Lobbying BMW & Co erhalten "Worst EU Lobby Award"
Hamburg - Dass sie den Preis tatsächlich selbst entgegennehmen, ist eher unwahrscheinlich: Heute Abend werden BMW , Daimler und Porsche mit dem sogenannten "Worst EU Lobbying Award 2007" ausgezeichnet - für ihre "Kampagne für die Verwässerung und Verzögerung von verpflichtenden CO2-Reduktionszielen", wie es in der Begründung der für die Auszeichnung verantwortlichen Nichtregierungsorganisationen Lobby Control, Corporate Europe Observatory (CEO) und anderen heißt.
Sechs Wochen lang haben Wähler in ganz Europa per Internet über die Kandidaten abgestimmt, zur Wahl standen neben den deutschen Autoherstellern auch die europäische Lobbyvereinigung EPACA, die Lobbyagentur Cabinet Stewart, der EU-Berater Viscount Etienne Davignon und der Energiekonzern Repsol. Insgesamt beteiligten sich mehr als 6600 Menschen an der Abstimmung, fast ein Drittel der Stimmen (32 Prozent) entfiel dabei auf BMW, Daimler und Porsche, auf den Plätzen zwei und drei folgten EPACA mit 24 Prozent und Cabinet Stewart mit 16 Prozent.
"Das deutsche Trio BMW, Daimler und Porsche gehört zu den schlimmsten unter den Autolobbyisten", sagte Erik Wesselius von CEO. Die Autohersteller hätten mit Panikmache und stark übertriebenen Drohungen auf die Ankündigung der EU-Kommission reagiert, verpflichtende CO2-Ziele vorzugeben. "Das Ergebnis der Abstimmung zeigt, dass die europäischen Bürger diese Art von irreführendem und manipulativen Lobbying ablehnen."
Einen Sonderpreis für den "unverfrorensten Versuch, sich ein ungerechtfertigt grünes Image zu verschaffen", erhält außerdem das Deutsche Atomforum. Es war auf Grund seiner Kampagne "Deutschlands ungeliebte Klimaschützer" nominiert worden und erhielt gut ein Drittel der Stimmen (34 Prozent). "Das Deutsche Atomforum versucht, die öffentliche Besorgnis über den Klimawandel zu instrumentalisieren, um für die Atomenergie zu werben", sagte Ulrich Müller von LobbyControl. Die einseitigen Anzeigen nutzten idyllische Naturbilder und blendeten die Risiken der Atomenegei aus, um öffentliche Akzeptanz für längere Laufzeiten zu schaffen.
Mit den Worst EU Lobbying Awards wollen die Veranstalter auf problematische Lobby-Methoden in Brüssel aufmerksam machen, sie werden heute zum dritten Mal vergeben. Kritik an der Auszeichnung kommt aus Brüssel selbst: "Mehr Transparenz im Lobbying ist absolut richtig und wichtig", sagt Silvana Koch-Mehrin, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der FDP im EU-Parlament. "Bei so einem Preis muss man dann aber auch die NGOs bewerten. Es ist absurd, Lobbying zu beurteilen, ohne alle Lobby-Gruppen miteinzubeziehen." Der Preis unterstelle Unternehmen per se, nicht zum Wohle der Allgemeinheit zu arbeiten. "Dabei machen sowohl Unternehmen und NGOs eigentlich das Gleiche: Sie versuchen, die Entscheidungen der EU in ihrem Sinne zu beeinflussen."
sam