Lkw-Milliardenpoker MAN knickt ein, VW gewinnt
Alternativ strebe der Konzern nun eine freundliche Kombination mit Scania und der brasilianischen VW-Sparte Volkswagen Heavy Trucks an. Gespräche darüber sollten im weiteren Verlauf des Jahres geführt werden. Eine solche Kombination besitze eine "industrielle Logik", teilte MAN mit. Fest steht: Der Münchner Konzern ist mit seinem Versuch gescheitert, die Lkw-Branche im eigenen Sinne neu zu gestalten.
Der große Übernahmepoker in der europäischen Nutzfahrzeug-Branche gestaltete sich von Beginn an kompliziert: Neben dem Bieter MAN und dem umworbenen Konkurrenten Scania mischte auch der Autogigant Volkswagen von Anfang an kräftig mit er ist größter Aktionär bei Scania und seit ein paar Monaten auch bei MAN.
Offiziell legte MAN am 18. September ein Angebot über 9,6 Milliarden Euro vor. Doch Scania-Vorstand und Hauptanteilseigner waren dagegen. Hintergrund der MAN-Scania-Pläne waren erhoffte enorme Synergieeffekte. Außerdem könnte ein zusammengeschlossener Konzern weltweit auf Augenhöhe dem Lkw-Marktführer DaimlerChrysler begegnen. Für Håkan Samuelsson, den aus Schweden stammenden MAN-Chef, der früher als Manager bei Scania arbeitete, wäre die Vereinigung der beiden Firmen eine Krönung seiner Karriere gewesen.
Größte Anteilseigner bei den Schweden sind VW mit 34 Prozent, Investor AB (von der einflussreichen Industriellenfamilie Wallenberg gegründet) mit 19,3 Prozent und noch einmal die Wallenbergs, die über eine Stiftung weitere rund 10 Prozent an Scania halten.
Wolfsburg diktiert die Bedingungen
Ende September erklärte der inzwischen nicht mehr amtierende VW-Chef Bernd Pischetsrieder, eine Allianz von MAN und Scania sei sinnvoll - aber MAN müsse sein feindliches Übernahmeangebot zurückziehen. Wenige Tage später folgte die nächste Überraschung: VW kaufte 15 Prozent an MAN und war damit auch bei den Münchnern der Großaktionär.
Anfang Oktober erklärte sich MAN bereit, das Übernahmeangebot für Scania zurückzunehmen - aber nur "unter bestimmten Bedingungen, die mit allen Beteiligten verhandelt werden müssen". Wenige Tage später erhöhte MAN dann das Angebot auf etwa 10,3 Milliarden Euro. Am 27. Oktober legte MAN ein offizielles Kaufangebot vor und setzte den Scania-Aktionären eine Frist von drei Wochen. Die Annahmefrist wurde noch einmal bis zum 31. Januar 2007 verlängert.
VW hatte hinter den Kulissen mächtig Druck gemacht. Wie der SPIEGEL am Wochenende berichtete, drohten die Wolfsburger sogar damit, die Ablösung Samuelssons zu betreiben. VW sah den Schweden als Hindernis für die eigenen Pläne, das Lastwagengeschäft von VW mit MAN und Scania zu fusionieren. Am Montag stellte sich der MAN-Aufsichtsrat aber erst einmal demonstrativ hinter Samuelsson.
Auf die Frage, ob Samuelsson nach dem Scheitern des Übernahmeversuchs nun zurücktreten werde, sagte ein Unternehmenssprecher: "Dazu gibt es keinen Grund." Die Gespräche mit Scania und VW würden natürlich mit Samuelssons Beteiligung geführt.
VW begrüßte am Dienstag die Rücknahme des Angebotes durch MAN. Man habe "stets bekundet, nur eine einvernehmliche Lösung zu unterstützen", hieß es in einer Presseerklärung. Und eine solche Lösung sehe die Zusammenführung der beiden Lkw-Bauer MAN und Scania sowie des brasilianischen Nutzfahrzeuggeschäfts von VW vor. "Volkswagen ist davon überzeugt, dass eine freundliche Lösung der beste Weg ist, um die hohen Synergiepotenziale dieses Zusammenschlusses zu realisieren."
itz/dpa/AP