LTU-Kauf Air Berlin wird Langstrecken-Profi
Berlin - Die LTU kämpft seit Jahren mit roten Zahlen. 2006 betrug der operative Verlust 14 Millionen Euro, nach 45 Millionen Euro Miesen im Vorjahr. Der Umsatz der LTU-Gruppe mit rund 2750 Mitarbeitern lag bei 1,06 Milliarden Euro.
Nun ist auch der Rest des Unternehmens veräußert worden. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin kaufte den defizitären Düsseldorfer Ferienflieger für 140 Millionen Euro, wie der Konzern heute mitteilte. Außerdem würden Schulden zwischen 190 und 200 Millionen Euro übernommen. Der Gesamtkaufpreis beläuft sich somit auf 330 bis 340 Millionen Euro.
Air Berlin macht mit dem Zukauf den Flughafen Düsseldorf für sich zu einer wichtigen Basis. Das Streckennetz von Air Berlin umfasste bislang Ziele in Europa, einschließlich der Kanaren, sowie Ägypten und Tunesien. Mit LTU verschafft sich der Konzern ein Langstreckennetz mit Verbindungen unter anderem in die USA, nach Kanada, in die Karibik, nach Thailand und Südafrika. Hinzu kommt die Mitnutzung der Condor-Flüge. An Condor, das zu KarstadtQuelle gehört, ist Lufthansa mit 24,9 Prozent beteiligt.
Der LTU-Kauf werde zum größten Teil durch die Ausgabe neuer Aktien und eine Wandelanleihe mit einem voraussichtlichen Gesamtvolumen von etwa 250 Millionen Euro finanziert. Dabei sollen neue Aktien von bis zu zehn Prozent des derzeitigen Grundkapitals ausgegeben werden. Der größere Teil der kombinierten Wertpapieremission werde allerdings aus einer Wandelanleihe bestehen. LTU soll im Air-Berlin-Konzern ein rechtlich selbstständiges Unternehmen mit eigener Geschäftsführung bleiben. "Auch der Name LTU soll auf absehbare Zeit Bestand haben", hieß es. Das Bundeskartellamt muss dem Kaufvertrag noch zustimmen.
Mit der jüngsten Akquisition ist die Expansionsstrategie von Air Berlin noch nicht abgeschlossen. Man wolle auch eine 49-prozentige Beteiligung an der Schweizer Fluggesellschaft Belair erwerben, die drei Flugzeuge betreibt, erklärte das Unternehmen heute etwa.
Der TUI dürfte der heutige Deal wenig gefallen: Denn zeitgleich mit dem Kauf kündigt Air Berlin heute die gemeinsame Nutzung von Flügen mit dem Konkurrenten an. Beim so genannten Codesharing - ein Flug, zwei Anbieter - tritt nun Condor als Kooperationspartner an die Stelle von TUIfly. Allerdings versucht man dort, Gelassenheit zu demonstrieren: "Die Code Share-Partnerschaft von TUIfly und Air Berlin stand ohnehin auf dem Prüfstand", sagte TuiFly-Sprecher Herbert Euler. Ein mögliches Code-Share Abkommen zwischen Condor, Air Berlin und LTU müsste jedoch wettbewerbsrechtlich beurteilt werden. "Eine mögliche Monopolstellung werden wir auf keinen Fall hinnehmen", so Euler zur Nachrichtenagentur dpa-AFX.
ase/dpa/dpa-AFX/Reuters