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Sportartikel Lieber im Labor

Im umkämpften Skimarkt wird es noch enger. Ein starker Neuling tritt mit einem neuartigen Brett an.
• aus DER SPIEGEL 9/1990
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Für fast alle Skihersteller, die vergangene Woche auf der Winter-Ispo ihre neuesten Modelle präsentierten, war die Münchner Sportartikelmesse eine Jammer-Schau. Nach drei schneearmen Wintern mag kaum ein Händler neue Bretter ordern.

Nur bei einem Neuling auf dem Skimarkt war in München alles anders. Die Ski der französischen Firma Salomon, die auf der Ispo erstmals öffentlich vorgestellt wurden, waren schon vor Messebeginn ausverkauft.

Salomon war bisher mit Skischuhen und Bindungen im Wintersport-Geschäft. Mit ihrem neuentwickelten Alpin-Ski wollen die Franzosen gleich in die Oberklasse dieser Sparte aufsteigen und in wenigen Jahren einen Anteil von 18 Prozent am Weltmarkt erreichen. Dabei soll der Ladenpreis des neuen Gerätes (950 Mark) rund 500 Mark über dem Branchendurchschnitt liegen. Selbst die Spitzenmodelle fast aller anderen Produzenten sind etwa 250 Mark billiger als Salomon-Gleiter.

Ein Neuling, der so energisch auf einen übersättigten Markt drängt, muß mit erbitterter Gegenwehr der Konkurrenten rechnen. Doch Spätstarter Salomon hat sich bestens vorbereitet.

Mit einem Aufwand für Forschung, Entwicklung und neue Fabrikationsanlagen, wie ihn noch keine Skifirma jemals zuvor betrieben hat, haben die Franzosen einen ihrer Ansicht nach »grundlegend neuen« Ski herausgebracht. Etwa 90 Millionen Mark haben sie in das Projekt gesteckt. Über 50 Patente haben sie sich gesichert.

Von herkömmlichen Brettern unterscheidet sich das Salomon-Produkt vor allem durch eine neuartige Schalenkonstruktion, durch trapezförmiges Profil und durch neue Werkstoffe. »Unser Ski hat Fahreigenschaften, die denen der Konkurrenz deutlich überlegen sind«, behauptet Dieter Leibetseder, Chef der deutschen Salomon-Tochter.

Mit einem Umsatz von etwa 700 Millionen Mark im Skischuh- und -bindungssektor ist das Unternehmen aus Annecy im Alpenvorland von Hoch-Savoyen schon jetzt der größte Wintersportartikel-Produzent der Welt. Entsprechend gut sind die weltweiten Vertriebsstützpunkte, über die nun auch die Ski in den Markt gedrückt werden.

Wie stark die Stellung Salomons beim Vertrieb von Sportartikeln jetzt schon ist, zeigt die Strategie bei der Einführung des neuen Ski. Nur ausgewählte Fachhändler, die vor einigen Wochen an einem Salomon-Seminar und an einer Testfahrt mit dem Ski teilnahmen, sind zum Bezug des teuren Geräts berechtigt - sie durften zehn Paar für die nächste Saison bestellen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen großen Sportartikel-Fabrikanten verzichtete Firmengründer Georges Salomon, 64, stets darauf, die Märkte mit Billigprodukten zu überschwemmen, hektisch zu diversifizieren oder Konkurrenten aufzukaufen. Er setzte allein auf überlegene Produktqualität.

Erst wenn der begeisterte Tüftler überzeugt war, daß ihm und seinen Ingenieuren eine echte Innovation gelungen war, ließ er in neue Bereiche hinein expandieren. »Mit einem Ski, wie ihn auch die anderen bauen«, versichert Salomon, »wären wir gar nicht erst angetreten.«

Von der Tradition, alle Produkte selbst zu entwickeln, wich Salomon bislang nur einmal ab. Ende 1984 kaufte er für 400 000 Dollar einen kleinen, fast bankrotten Golfschläger-Hersteller namens Taylor Made. Für Salomon war es »ein Glücksgriff«. Inzwischen ist Taylor Made hoch profitabel und setzt 350 Millionen Mark im Jahr um.

Mit Hochdruck arbeiten die Salomon-Ingenieure nun daran, die gesamte Palette von Golfsport-Artikeln - von Schuhen bis zu Bällen - zu entwickeln. Denn Salomon will auch im Golf-Geschäft weltweit das größte Unternehmen werden. Außerdem wird der Start in eine weitere Sommersportart vorbereitet. Die Techniker tüfteln an einem Tennisschläger.

Eigenwillig wie die Strategie sind auch Arbeits- und Lebensstil des Salomon-Patrons. Ein Vorzimmer zu seinem Büro hat der Vorgesetzte von 2600 Beschäftigten nicht. Das Arbeitszimmer teilt er mit seiner Sekretärin.

Am Schreibtisch hält er sich ohnehin nur ungern auf. Weit lieber arbeitet Salomon in den Entwicklungslabors der Firma, oder er testet höchstpersönlich die Produkte seiner Firma auf den Skipisten in der Nähe von Annecy.

Von Management-Theorien ("Die sind auf amerikanische Verhältnisse zugeschnitten") hält der studierte Pädagoge ebensowenig wie von den Statussymbolen der Manager-Zunft. Bis weit in die achtziger Jahre hinein fuhr der fast stets salopp gekleidete Multimillionär einen kleinen rostigen Renault 5.

Seit dem Verkauf von Salomon-Aktien über die Börse im Jahr 1983 ist Georges Salomon nur noch mit 42 Prozent an seinem 1947 gegründeten Unternehmen beteiligt. Dank doppelten Stimmrechts für einen Teil seiner Aktien aber hat er bei wichtigen Entscheidungen weiterhin das letzte Wort im Hause (Stimmenanteil: 53 Prozent).

Das soll auch ein paar Jahre lang noch so bleiben. Der Mittsechziger hält seinen ältesten Sohn Bernard noch für zu jung für die Chefposition. Bernard ist 33. f

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