Lizenz-Versteigerung Die Bieter und ihre Chancen
Frankfurt - An dem mit Spannung erwarteten Bietegefecht um das Zukunftsgeschäft mit UMTS beteiligen sich ab Montag sieben Unternehmensgruppen. Zur Versteigerung stehen vier bis sechs Lizenzen mit 20-jähriger Laufzeit, die es Mobilfunkkunden vom Jahr 2003 an ermöglichen werden, mit dem Handy - wie im Festnetz üblich - mit hohen Datenübertragungsraten im Internet zu surfen oder bewegte Bilder aus dem Netz herunterzuladen.
Wer sich hinter den Bewerbern verbirgt und welche Chancen ihnen eingeräumt werden, zeigt folgende Übersicht:
Deutsche Telekom: Die Mobilfunktochter T-Mobil (D1) ist der einzige rein deutsche Bewerber. Konzernchef Ron Sommer kann sich keine Schlappe erlauben. Das Unternehmen, das ohne Partner antritt, hatte in Großbritannien über die Tochterfirma One2One eine UMTS-Lizenz ersteigert, war in Spanien aber leer ausgegangen. T-Mobil gilt als gesetzt, wie Roland Mahler, Generalbevollmächtigter von T-Mobil bekräftigt: "Wir sind bestens auf die Versteigerung vorbereitet."
Mannesmann Mobilfunk: Eine UMTS-Lizenz ist für den deutschen Marktführer (D2) ebenfalls ein Muss. Seit der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone AirTouch gibt es kaum Zweifel, dass sich der Bewerber bei der Auktion durchsetzen wird. Vodafone ist bereits in Spanien und Großbritannien dabei. Jürgen von Kuczkowski, Vorsitzender der D2-Geschäftsführung, strotzt denn auch vor Zuversicht: "Wir haben eine exzellente Ausgangsbasis und ein hochmotiviertes Team."
MobilCom: Die Telefongesellschaft hat mit France Télécom einen starken Partner. Auf dem deutschen Markt stehen die Franzosen unter Erfolgsdruck. Bei der UMTS-Vergabe waren sie bislang wenig erfolgreich. In Großbritannien kam France Télécom durch den Kauf von Orange aber doch noch zum Zuge. MobilCom gilt als ein UMTS-Favorit.
e-plus/Hutchison: Als eine aussichtsreiche Anwärterin gilt auch die niederländisch-asiatische Allianz. e-plus ist eine Tochterfirma der KPN. Sie hatte ihre eigenständige UMTS-Bewerbung vor gut einer Woche zurückgezogen und wird gemeinsam mit Hutchison antreten; mit im Boot sitzt der japanische Mobilfunkriese NTT DoCoMo.
VIAG Interkom: "Wir sind fest entschlossen mit einer UMTS-Lizenz nach Hause zu gehen", betont Maximilian Ardelt von der VIAG Interkom. Hauptaktionäre des E2-Netzbetreibers sind der Energiekonzern E.ON und die British Telecom (BT). Um den Anschluss an die mobile Internetwelt nicht zu verpassen, kann sich BT keinen Flop leisten. Unklar ist, inwieweit sich E.ON bei UMTS noch finanziell engagieren will. BT war in Spanien und Großbritannien erfolgreich. Seit Beginn der dritten Woche der Versteigerung bietet der Mobilfunkanbieter nur noch für zwei Blcöke mit.
Debitel: Dem größten netzunabhängigen deutschen Mobilfunkbetreiber wurde schon zu Beginn der Versteigerung nur eine Außenseiterchance eingeräumt. Am Ende der zweiten Auktionswoche stieg die Tochterfirma der schweizerischen Swisscom schließlich aus dem Milliarden-Poker aus. Es hieß, dass die Bietergemeinschaft keine finanzkräftigen Partner gehabt habe, nachdem Gespräche mit dem US-Telefonkonzern MCI WorldCom scheiterten.
G3: Als ein reiner Zählkandidat wird G3 betrachtet. Nach dem Rückzug des britischen Mobilfunkbetreibers Orange besteht die Gruppe noch aus der spanischen Telefónica und der finnischen Sonera. Das Konsortium müsste als Neuling eine komplette Infrastruktur aufbauen und einen Kundenstamm generieren.
Die britische und die deutsche Auktion liefern gutes Anschauungsmaterial über die wichtigsten Mitspieler der Branche. Fünf große Gruppierungen wollen im Mobilfunk der Zukunft in Europa den Ton angeben: Vodafone/Mannesmann, France Télécom/Orange, Deutsche Telekom, KPN/NTT DoCoMo und die British Telecom. Alle fünf besitzen in Großbritannien eine UMTS-Lizenz und werden vermutlich auch in Deutschland zum Zuge kommen. Nur die Großen können die Preise für die Lizenzen und Kosten des Netzaufbaus schultern.