Lohn-Debatte Spitzenmanager verteidigen Millionen-Gehälter
Hamburg - Telekom-Chef René Obermann sagte "Bild am Sonntag", er halte die Einkommen der Vorstände in seinem Unternehmen nicht für unanständig. "Ich finde, die Vorstandsgehälter der Telekom bewegen sich im Rahmen, wenn man bedenkt, dass damit eine bis zu 90-Stunden-Woche und eine große Verantwortung für die vielen Mitarbeiter und Aktionäre verbunden ist". Obermann erhielt im vergangenen Jahr der Zeitung zufolge 2,6 Millionen Euro.
Siemens-Chef Peter Löscher nannte sein Gehalt ebenfalls angemessen. Im Vergleich zu anderen Dax-Unternehmen und im internationalen Wettbewerb befinde er sich nicht in der Spitzengruppe. "Hier ist Augenmaß angesagt, und das haben wir auch so gestaltet." Löscher verdient laut "Bild am Sonntag" in diesem Jahr mindestens 4,4 Millionen Euro.
Bahn-Chef Hartmut Mehdorn sagte dem Blatt: "Drei Viertel meines Gehalts sind vom Erfolg abhängig." Als die Bahn noch kein Geld verdient habe, seien die Bezüge des Vorstands deutlich geringer gewesen. Das sei jetzt anders. Mehdorn verdiente dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr 3,2 Millionen Euro.
Continental-Chef Manfred Wennemer, der laut "BamS" im vergangenen Jahr 4,1 Millionen Euro erhalten hat, sagte: "Ich bekomme mein Gehalt zu Recht, weil es nur zum kleineren Teil fix und die Vergütung insgesamt extrem an die Leistung gekoppelt ist. Unsere Aktie muss zum Beispiel 15 Prozent besser als der Dax abschneiden, bevor wir als Vorstände bei den variablen Gehaltsanteilen überhaupt profitieren können."
"Manche Beträge verstehe ich nicht mehr"
Allerdings: Die Gehälter anderer Manager kritisiert Wennemer sehr wohl. "Manche Beträge, von denen ich lese, verstehe ich nicht mehr", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Für verwerflich halte er die Zahlungen an Manager speziell dann, wenn das Salär in keinem Verhältnis zu deren Leistung stehe. "Wenn man 50 Millionen Abfindung bekommt, weil man eine Firma an die Wand gefahren hat, dann wird die Argumentation schwierig", sagte Wennemer.
Bundespräsident Horst Köhler hatte zuletzt mit kritischen Äußerungen eine neue Diskussion über die Bezüge von Managern angestoßen. Das Staatsoberhaupt warb für eine "Kultur der Mäßigung" und appellierte an die Führungskräfte in den Unternehmen, ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) lehnte es ab, die Manager pauschal zu kritisieren. "Top-Manager, die gute Arbeit leisten, sollen angemessen viel verdienen. Die oberen zehn Prozent aller Steuerzahler zahlen heute schon mehr als 50 Prozent des gesamten Steueraufkommens", sagte er der Zeitung. Er halte eine Neiddebatte für falsch. Die Besten dürften nicht vertrieben werden. "Wenn wir in Deutschland mehr reiche Steuerzahler hätten, die heute in Monaco oder der Schweiz leben, wäre das gut für uns alle", sagte Wulff.
Immerhin haben deutsche Manager häufig ein schlechtes Gewissen. Einer Umfrage zufolge kommen 57 Prozent der Führungskräfte mehrmals jährlich in moralische Konflikte, weil ihr Handeln mit einstigen Wertvorstellungen unvereinbar ist. Dies ergab eine Umfrage der Personalberatung LAB Lachner Aden Beyer & Company in Kooperation mit der "WirtschaftsWoche".
47 Prozent der Befragten beobachten in ihrem beruflichen Umfeld regelmäßig moralisch verwerfliches Handeln. 72 Prozent der Leistungsträger gaben an, dass sich die ethischen Maßstäbe im Laufe ihres Berufslebens verschoben hätten.
"Als Barsch überlebt es sich eben schlecht im Haifischbecken", wird ein Umfrageteilnehmer zitiert. "Wegen des wachsenden Drucks, ständig und kurzfristig Erfolge melden zu müssen, glauben Top-Manager zunehmend, ohne Verrat an den eigenen moralischen Maßstäben nicht überleben zu können", sagt Klaus Aden, Geschäftsführender Gesellschafter von LAB & Company.
wal/ddp/Reuters