Lohnstreit Bahn bietet Lokführern eigenen Tarifvertrag an
Hamburg Die Bahn hat sich offenbar durchgerungen: Das Unternehmen hat der Gewerkschaft GDL in dem festgefahrenen Tarifkonflikt ein neues Angebot vorgelegt - und spricht nun offiziell von einem eigenen Tarifvertrag für die Lokführer.
"Dieses Paket sieht einen Tarifvertrag für Lokführer vor, der sich konflikt- und widerspruchsfrei in das DB-Gesamttarifwerk einpasst", sagte Bahn-Personalvorstand Margret Suckale, ohne Details zu erläutern. Die lokführerspezifischen Regelungen seien von der GDL "innerhalb der Tarifeinheit" zu verhandeln, sagte sie. Das Angebot müsse auf den Abschlüssen aufbauen, die der Konzern zuvor mit den GDL-Konkurrenzgewerkschaften Transnet und GDBA vereinbart hat.
Das neue Angebot im Einzelnen:
- Es bleibt bei dem Angebot, die Gehälter der Lokführer um zehn Prozent anzuheben. 4,5 Prozent wurden schon mit der Tarifgemeinschaft aus Transnet und GDBA vereinbart, hinzu sollen zwei bezahlten Stunden Mehrarbeit pro Woche kommen, für die inklusive Zuschläge 5,5 Prozent mehr Gehalt bezahlt werden soll.
- Zusätzlich will das Unternehmen den Lokführern eine Einmalzahlung von 600 Euro zugestehen und allen Bahn-Mitarbeitern für im Jahr 2007 schon geleistete Überstunden 1400 Euro; das heißt die Lokführer kämen insgesamt auf 2000 Euro mehr dieses Jahr, wenn sie Überstunden geleistet haben.
- Zuletzt sprach Suckale von einem "mitarbeiterfreundlicheren Ruhetagsplan". Außerdem versprach die Personalchefin, die Bahn wolle in verschiedenen Punkten "intensiver" mit den Lokführern zusammenarbeiten.
Ursprünglich hatte die GDL bis zu 31 Prozent mehr Gehalt gefordert, allerdings hatte die Vereinigung schon angedeutet, dass ein Kompromiss wohl darunter liegen werde. Die zentrale Forderung der Gewerkschaft lautete stets, dass ein eigener Tarifvertrag für die Lokführer abgeschlossen wird. Ob sie sich auf das jetzt vorgelegte Angebot einlässt, ist dennoch fraglich: Denn wichtig war GDL-Chef Manfred Schell auch, dass die Lokführer nicht mehr arbeiten müssen für mehr Lohn. Im Gegenteil: Er forderte eine Verkürzung der Arbeitszeit von 41 auf 40 Stunden pro Woche.
Suckale betonte, das neue Bahn-Angebot beziehe sich auf das Moderationsergebnis, das vor einigen Wochen unter der Leitung der beiden CDU-Politiker Heiner Geißler und Kurt Biedenkopf erreicht wurde. Ein Kompromiss mit der GDL müsse sich diesem Ergebnis zufolge "konflikt- und widerspruchsfrei" in das Tarifwerk der Bahn einbetten lassen, das schon mit Transnet und GDBA ausgearbeitet worden ist. "Wir wollen die Tarifeinheit somit erhalten", sagte Suckale. Die Bahn wolle damit die Spaltung der Belegschaft vermeiden.
"Das ist ein Angebot, das jetzt sehr schnell zu einem Tarifabschluss führen muss", fügte Suckale hinzu. Auch den anderen Tarifpartnern sei heute ein entsprechendes Angebot zugegangen. "Wir erwarten jetzt, dass die Tarifverhandlungen zügig aufgenommen und abgeschlossen werden können - Streiks müssen in dieser Zeit selbstverständlich ausgeschlossen sein." Die in der GDL organisierten Lokführer hatten zur Durchsetzung ihrer Forderung am vergangenen Freitag im Nah- und Regionalverkehr die Arbeit erneut niedergelegt und damit bundesweit erhebliche Störungen verursacht.
ase/AP/Reuters