Luftfahrt Airbus und Boeing streiten um Subventionen
Paris - Lange Zeit lästerten die Beteiligten nur hinter vorgehaltener Hand. Doch jetzt, angesichts der Krise, ist der Subventionsstreit zwischen Boeing und Airbus wieder heftig aufgebrochen. Airbus solle seine Milliardenreserven nutzen und endlich mal ein Flugzeug alleine finanzieren, beschwert sich ein Boeing-Vertreter. Boeing sei höher subventioniert als alle anderen, schallt es von den Europäern zurück.
Luftfahrtschau in Le Bourget: Wettstreit um Subventionen
Foto: PIERRE VERDY/ AFPMitten in der schwersten Luftfahrtkrise aller Zeiten liegen die Nerven bei beiden Flugzeugbauern blank. Wann der erhoffte Aufschwung kommt, ist unsicher. Nach außen hin demonstrieren beide Hersteller ungebrochenen Optimismus - und fahren dennoch ihre Produktion langsam herunter. Hinzu kommt, dass bei beiden in der nächsten Zeit entscheidende Weichenstellungen bevorstehen: Der Erstflug des Dreamliner genannten 787 von Boeing und die Entscheidung über Staatshilfen für die Finanzierung des A350 von Airbus.
Der Erfolg dieser beiden Flugzeuge wird darüber entscheiden, wer von beiden Herstellern in den nächsten Jahren die Nase vorn hat. "Der A350 steht in Wettbewerb mit der 787 von Boeing, einem der meistsubventionierten Flugzeuge", ätzte der Chef des Airbus-Konzerns EADS , Louis Gallois. Staatliche Hilfen seien daher nur fair, um die Subventionen für die 787 auszugleichen.
Deutschland und Frankreich geben Milliarden
Kaum hatten Deutschland und Frankreich sich bereiterklärt, den A350 mit Milliardenkrediten zu unterstützen, ging Boeing in die Offensive. "So eine Finanzierung würde gegen die Verpflichtungen der Mitgliedstaaten zur Einhaltung der WTO-Regeln verstoßen", erklärte Boeing in Paris. "Es ist höchste Zeit, dass Airbus seine Flugzeugentwicklung zu Marktbedingungen finanziert und dabei seine eigenen Ressourcen nutzt, die das Unternehmen selbst als reichlich bezeichnet."
Der US-Konzern spürt Wind in den Segeln, weil die Demokraten von US-Präsident Barack Obama als protektionistischer gelten als die abgewählten Republikaner. Selbst wenn der Protest gegen die A350-Finanzierung ins Leere liefe: Washington könnte wegen des Streits eher geneigt sein, den Milliardenauftrag für Tankflugzeuge an Boeing zu geben und die Airbus-Tanker zu verschmähen, mutmaßen Branchenexperten. Damit würde Boeing seinen Erzrivalen EADS weiter vom lukrativen US-Militärmarkt fernhalten.
Problemfälle bei Airbus
Abkommen über Subventionen bringt keinen Frieden
Eigentlich hatten Amerikaner und Europäer alles geregelt: 1992 hatten beide sich auf die Regeln für die Finanzierung des Flugzeugbaus verständigt. Doch 2004 hatte Washington das Abkommen einseitig gekündigt. Seitdem wogt der Streit mit unterschiedlicher Intensität. Washington zog sogar vor die WTO und Brüssel konterte mit einer Gegenklage. Dort schien der Konflikt einzuschlafen, weil der Subventionsdschungel kaum zu lichten ist.
Denn in dem Streit geht es um mehr als nur ein paar rückzahlbare Kredite. Airbus muss die Darlehen mit Zinsen zurückzahlen und sogar noch etwas drauflegen, wenn das Flugzeug ein Erfolg wird. "Seit 1992 haben wir den Regierungen 40 Prozent mehr zurückgezahlt, als wir bekommen haben", verteidigt sich Airbus-Chef Enders. Brüssel hat das der WTO bestätigt.
Was Enders allerdings nicht erwähnt, ist die Tatsache, dass die Starthilfekredite durchaus auch als Subventionen interpretiert werden können - schon allein, weil sie das Geschäftsrisiko auf den Staat verlagern. Denn wenn das neue Flugzeug zum Ladenhüter wird, entfällt auch die Rückzahlung.
Im Falle Boeing ist es noch schwieriger, die Gelder, die im Prinzip Subventionen darstellen, zu ermitteln, denn der Flugzeugbauer kann viele Quellen nutzen, um die Kosten für Entwicklung und Produktion seiner Jets zu minimieren. So nutzt Boeing Verbundstoffe und Techniken, deren Entwicklung die Nasa über ihr Raumfahrtprogramm finanziert hat oder das Pentagon über sein Budget für die Luftwaffe. Der Rumpf wird in Werken von Japan bis Italien vorgefertigt, die mit Riesensummen aus der Regionalförderung aufgebaut wurden. Niemand kann wirklich sagen, welche Gemeinden, Regionen und Länder insgesamt wie viel gezahlt haben, damit Boeing mit seinem "Dreamliner" 787 seinen Rückstand gegen Airbus in einen Vorsprung verwandeln kann.
Gelder kaum als Subventionen zu identifizieren
Das ist bei Airbus aber nicht anders, auch wenn EADS weniger Geld aus den Rüstungsetats bekommt. Airbus-Verkaufschef John Leahy machte am Dienstag keinen Hehl daraus, dass Airbus für eine Fertigung der A350-Flügel in Großbritannien erwartet, dass sich London an der Anschubfinanzierung beteiligt.
Insgesamt 3,3 Milliarden Euro sollen die Airbus-Staaten zur Finanzierung der elf Milliarden Euro Entwicklungskosten beitragen. Niemand zweifelt mehr daran, dass sie sich am Ende dazu bereiterklären. "Bei all den Zig-Milliarden, die die Europäer ausgeben, um die Spekulationsverluste ihrer Banken auszugleichen, spielt die Summe doch gar keine Rolle", sagte ein Insider am Rande der Luftfahrtmesse. "Außerdem werden mit den Finanzmitteln hochwertige Arbeitsplätze und Zukunftstechnologien in Europa gesichert." Nur die Spanier zieren sich noch: Sie sind verärgert, weil sie beim Militärtransporter A400M nicht mehr das Sagen haben.