Lkw-Branche: Kampf um Scania-Übernahme eröffnet - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Lkw-Branche Kampf um Scania-Übernahme eröffnet

Der deutsche Lkw-Produzent MAN hat heute Nacht offiziell sein Kaufangebot für den schwedischen Konkurrenten Scania vorgelegt - knapp zehn Milliarden Euro. Die Schweden wehren sich gegen die Übernahme. Jetzt blicken alle auf die beiden großen Scania-Anteilseigner.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Der Lastwagenhersteller MAN hat den Kampf um die Übernahme des schwedischen Rivalen Scania offiziell eröffnet. MAN legte nach einer Aufsichtsratssitzung in der Nacht zu heute ein Angebot in Höhe von 9,6 Milliarden Euro in Bar und eigenen Aktien vor. Durch den Zusammenschluss entstünde der größte Lkw- und Bushersteller in Europa. Der Scania-Vorstand forderte die Scania-Aktionäre sofort zur Ablehnung des Kaufangebots auf: Das Nein des Vorstands war einmütig, teilte das Unternehmen heute in Stockholm mit. Mit Spannung wird nun die Reaktion der beiden Scania-Großaktionäre - VW und die schwedische Familie Wallenberg - erwartet.

MAN-Vorstandschef Hakan Samuelsson sagte: "Die neue Gruppe wird stärker und wettbewerbsfähiger sein und dabei Arbeitsplätze in Deutschland und Schweden sichern." MAN und Scania beschäftigen zusammen fast 80.000 Mitarbeiter und kommen zusammen auf eine Jahresproduktion von 124.000 Lastwagen und einen Konzernumsatz von rund 22 Milliarden Euro. Samuelsson sagte: "Durch die Zusammenführung zweier starker Marken und sich ergänzender Marktpositionen wird sich die neue Gruppe zu einem europäischen Champion und einem wirklichen Global Player entwickeln." MAN/Scania würde der größte Nutzfahrzeughersteller in Europa und nach eigenen Angaben die Nummer drei auf dem Weltmarkt.

MAN bietet für jede Scania-Aktie 38 Euro in bar plus 0,151 Stammaktien der fusionierten Gesellschaft. Das entspricht zusammen 48 Euro und liegt mehr als ein Drittel über dem durchschnittlichen Scania-Aktienkurs der letzten drei Monate, teilte MAN mit. Das Angebot steht unter der Bedingung, dass MAN mehr als 90 Prozent der Aktien und Stimmrechte an Scania erhält und die Kartellbehörden zustimmen. Die Übernahme soll vor Jahresende unter Dach und Fach gebracht werden.

Mit Renault habe MAN bereits den Kauf von 2,85 Prozent der Scania-Kapitalanteile vereinbart. Es wird erwartet, dass der größte Scania-Aktionär Volkswagen mit einem Anteil von 34 Prozent der Stimmrechte und 18,7 Prozent des Kapitals sich an der Fusion beteiligt und eine größere Beteiligung an dem neuen Unternehmen erwirbt. Die Haltung der Familie Wallenberg, die insgesamt 29 Prozent kontrolliert, ist noch offen. MAN teilte mit, die Übernahme solle vor allem mit eigenem Geld und mit Krediten finanziert werden.

Samuelsson, der lange Produktionsvorstand bei Scania war und seit anderthalb Jahren an der Spitze von MAN steht, sagte: "Scania und MAN sind zwei sehr ertragsstarke Unternehmen, die industriell hervorragend zusammen passen. Beide Unternehmen verbindet eine gleichartige Unternehmenskultur und Engineering-Tradition." Die Zusammenführung stärke ihre Wettbewerbsfähigkeit, schaffe die Grundlage für Wachstum in bestehenden und neuen Märkten und biete den Aktionären einen erheblichen Wertzuwachs.

kaz/AP