London-Stansted Ryanair plant Flughafen-Übernahme
London - Michael O'Leary gibt sich optimistisch: Der derzeitige Eigner des Londoner Flughafens Stansted, der britische Airport-Betreiber BAA, werde von den Behörden sicher zum Verkauf aufgefordert werden, sagte der Ryanair-Chef der Zeitung "Daily Telegraph". Dann wäre der Weg frei für eine Ryanair-Offerte, die bei zwei Milliarden Pfund liegen könne.
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Foto: DPAStansted ist bereits jetzt Ryanairs Hauptdrehkreuz. Allerdings liegen die Billigflug-Gesellschaft und BAA seit längerem im Streit um den Standort. Erst vor wenigen Tagen hatte BAA Ryanair verklagt, weil sich die Airline weigert, die um 15 Prozent erhöhten Gebühren zu bezahlen.
Nach einer Übernahme will O'Leary an dem Standort massiv expandieren. Er sei sich sicher, dass sein Unternehmen den Flughafen besser führen könne als die BAA. So will Ryanair eine zweite Landebahn und ein zweites Terminal in Stansted bauen und die Landegebühren halbieren. Damit soll die Zahl der Passagiere dort von derzeit 24 Millionen auf 40 Millionen pro Jahr gesteigert werden.
O'Leary könnte damit zum Profiteur einer laufenden Kartellprüfung werden. Die britische Wettbewerbskommission prüft seit längerem, ob die Marktmacht der BAA zu groß ist. Eine Entscheidung wird demnächst erwartet. BAA betreibt in Großbritannien allein sieben große Flughäfen, darunter Heathrow, Gatwick und eben Stansted. Dass die Kommission die BAA zum Verkauf von mindestens einem dieser drei Standorte auffordern wird, scheint sicher.
Ein Branchenexperte sagte, es sei nicht klar, ob O'Leary es wirklich ernst meine. Erst kürzlich hatte der Airline-Chef angekündigt, bis zu 400 neue Flugzeuge kaufen zu wollen. Nur wenn er auf den anstehenden Kapazitätsausbau verweise, könne er bei Herstellern und Flughäfen gute Konditionen aushandeln, sagte der Manager zur Begründung.
Dabei hat die Gesellschaft wie viele Wettbewerber derzeit mit hohen Kerosinkosten zu kämpfen. Für das seit April laufende Geschäftsjahr rechnet Ryanair mit einem Verlust von bis zu 60 Millionen Euro. Bestenfalls könnte beim Ergebnis eine Null erreicht werden, prognostizierte das Unternehmen Ende Juli. In dem Ende Juni abgeschlossenen ersten Quartal brach der Gewinn bereits um 85 Prozent auf 21 Millionen Euro ein.
Doch der für seine flotten Sprüche bekannte Manager begegnet den Problemen mit unerschütterlichem Optimismus - und kalkuliert dabei äußerst riskant. Der Ölpreis "wird wieder unter 100 Dollar sinken, weil die Nachfrage zurückgeht. Es gibt keine Ölknappheit", sagt er. Und von einem möglichen Wirtschaftsabschwung werde Ryanair profitieren: Viele Geschäftsreisende würden dann auf die Schnäppchen-Airline umsteigen.
suc/Reuters