Liveticker: Wo der Streik die Bahn lahm legt - DER SPIEGEL
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Liveticker Wo der Streik die Bahn lahm legt

Erneut lässt die Lokführergewerkschaft GDL den Nah- und S-Bahn-Verkehr in Deutschland zum Stillstand kommen. SPIEGEL ONLINE dokumentiert den 30-stündigen Streik in Meldungen.
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+++ Bahn: Bis zum Abend 11.000 Züge ausgefallen +++

[21.39] Nach 19 Stunden Streik seien bundesweit rund 11.000 Züge ausgefallen, teilte die Bahn mit. Bis zum Betriebsschluss werde sich die Zahl weiter erhöhen. Bundesweit seien durchschnittlich rund 50 Prozent der Züge gefahren. 2100 Lokführer hätten sich an dem Ausstand beteiligt, knapp die Hälfte davon in den östlichen Bundesländern.

+++ Bahn in Sachsen: Auch Freitag wird schwierig +++

[19.13] Reisende in Sachsen müssen auch nach dem Streik-Ende am Freitagmorgen mit starken Behinderungen rechnen, teilte die Bahn mit. Es werde eine Weile dauern, bis wieder alle Züge nach dem normalen Fahrplan verkehren. Eine Sprecherin riet Fahrgästen, sich vorab über die Situation zu informieren.

+++ GDL-Sprecherin dementiert Streik-Stopp +++

[18.00] GDL-Specherin Gerda Seibert dementiert eine Meldung, wonach die Gewerkschaft eine Aussetzung ihres Arbeitskampfes plane. Der Vize-Chef der GDL, Claus Weselsky, wurde in einer Vorabmeldung der "Financial Times Deutschland" mit der Aussage zitiert, der Streik solle zunächst bis einschließlich kommenden Freitag, dem 2. November, ausgesetzt werden. "Wir treffen sonst immer dieselben Kunden, und das wollen wir nicht", sagte Weselsky laut "FTD". Seibert betonte, man werde den Streik nur bis Montag aussetzen, um der Bahn Gelegenheit zu geben, die Folgen des bisherigen Streiks zu bewerten. Wie die Meldung entstanden sei, wisse sie nicht. "Ich habe mit Herrn Weselsky telefoniert und er sagt, er habe das so nie gesagt."

+++ GDL Sachsen: Notfall-Fahrplan funktioniert nicht +++

[17.03] Der Lokführerstreik hat den Nahverkehr in Sachsen nahezu zum Erliegen gebracht. Seit dem Vormittag verkehrten in Sachsen nur rund 20 Prozent der Züge. Der Vorsitzende des GDL-Bezirks Mitteldeutschland Hartmut Schaefer sagte, die Bahn habe ihr Ziel verfehlt, die Hälfte der Züge fahren zu lassen. Die von der Bahn in Tageszeitungen geschalteten Anzeigen "haben zur Motivation der Kollegen beigetragen, an dem Streik teilzunehmen". Er habe am Donnerstag fünf Beitrittserklärungen zur GDL erhalten. Die Bahn hatte an die streikenden Lokführer appelliert, das vorliegende Angebot anzunehmen.

+++ Arbeitsgericht verhandelt über Lokführerkündigung +++

[15.36] Das Arbeitsgericht Dortmund befasst sich am 12. Dezember mit der fristlosen Kündigung eines Lokführers nach einem Streik. Der derzeit arbeitslose Mann hatte am ersten Streiktag Anfang Juli in Nordrhein-Westfalen einen leeren Intercity-Zug auf einer eingleisigen Strecke stehen gelassen. Die Bahn wirft ihm einen Verstoß gegen Sicherheitsbestimmungen vor. Der Mann sei zweieinhalb Stunden nicht erreichbar gewesen, sagte ein Bahn-Sprecher in Berlin. Nach Angaben der GDL hat die Bahn in NRW bislang allein knapp 50 Lokführer abgemahnt. Die Bahn spricht von rund 50 Abmahnungen bundesweit und einer weiteren fristlosen Kündigung eines Lokführers in Berlin.

