Live-Stream Kanzler, braucht Deutschland diese Manager?
St. Gallen - Auf einem dreitägigen Symposium an der Hochschule St. Gallen diskutieren etwa 1000 Manager und Studenten bis Samstag über Probleme, die sich im globalen Wettbewerb für Wachstum und Wohlstand ergeben. Ein starker Akzent liegt dabei auf der Frage, welche sozialen und politischen Konflikte aus dem rasanten wirtschaftlichen Wandel entstehen.
In Kooperation mit der Studenteninitiative ISC überträgt SPIEGEL ONLINE zwei Reden aus dem Plenum und die nachfolgende Diskussion. Konferenzsprache ist Englisch.
Zuerst sprach Mathias Döpfner, Vorstandschef des Medienkonzerns Axel Springer, über die komplizierte Beziehung zwischen Medien und Politik. Dabei ging es um die Verantwortung der Presse im Umgang mit der Politik. Der Axel-Springer-Verlag steht hier traditionell in der Kritik. Deren größter Umsatzbringer, die "Bild"-Zeitung, beeinflusst die öffentliche Meinung wie kaum eine andere deutsche Tageszeitung. In der aktuellen Reformdebatte hat sie sich mit Parolen wie "Steuern runter macht Deutschland munter" oder "Kanzler, diese Minister braucht Deutschland" hervorgetan.
Die Schuld an der Boulevardisierung der Medien wollte Döpfner nicht auf sich sitzen lassen. Seiner Ansicht nach sind es vor allem die anderen Medien, die Boulevard-Themen immer häufiger aufgreifen. "Bild war schon immer Boulevard", sagte er. Außerdem verwies er auf Politiker wie FDP-Chef Guido Westerwelle und sein Guidomobil und Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit ("Partymeister"), die sich bewusst boulevardesk inszenieren. Der Springer-Chef hofft darauf, dass Politiker sich wieder ihrer besonderen Funktion besinnen und ihren Ruf nicht für blödsinnige Auftritte aufs Spiel setzen. Dass die "Bild"-Zeitung Angebote der Politiker zu Storys über ihr Privatleben gerne aufnimmt, nannte der Springer-Chef "nur logisch". Auf Vorwürfe, die "Bild"-Zeitung zwinge Politiker und Prominente mit ihrer Berichterstattung zu peinlichen Offenbarungen, ging Döpfner allerdings nicht ein.
Der Germanist und Musikwissenschaftler Döpfner ist seit 2002 an der Spitze des Medienkonzerns. Nach mehreren Stationen als freier Journalist und Korrespondent, unter anderem bei der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" wurde er 1993 Assistent des Vorstandsvorsitzenden von Gruner+Jahr, Gerd Schulte-Hillen. Nach wenig erfolgreichen Rettungsversuchen bei der "Wochenpost" und der "Hamburger Morgenpost" wechselte er 1998 zum Springer-Verlag und wurde dort zunächst Chefredakteur der "Welt". Dieses Projekt gelang und trug ihm 2000 einen Sitz im Vorstand und zwei Jahre später den Spitzenposten ein.
Danach sprach Luca Cordero di Montezemolo. Das Thema des Chefs von Ferrari-Maserati: "Forschung und Innovation: Die europäische Herausforderung."
Nach Ansicht von Montezemolo gibt es in Europa zu viele Entschuldigungen für das schleppende Wachstum. Einmal seien es die Terrorattacken vom 11. September, dann wieder werde auf die Gefahren durch neue Wettbewerber wie China oder Indien verwiesen. "Aber darum geht es nicht, Innovation muss das Ziel sein", sagte der Ferrari-Chef. Dies sei nicht eine Frage neuer Technologien, sondern eine Frage der Lebensweise. Montezemolo zufolge fehlt es in Europa an einer innovationsfreundlichen Kultur, wie sie beispielsweise in China oder Indien vorhanden ist. Er selbst sei immer dann am innovativsten, wenn er mit seiner einjährigen Tochter zu tun hat, sagte der Ferrari-Chef. "Dann kann ich gar nicht anders, sie zwingt mich dazu."
Montezemolo kam bereits 1973 zur Ferrari und übernahm die Leitung der Fiat-Tochter Ferrari-Maserati, nach mehreren Stationen bei anderen Unternehmen 1998. Mit der Verpflichtung von Michael Schumacher 1996 erreichte Montezemolo einen Umschwung bei der krisengeschüttelten Edelmarke. Angesichts der ständigen Siege in der Formel 1 wurde Ferrari wieder zum Kultobjekt italienischer Autofans. Die Spitzenposition im Rennzirkus hat sich Montezemolo mit großem Aufwand erkauft. Rund ein Viertel des Umsatzes (2003: 1,26 Millarden Euro) wird in Forschung und Entwicklung investiert. Ausgezahlt hat sich dies für den Autobauer allerdings noch nicht: 2003 brach der Nettogewinn auf 1,7 Millionen Euro ein, im Jahr davor hatte dieser noch bei 21,6 Millionen Euro gelegen, der Absatz stagnierte im vergangenen Jahr bei rund 4200 Ferrari-Neuwagen.