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Handel Listig eingefädelt

Durch die geplante Zusammenarbeit mit dem Handelsgiganten Metro würde Asko-Chef Wagner ein ganzes Bündel von Problemen los.
• aus DER SPIEGEL 8/1990
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Mehrere Wochen lang hatte Erwin Conradi, Chef des Handelsriesen Metro, um den Kauf der Verbrauchermarktkette Massa gepokert. Doch dann kam ein Konkurrent dazwischen, mit dem sich Massa-Chef Karl-Heinz Kipp besser verstand als mit dem ehemaligen IBM-Verkäufer Conradi.

Helmut Wagner, der bullige Manager der Saarbrücker Handelsgruppe Asko, kam mit dem hemdsärmeligen Kipp sofort zurecht. Asko übernahm Massa.

Das war im Spätsommer 1987. Drei Jahre später könnte Conradi doch noch sein Ziel erreichen und bei Massa einsteigen. Konkurrenten braucht der Metro-Mann nicht mehr zu fürchten: Mit seinem einstigen Kontrahenten Wagner ist er sich seit Wochen handelseinig. Nur das Kartellamt könnte den Supercoup zum Platzen bringen.

Diesmal hat Conradi noch Größeres vor. Die Metro soll nicht nur Massa übernehmen, sondern auch entscheidenden Einfluß im weitverzweigten Asko-Reich erhalten. Am Ende entstünde ein Handelsimperium von europäischen Dimensionen mit mehr als 50 Milliarden Mark Gesamtumsatz.

Der Deal, der am letzten Arbeitstag des vergangenen Jahres beim Kartellamt in Berlin angemeldet wurde, ist listig eingefädelt. Es gehe, gab die pressescheue Metro in einer dürren 16-Zeilen-Notiz bekannt, um die »Gründung einer gemeinsamen Handelsaktivität«.

In zwei eigens zu diesem Zweck gegründeten Holdinggesellschaften wollen die neuen Partner künftig verschiedene Vertriebslinien ihrer Unternehmensgruppen zusammenführen (siehe Grafik). In die MHB Im- und Export Handels AG bringt die Metro ihre süddeutschen Einzelhandelsketten Primus/Meister, Huma und BLV ein, die im vergangenen Jahr 2,6 Milliarden Mark Umsatz erzielten. Asko steuert ihre knapp 50prozentige Beteiligung an Massa (gut 4 Milliarden Mark Umsatz) bei.

Am Kapital der MHB sind beide Partner zu gleichen Teilen engagiert, die unternehmerische Führung geht an die Metro. Conradi selbst will den Vorsitz im Aufsichtsrat übernehmen.

Die Asko wird dafür in der neuen Deutschen SB-Kauf AG, in der die Partner ihre Möbelhäuser sowie weitere Fachmarktaktivitäten zusammenschließen wollen, den Ton angeben. Geplant sind Spezialshops etwa für Uhren und Schmuck, Wein oder Gebrauchtwagen. Möglichkeiten für weitere Projekte sehen Conradi und Wagner vor allem in Osteuropa und in der DDR, wo die ehemalige Konsumgenossenschaft Asko bereits Kooperationen anbahnen konnte.

Der Bund der Branchenriesen vergrößert damit nicht nur seine Macht gegenüber den Lieferanten. Vor allem wird Asko-Chef Wagner ein ganzes Bündel von Problemen los.

Unter dem Druck von Aktionären und Gläubiger-Banken hatte Wagner im vergangenen Jahr zugesagt, sein unüberschaubar verschachteltes Imperium zu entflechten und eine konsolidierte Bilanz aller zum Asko-Reich gehörenden Unternehmen vorzulegen. Durch die Einbeziehung von Massa und der mit 1,6 Milliarden Mark verschuldeten GBS, in der die Immobilien der Asko stecken, hätten sich einige Eckdaten der Asko-Bilanz deutlich verschlechtert.

So wäre beispielsweise das einst stolze Eigenkapital von gut 1,8 Milliarden Mark, das immerhin 35 Prozent der Bilanzsumme repräsentierte, auf 20 Prozent abgesackt. Die Verbindlichkeiten wären dagegen drastisch angestiegen. Die ohnehin nicht mehr so beliebte Asko-Aktie, die vergangene Woche den Jahres-Tiefststand erreichte, hätte weiter an Glanz verloren.

Kommt die geplante Kooperation zustande, braucht Wagner die Massa nicht in seiner Bilanz zu konsolidieren. Die Eigenkapitalquote rutscht auf handelsübliche 25 Prozent der Bilanzsumme von voraussichtlich sechs Milliarden Mark. Die mittel- und langfristigen Verbindlichkeiten dürften etwa 2,4 Milliarden Mark ausmachen.

Weggefallen ist bereits die umstrittene Rückbeteiligung der Massa an Asko. Kurz vor Jahresende hat die Massa ihr 20prozentiges Asko-Paket an die GBS verkauft; Metro wiederum hat von der GBS 10 Prozent der Asko-Aktien übernommen. Nun hält die Asko-Tochter GBS noch 35 Prozent der Asko-Aktien. Sie sollen in absehbarer Zeit an einen weiteren Partner aus dem Ausland verkauft werden.

Asko-Chef Wagner, der in Personalunion auch die Massa führt, wird bei der geplanten Kooperation auch einige Sorgen bei der Massa los. Beim Ausstieg aus seiner Einzelhandelskette hatte Kipp nämlich die Immobilien nicht mit verkauft. Der zurückgezogen in der Schweiz lebende Firmengründer ist immer noch Eigentümer der Massa-Geschäftsräume und kassiert dafür an die 100 Millionen Mark Pacht pro Jahr. Im Jahre 2014 laufen sämtliche Mietverträge auf einen Schlag aus. Kipp kann dann höhere Mieten fordern oder an die Konkurrenz verpachten.

Ob Wagner nun auch wirklich den starken Wunschpartner bekommt, der ihm bei dringend erforderlichen Investitionen den Rücken stärkt, wird woanders entschieden. Bundeswirtschaftsminister Helmut Haussmann hat voreilig und ungefragt bereits seine Zusage verweigert.

Aber auch Haussmanns Kartellbeamte in Berlin tun sich schwer. Sie prüfen, ob die Kooperationspläne nicht der Anfang einer totalen Verschmelzung von Metro und Asko sind.

Conradi und Wagner wollen dem Kartellamt deshalb anbieten, auf die geplante Zusammenarbeit auf dem Möbel-Sektor zu verzichten. Durch die Zusammenlegung der Möbelaktivitäten von Asko und Metro entstünde nämlich ein Riese der doppelt so groß wäre wie der Branchenzweite Ikea.

Mit dem Verzicht auf die Möbel-Kooperation machen es die Partner den Kartellwächtern schwer, das geschickt geschnürte Fusionspaket abzulehnen. Und Conradi hat bereits bewiesen, daß er beharrlich und auf lange Sicht seine Pläne Wirklichkeit werden läßt.

Der Metro-Einstieg beim Warenhaus-Konzern Kaufhof nämlich begann auch mit einer Minderheitsbeteiligung, bis schließlich der Bundesgerichtshof nach einem langen Rechtsstreit seine Zustimmung zur Fusion erteilen mußte. Heute ist der Kaufhof fest im Metro-Reich integriert.

Asko-Chef Wagner wird die harte Hand der Metro-Manager nicht mehr zu spüren bekommen. Er wird im Juni 60 Jahre alt und will, wie es die Asko-Satzung vorsieht, zum Jahresende seine Vorstandsämter bei Asko und Massa niederlegen.

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