+++ Streik-Probleme im Norden verschlimmern sich +++

[15.31] - In Hamburg und Schleswig-Holstein ist es nach Angaben einer Bahn-Sprecherin am Nachmittag zunehmend schwieriger geworden, den eingeschränkten Zugverkehr überhaupt aufrecht zu erhalten. So wurde die Strecke Lübeck-Neustadt eingestellt. "Busse sollen bis 21.00 Uhr den Zugverkehr ersetzen", betonte sie. Eigentlich sollte zumindest jeder zweite Zug fahren. Nach dem Scheitern der Tarifverhandlungen bei den Bahnunternehmen AKN und SHB (Schleswig-Holstein-Bahn) rief die GDL auch hier zu Streiks auf. Der Streik bei AKN und SHB dauerte nur bis 13 Uhr.

+++ Streiks wirken sich positiv auf Privatbahnen aus +++

[15.11] Die Streiks bei der Deutschen Bahn zeigen positive Auswirkungen auf Privatbahnen. Auf Strecken, die parallel zur DB betrieben werden, bringt das zusätzliche Fahrgäste, wie einige Unternehmen auf Anfrage erklärten. Der in Norddeutschland aktive Betreiber Metronom konnte eindeutig positive Auswirkungen melden. Auch bei der Nord-Ostsee-Bahn, der Ostseelandbahn und der Bayerischen Oberlandbahn seien zu Spitzenzeiten mehr Reisende unterwegs gewesen. Auf diesen Strecken seien zusätzliche Wagen angehängt und weitere Haltestellen eingerichtet worden.

Der bundesweit größte Privatbetreiber Veolia ist mit den Aussagen vorsichtiger. "Man kann nicht sagen, dass private Anbieter von dem Streik profitieren", sagte Sprecherin Birgit Stallmann. Zusätzliche Fahrgäste könnten nur dort gewonnen werden, wo Privatbahnen parallel zur Bahn fahren.

+++ Honolulu-Heimkehrer stranden in Leipzig +++

[13:53] Der Streik hat einen Hawaii-Urlauber aus Sachsen-Anhalt kalt erwischt. Der braun gebrannte Klaus Kottke aus Stackelitz nördlich von Dessau und seine Frau sind heute morgen nach gut 30-stündigem Flug aus Honolulu auf dem Leipziger Hauptbahnhof gestrandet. Kottke nahm es gelassen. "Wir sind in einer Demokratie. Wenn Bahnchef Mehdorn seine Millionen kriegt und die Lokführer streiken, dann streiken die."

+++ Gericht berichtigt Bahnstreik-Urteil +++

[13:30] Das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg hat am Vormittag ein falsches Datum in einem Urteil zum Lokführerstreik berichtigt. Die Entscheidung von gestern Abend, mit der das der Bahn Zwangsverpflichtungen für Notdienste während des Lokführerstreiks untersagte, hatte mit einem falschen Datum für Aufregung gesorgt: Der Verbotszeitraum hätte 24 Stunden später gelegen als der tatsächliche Streik.

+++ Bahn räumt massive Streikwirkung ein +++

[12:54] In den ostdeutschen Bundesländern sei der Zugverkehr "fast zum Erliegen gekommen", teilte die Deutsche Bahn in einer Zwischenbilanz nach zehn Stunden Streik mit. In Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern seien bisher nur etwa zehn Prozent der Regionalzüge gefahren. Die S-Bahnen in Leipzig fuhren nicht, in Dresden rollten die Züge mittlerweile wieder auf einer S-Bahn-Linie. Bundesweit waren nach Bahn-Angaben nur etwa jeder zweite Regionalzug und jede zweite S-Bahn unterwegs. Gegen Mittag hätten sich rund 1300 Lokführer an dem Ausstand beteiligt.

