Lucent/Alcatel Fusion scheitert an Eitelkeiten
Paris - Die Fusionsgespräche zwischen den beiden Telekomausrüstern Alcatel und Lucent wurden nach Angaben aus verhandlungsnahen Kreisen auf Grund von Differenzen über die Zusammensetzung des neuen Unternehmens-Boards sowie über die künftigen Besitzverhältnisse abgebrochen. Das wurde am Dienstag nach US-Börsenschluss bekannt.
Lucent befürchtete Übernahme statt Fusion
Lucent habe zwar zu Beginn einer Aufteilung der Besitzverhältnisse im Verhältnis von 42 zu 58 zu Gunsten von Alcatel zugestimmt, hieß es in den Kreisen. Im US-Unternehmen habe es dann aber Befürchtungen gegeben, dass die Transaktion faktisch nicht auf einen "Zusammenschluss unter Gleichen" hinauslaufen werde.
"Plötzlich hatte man realisiert, dass selbst dann, wenn die Idee ein Zusammenschluss unter Gleichen gewesen war, das Ganze in eine Übernahme gemündet wäre," hieß es in den Kreisen. Beide hätten nicht die gleiche Zahl an Board-Mitgliedern im neuen Unternehmen gestellt. Die Differenzen seien allerdings erst spät in den Verhandlungen zum Vorschein gekommen.
Skeptische Stimmen bereits im Vorfeld
Durch die Fusion von Alcatel und Lucent wäre der weltweit größte Telekomausrüster mit einem Umsatz von rund 70,5 Milliarden Euro entstanden. Angesichts der jüngsten Entwicklungen der beiden Unternehmen war der Zusammenschluss jedoch als finanzielles Wagnis eingestuft worden.
In der ersten Jahreshälfte machte Lucent rund fünf Milliarden Dollar Verlust. Der Alcatel-Wert rutschte seit Jahresbeginn an der Börse um mehr als 40 Prozent ab. Es war zudem spekuliert worden, dass die US-Kontrollbehörden die Fusion verboten hätten, weil Lucent unter anderem Abhörgeräte für den US-Geheimdienst entwickelt.
Analysten hatten für den neuen Telekom-Riesen ein Einsparpotenzial von vier Milliarden Dollar im Jahr erwartet. Für ein Fünftel der insgesamt etwa 210.000 Arbeitnehmer hätte die Fusion möglicherweise die Entlassung bedeutet. Alcatel beschäftigt derzeit 120.000 Mitarbeiter, Lucent hat 90.000 Angestellte.