Lidl und Co.: Wettrennen nach Osteuropa - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Lidl und Co. Wettrennen nach Osteuropa

Rund zwölf Prozent Umsatzwachstum 2005, da kann sich Lidl eigentlich nicht beschweren. Um im härter werdenden Konkurrenzkampf weiter wachsen zu können, will die Supermarktkette jetzt noch mehr auf Osteuropa setzen – so wie viele Billigheimer.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Neckarsulm – Rund 40 Milliarden Euro setzten der Discounter Lidl und die ebenfalls zur Schwarz-Gruppe gehörenden Kaufland-Warenhäuser 2005 um. Im Vergleich zum Vorjahr, als der Umsatz bei etwa 36 Milliarden Euro lag, ist das eine Steigerung um rund zwölf Prozent, wie Lidl heute mitteilte - Angaben zum Gewinn wurden nicht gemacht.

Trotzdem wird der Wettbewerb härter zwischen den deutschen Discountern. Im Rahmen einer Produktoffensive setzt Lidl deshalb auf Gesundheit: Ein umfangreiches Bio-Sortiment soll bald in den Regalen stehen und mit der Eigenmarke "Fairglobe" würden in Kürze Produkte aus fairem Handel aus der Dritten Welt angeboten, hieß es. Vor allem aber will Lidl weiter wachsen - in Osteuropa. 2006 sollen in Kroatien und Slowenien Supermärkte eröffnet werden. Kaufland werde neue Warenhäuser in Bulgarien und Rumänien aufmachen, teilte das Unternehmen mit.

Die Offensive wundert nicht. Fast alle Discounter und Drogeriemärkte setzen inzwischen auf Expansion in Osteuropa. Tchibo kündigte kürzlich an, in Tschechien weitere zehn Filialen eröffnen zu wollen und das Kaffeeexportgeschäft in andere osteuropäische Länder auszubauen. Plus hat bereits in Polen, Tschechien, Ungarn und Rumänien Filialen. Und in Rumänien etwa sollen aus elf Läden bis 2010 immerhin 120 werden, wie das Unternehmen verlautete.

Auch Rewe-Chef Achim Egner erklärte, in den nächsten Jahren drei bis fünf Jahren etwa 160 Millionen Euro in die tschechischen Penny- und Billa-Märkte investieren zu wollen. In Osteuropa läge die Rendite zwischen sechs und sieben Prozent, so die schlichte Begründung - im Gesamtkonzern seien es durchschnittlich nur 1,5 Prozent. Schon 2005 ist das Osteuropageschäft von Rewe um rund 15 Prozent gewachsen.

Selbst Aldi-Nord hat sich Ende des letzten Jahres offiziell für den Schritt nach Polen und damit nach Osteuropa entschieden – die Frage wann, wo und in welchem Umfang dort Filialen eröffnen, wird natürlich so geheimnisvoll behandelt wie man es von der Urmutter der Discounter gewohnt ist.

Weil aber alle Unternehmen scheinbar gleichzeitig den Osten für sich entdeckten, wächst auch dort der Wettbewerbsdruck enorm – mit der Folge, dass viele westeuropäische Konzerne die neuen Märkte auch schon wieder verlassen. So hat in Tschechien seit letztem Sommer schon eine regelrechten Konsolidierungswelle stattgefunden. Handelskonzerne wie der österreichische Julius Meinl oder Carrefour zogen sich zurück, und auch der deutsche Edeka verkaufte alle seine tschechischen Märkte.

ase/dpa