+++ Mehdorn wird ausgepfiffen +++

[12:25] Die Tarifauseinandersetzung lässt die Emotionen immer höher schlagen. Am Mittag begrüßten rund 50 streikende Lokführer unterstützt von Abgeordneten der Linkspartei Bahnchef Hartmut Mehdorn mit Pfiffen, als dieser mit dem Auto zu Gesprächen mit der Thüringischen Landesregierung anreiste.

+++ Tiefensee will sich nicht einmischen +++

[11:36] Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee hat immer drängenderen Forderungen nach einem Eingreifen der Politik in den Tarifstreit bei der Bahn eine klare Absage erteilt. "Es bleibt dabei, die Politik mischt sich in die Verhandlungen nicht ein", sagte der SPD-Minister in Berlin. Die Tarifautonomie sei ein hohes Gut, mit dem Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten sehr erfolgreich gewesen sei.

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck hat sich dagegen klar gegen die Forderung der Lokführergewerkschaft GDL nach einem eigenen Tarifvertrag gestellt. Seiner Meinung nach müsse das Prinzip "ein Betrieb, ein Tarifvertrag" gelten.

+++ Pro Bahn sieht die guten Seiten des Bahnstreiks +++

[10:55] Nach Ansicht des Fahrgastverbands Pro Bahn hat der Streik auch gute Seiten. "An Tagen mit Bahnstreik kommt man oft viel besser an sein Ziel, weil die Bahn großzügig Fernverkehrszüge für Regionalzug-Fahrer freigibt", sagte der Sprecher des NRW-Landesverbandes von Pro Bahn, Lothar Ebbers, in Düsseldorf. Es würde sich gerade im Großstadt-Bundesland NRW lohnen, wenn die Bahn öfter die strikte Trennung von Fern- und Nahverkehr aufheben würde. "Dann würden halbleere Züge besser ausgelastet und Straßen entlastet."

+++ Dichter Verkehr, aber das Chaos bleibt aus +++

[10:30] Der Bahnstreik hat für erheblich mehr Verkehr auf deutschen Straßen gesorgt. "Der Berufsverkehr begann deutlich früher als sonst", sagte ADAC-Sprecherin Maxi Hartung. Vor allem rund um die Ballungszentren seien die Autofahrer auf den Autobahnen und Einfallstraßen zeitweise nur im "Stop-and-go-Verkehr" vorangekommen.

Insgesamt habe es aber deutlich weniger Staus gegeben als beim Streik am Donnerstag vergangener Woche. "Viele Autofahrer, die das letzte Mal im Stau standen, sind heute früher losgefahren", sagte Hartung. Für Entspannung im Norden habe zudem gesorgt, dass in den norddeutschen Bundesländern noch die Herbstferien andauerten. Dagegen seien das Rhein-Ruhr-Gebiet sowie die Großräume um Stuttgart und München am härtesten von Staus betroffen gewesen. "Hier hat die Rush-Hour deutlich länger gedauert als üblich."

+++ GDL droht mit Fortsetzung des Streiks +++

[9:55] In der kommenden Woche droht Pendlern erneut Chaos im S-Bahn und Regionalverkehr: Die GDL will am morgigen Freitag über erneute Streiks in der kommenden Woche entscheiden. "Weitere Streiks sind keineswegs ausgeschlossen", sagte eine GDL-Sprecherin in Frankfurt.

+++ Fronten bleiben verhärtet +++

[9:23] Der stellvertretende GDL-Vorsitzende Günther Kinscher hat eine schnelle Rückkehr an den Verhandlungstisch ausgeschlossen. "Es lohnt sich nicht, in Gespräche einzutreten, es hat keinen Sinn zu reden", sagte Kinscher am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". Die Lokführer-Gewerkschaft sei erst zufrieden, wenn das Streikziel einer angemessenen Bezahlung erreicht sei.

