Lkw-Maut Stotter-Start in den Testbetrieb
Hamburg - Angaben über die Zahl der Teilnehmer an dem neuen Mautsystem gibt es noch nicht. Dem Maut-Konsortium Toll Collect zufolge funktionierte das elektronische System am Sonntag ohne Probleme. Einige Lastwagenfahrer berichteten jedoch, dass das Mautsystem nicht funktioniert. So kam es wohl häufiger vor, dass auf Maut-pflichtigen Strecken die an Bord der Laster installierten Geräte "mautfrei" anzeigten.
Die Transportbranche rechnete nicht mit Staus oder Verzögerungen auf den Autobahnen wegen des freiwilligen Maut-Testbetriebs. Die vor allem an Raststätten aufgestellten Maut-Automaten würden von den Spediteuren und Lastwagen wohl gar nicht genutzt werden, sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Speditions- und Logistikverbands (DSLV), Heiner Rogge. Kein Unternehmen werde auf der zunächst geltenden freiwilligen Basis eine Zeitverzögerung in Kauf nehmen.
Die Maut-Gebühr soll vom 2. November an erhoben werden. Experten zweifeln jedoch daran, ob bis dahin alle technischen und organisatorischen Probleme ausgeräumt werden können. Die Deutsche Post kündigte bereits an, wegen der Maut die Paketpreise anzuheben.
Die bisher etwa 3000 Maut-Automaten sind für die Lastwagen-Fahrer gedacht, die kein Bordgerät zur Maut-Abrechnung haben. Von diesen so genannten On-Board-Units sind bisher nur etwa 75.000 installiert worden, während zwischen 450.000 und einer Million gebraucht werden. "Von Seiten der Unternehmen ist zu hören, dass davon nur etwa 30 bis 40 Prozent auch tatsächlich funktionieren", sagte Rogge. Es gebe offensichtlich noch "erhebliche Software-Probleme", die in der Testphase noch gelöst werden müssten.
Bei Probeläufen seien bei vielen Bordgeräten die Sicherungen durchgebrannt, sobald der Fahrer den Zündschlüssel umdrehte, berichtete unterdessen der SPIEGEL. Die "Sterberate" der Geräte habe bis zu 80 Prozent betragen.
Mitte Oktober soll ein Gutachten Aufschluss darüber geben, ob für das System die Betriebsgenehmigung erteilt wird. Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) ist zuversichtlich, dass die Maut vom 2. November an erhoben werden kann. Durchschnittlich 12,4 Cent pro Kilometer müssen die Spediteure dann entrichten. Die Abbuchung erfolgt elektronisch, entweder über die Bordgeräte, über die Automaten an Grenzübergängen und Raststätten oder über das Internet.
"Für unsere Filialkunden wird die Maut im Rahmen der nächsten Preismaßnahme berücksichtigt", sagte der Vorstand Express Europa der Post, Peter Kruse, dem "Tagesspiegel am Sonntag". Wann das passiert, sagte er allerdings nicht.