebe noch viel Platz in den Zügen. "Wir haben festgestellt, dass bei solchen Aktionen 40 Prozent von denen, die sich eine Fahrkarte gekauft haben, wiederkommen und sagen, es war doch toll mit der Bahn." Er glaube, dass mit der Werbemaßnahme, die auf ein Kontingent von einer Million Tickets beschränkt gewesen sei, viele Neukunden gewonnen werden konnten.
Einen Beleg dafür, dass die Bahn ihr Preissystem ändern und mehr günstige Tickets anbieten müsse, war der Ansturm auf die günstigen Fahrkarten aus Mehdorns Sicht nicht. Die Menschen seien durchaus bereit, mehr Geld für Fahrkarten auszugeben, sagte er. Das zeige sich auch in den Internet-Auktionen, bei denen manche Bieter ein Mehrfaches des offiziellen Verkaufspreises von für die Schnäppchen-Tickets böten. Der Erfolg der Maßnahme habe ihn überrascht: "Das hat besser funktioniert als gedacht."
Ticket-Verkauf: Chaos und Gedrängel bei Lidl
Der Verkauf der Tickets hatte am Donnerstag einen Ansturm auf die Lidl-Märkte ausgelöst. Jeder Kunde konnte bis zu fünf Hefte mit je zwei Tickets erwerben. In die Fahrkarten müssen nur Start- und Zielbahnhof sowie Reisedaten eingetragen werden. Viele Kunden waren aber leer ausgegangen, obwohl sie sich lange vor Geschäftsbeginn vor einer der 2600 Filialen angestellt hatten. Bereits nach dem sechsten, höchstens aber nach dem zehnten Kunden sei an den Kassen der Verkauf beendet worden, kritisierte die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und sprach von einem Lockvogel-Angebot.
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Der Grünen-Verkehrsexperte Albert Schmidt sagte der "Berliner Zeitung", die Bahn solle neue Kunden mit weiteren Angeboten anlocken. Der Ansturm auf die Lidl-Tickets zeige, dass Bahnfahren in Deutschland ein enormes Potenzial habe. Die Fernzüge seien durchschnittlich nur zu etwa 42 Prozent ausgelastet.
Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sagte, die Aktion sei aus Verbrauchersicht sehr zu begrüßen. Sie zeige, dass man mit geschicktem Marketing Bahnfahren populär machen könne. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Michael Müller, forderte die Bahn auf, als Konsequenz die Preise vor allem im Nahverkehr zu senken.