Vorstandsmitglied Karl-Friedrich Rausch will dagegen nur über das vorliegende Angebot der Bahn verhandeln. "Wir erwarten, dass die Gewerkschaft an den Verhandlungstisch kommt", sagte Rausch.

+++ Stillstand im Ballungsraum Stuttgart +++

[9.00] Rund um Stuttgart waren die Straßen heute Morgen noch voller als gewöhnlich. Vor allem auf den Autobahnen 8 und 81 bildeten sich lange Autoschlangen. Zwischen dem Dreieck Leonberg und Pforzheim-Nord staute sich der Verkehr nach einem Unfall auf 17 Kilometern. Auf mehreren Bundesstraßen in Richtung Innenstadt registrierte die Polizei bis zu acht Kilometer lange Fahrzeugschlangen. Weil zahlreiche Pendler auf die U-Bahnen auswichen, die nicht bestreikt wurden, waren diese zum Teil übervoll.

+++ Dresdner Hauptbahnhof fast menschenleer +++

[8:53] Das sonst geschäftige Treiben auf dem Dresdner Hauptbahnhof hat sich fast in Friedhofsruhe verwandelt. In Imbissen, Bäckereien und Zeitungsläden, wo sich sonst Pendler mit Frühstück und Lektüre eindecken, waren kaum Kunden zu sehen. "Unsere Fahrgäste, die normalerweise mit der Bahn zu Arbeit fahren, sind offenbar auf andere Verkehrsmittel ausgewichen", sagte ein Service-Mitarbeiter. Er und seine Kollegen informierten die wenigen Fahrgäste über ausfallende S-Bahnen und wiesen auf eingerichteten Schienenersatzverkehr mit Bussen hin. Eine große Tafel zeigte aktuelle Notfallpläne an. In den Vormittagsstunden wird mit mehr Andrang gerechnet, wenn Touristen und Tagesausflügler ihre Touren per Bahn starten wollen.

+++Privater Bahn-Betreiber profitiert von Bahnstreiks +++

[8:07] Vom Lokführerstreik bei der Deutschen Bahn profitieren einem Zeitungsbericht zufolge private Bahngesellschaften. Der bundesweit größte Betreiber Veolia habe an Streiktagen deutlich mehr Kunden befördert, berichtete die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf das Unternehmen. Auf Nahverkehrsstrecken, die auch von der Deutschen Bahn bedient werden, lag den Angaben zufolge die Zahl der Fahrgäste in Stoßzeiten um bis zu 30 Prozent höher als sonst üblich. Zudem hätten die Züge des Unternehmens auf einzelnen Strecken auch außerplanmäßig an S-Bahnhöfen gehalten.

+++ GDL hofft auf Streikrecht im Güterverkehr +++

[7:44] Die GDL würde gerne den Druck auf das Bahnmanagement und hofft dafür vor allem auf die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Sachsen am 2. November. "Wir sind eigentlich sehr hoffnungsvoll, dass wir dort unser grundrechtlich verbrieftes Streikrecht auch in den Bereichen des Güterverkehrs und des Fernverkehrs bekommen", sagte GDL-Vize Günther Kinscher am Donnerstag in Frankfurt am Main dem ZDF-"Morgenmagazin". Bislang darf die GDL lediglich den Regionalverkehr bestreiken.

"Wir sind davon überzeugt, wenn wir nur eine Ankündigung im Güterverkehr verkünden würden, dass dann die Bahn sicherlich an den Verhandlungstisch kommt, mit einem Angebot und nicht wie bisher, uns Altverpacktes wieder vorlegt", sagte Kinscher weiter. "Dann können wir echt Druck ausüben". Offenbar hätten die Pendler im Regionalverkehr keine starke Lobby bei der Deutschen Bahn

+++ Regionalbahnen und S-Bahnen in Bayern stehen still +++

[7:18] Bis zu 70 Prozent der Regionalbahnen und 40 bis 60 Prozent der S-Bahnen rund um die bayerische Landeshauptstadt München seien ausgefallen, sagte ein Sprecher der GDL am Donnerstagmorgen. Lediglich die S-Bahn zum Flughafen fahre regelmäßig.

Weil viele Pendler und Bahnreisende auf das Auto umsteigen, erwartet der ADAC für den Tag in einigen Regionen etwa 20 Prozent mehr Verkehr. Der Verkehrslagedienst der Polizei meldete am Morgen bereits eine deutliche Zunahme an Staus. "Zwischen 7 und 9 Uhr wird's noch dicker", sagte ein Sprecher. Mit einem Verkehrschaos sei jedoch nicht zu rechnen, die Pendler hätten sich insgesamt gut auf die Lokführer-Streiks eingestellt.

+++ Bahn-Vorstand beklagt wirtschaftlichen Schaden +++

[6:40]Die Bahn erleidet wegen des Streiks der Lokführer nach eigenen Angaben einen großen wirtschaftlichen Schaden. Das sagte der Personenverkehrsvorstand Karl-Friedrich Rausch im ZDF-Morgenmagazin. Der Streik treffe die Kunden der Bahn sehr hart, vor allem die Pendler. Die Bahn habe bereits Kunden verloren und es werde schwierig sein, sie zurückzugewinnen: "Viel schlimmer kann es kaum noch werden", sagte Rausch. Er forderte die GDL auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Das Angebot der Bahn, die Gehälter um zehn Prozent zu erhöhen, liege auf dem Tisch.

+++ GDL will Gleise nicht blockieren +++

[6:25] In Nordrhein-Westfalen sind nach GDL-Angaben 110 Lokführer in den Ausstand getreten. In Köln seien gut ein Viertel der Regionalzüge und 63 Prozent der S-Bahnen ausgefallen. "Die Kollegen stehen hinter ihren Forderungen", sagte ein GDL-Sprecher. Die Lokführer seien angewiesen worden, keine Gleise zu blockieren.

Die Bahn will mit ihrem Notfallfahrplan den S-Bahn-Verkehr halbstündig laufen lassen. "Im Großen und Ganzen klappt der Ersatzfahrplan", sagte Jürgen Kugelmann von der Bahn. Im Regionalverkehr soll jeder zweite Zug fahren. Der Bahnverkehr der Linien RE 3 Hamm - Düsseldorf, RE 11 Düsseldorf - Paderborn und RE 16 Essen - Siegen entfalle jedoch. Ebenso würde zum Teil auf den Einsatz zusätzlicher Züge in den Hauptverkehrszeiten verzichtet.

Der Landesbetrieb Straßenbau in Gelsenkirchen hatte gestern die Autobahnmeistereien angewiesen, so weit wie möglich auf Tagesbaustellen im Berufsverkehr zu verzichten. Er rechnet mit einem höheren Verkehrsaufkommen um etwa zehn Prozent.

+++ Im Osten fahren nur noch zehn Prozent der Züge +++

[6:16] Besonders betroffen sind Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. "Es fährt so gut wie keine Regionalbahn mehr", sagte der für die drei Länder zuständige Geschäftsführer der Lokführergewerkschaft GDL, Ralph Leitloff. Die in seinem Bereich organisierten 3600 Lokführer seien alle zum Streik aufgerufen worden. Da es im Osten zudem wenige Beamte gebe, könne der größte Teil des Nahverkehrs lahm gelegt werden.

Eine Bahnsprecherin bestätigte am Morgen, dass derzeit nur zehn Prozent der Züge im Einsatz seien. Zudem fahren 175 zusätzliche Busse, um den Notfahrplan zu sichern.

+++ Kritik von anderen Gewerkschaftern +++

[6:00] Der Streik der Lokführergewerkschaft GDL sorgt für wachsende Verärgerung im Gewerkschaftslager. Der Chef der Gewerkschaft Bergbau, Energie, Chemie (IG BCE), Hubertus Schmoldt, warnte vor einem Tarifchaos. "Selbstverständlich haben auch die Lokführer einen Anspruch auf höhere Löhne. Aber wenn eine einzelne Gruppe ihre Forderungen ohne Rücksicht auf andere durchsetzen will, dann wird das die Belegschaft und ihre Gewerkschaften zersplittern", sagte Schmoldt der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse".

Die Entwicklung könne zu vielen verschiedenen konkurrierenden Tarifverträgen in einem Unternehmen führen. "Am Ende führt das zu einem Tarifchaos. Eine solche Situation nützt niemanden weder dem Unternehmen noch den Beschäftigten", so Schmoldt.

+++ Oft nur noch im Stundentakt +++

[5:39] Die Hamburger S-Bahn fährt nach Bahnangaben alle zwanzig Minuten, die S2 und die S11 fallen jedoch aus. Ebenfalls stark betroffen sei die S-Bahn München. Die Züge verkehren im Stundentakt, zwischen Pasing und Flughafen München alle 20 Minuten. In Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen fahren rund 50 Prozent der Regionalzüge, die S-Bahn Rhein-Ruhr fährt im 30 Minuten- Takt. Die S-Bahn Frankfurt fährt im Stundentakt, die Regionalverkehrslinien in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland sowie in Baden-Württemberg und Bayern fahren mit etwa der Hälfte der Züge. Die S-Bahnen in Leipzig und Dresden fallen aus, zwischen Halle und Leipzig fahren die Züge im Stundentakt.

+++ Behinderungen in Berlin +++

[5:18] In Berlin und Brandenburg kommt es zu ersten erheblichen Einschränkungen. Bei der Berliner S-Bahn soll nach Angaben von Bahnsprecher Holger Auferkamp auf dem Ring ein Zehn- Minuten-Takt aufrechterhalten werden. Auf den anderen Linien könnte es Zugabstände von 20, teilweise aber auch von 40 Minuten geben. Der Verkehr in Brandenburg sei erheblich betroffen. Die Bahn hoffe, den angekündigten Ersatzfahrplan einhalten zu können. Die Kunden werden gebeten, sich auf verlängerte Fahrzeiten einzurichten.

+++ GDL spricht von hoher Streikbereitschaft +++

[5:13] Von den 20.000 Lokführern in Deutschland werden nach Angaben der GDL 12.100 im Nah- und Regionalverkehr eingesetzt. Von diesen seien 4.400 Beamte, so dass es mehr als 7000 "streikfähige Lokführer" gebe, sagte Streikleiter Grünwoldt. Mehr als 80 Prozent seien bei der GDL organisiert. "Wir gehen davon aus, dass unsere Mitglieder sich alle an dem Streik beteiligen", sagte der Gewerkschafter.

+++ Erste Zubringerzüge stehen still +++

[2:52] Die ersten Auswirkungen des Streiks waren nach Angaben der GDL in Berlin und Hamburg zu spüren. In Berlin wurde in der Nacht die Stadtbahn vom Zoo zum Hauptbahnhof bestreikt. In Hamburg waren nach Angaben der Streikleitung die S-Bahn-Linien nach Altona und Ohlsdorf betroffen. "Die Stimmung bei den Kollegen ist sehr gut", sagte Sven Grünwoldt von der zentralen Streikleitung der Gewerkschaft in Frankfurt am Main. Außerdem seien Zubringerzüge stehen geblieben.

+++ Streikbeginn +++

[2.01 Uhr] Der bisher längste Lokführer-Streik hat begonnen. Die GDL will bundesweit bis Freitagmorgen 30 Stunden lang den Nah- und S-Bahnverkehr weitgehend lahm legen und so ihre Forderung nach einem eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal der Bahn durchsetzen. Das Unternehmen will dagegen mit einem Ersatzfahrplan gut die Hälfte des Nahverkehrs sicherstellen.

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