Luftfahrt Airbus verschärft sein Sparprogramm
Paris/Toulouse - Der neue Sparkurs ist rigide: Über eine Milliarde mehr als geplant will EADS sparen, bis zum Jahr 2012 allein 650 Millionen Euro bei der Konzertochter Airbus. Davon entfallen 300 Millionen Euro auf billigere Fertigung und Einkäufe im Ausland, teilte das Unternehmen am Dienstag mit.
Deshalb wird Airbus ein Werk in Tunesien gründen, sagte Konzernchef Louis Gallois der Zeitung "Le Monde". Rund 350 Millionen will Airbus zudem mit der Erweiterung des Programms "Power 8" sparen, mit dem die Kosten bis 2010 bereits um 2,1 Milliarden Euro gedrückt werden sollen.
Die anderen EADS-Töchter wie Eurocopter und die Zentrale sollen 350 Millionen Euro beitragen. Anders als bei dem bisherigen Programm "Power 8", dem 10.000 Verwaltungsstellen zum Opfer fallen, sieht das neue "Power 8 Plus" keinen Abbau von Arbeitsplätzen vor. Airbus stellt sogar Mitarbeiter ein, um mehr Flugzeuge zu bauen: Die Fertigung werde zwischen 2007 und 2011 um 50 Prozent hochgefahren, sagte EADS-Chef Louis Gallois der "Le Monde".
Die Airbus-Produktion sei für fünf bis sechs Jahre ausverkauft und die Werke arbeiten alle an der Kapazitätsgrenze, sagte der EADS-Chef. Allerdings sieht EADS wegen des niedrigen Dollarkurses die Rentabilität langfristig gefährdet. "Mit dem Ausbau der Internationalisierung sichern wir Wachstum", sagte Airbus-Chef Thomas Enders. Airbus nutze die günstigeren Kostenstrukturen im Ausland und sichere gleichzeitig "Beschäftigung und Kernkompetenzen" in Europa.
Airbus zieht in China ein Montagewerk hoch, baut die Entwicklung in Indien aus und will mehr Teile aus Mexiko beziehen. Wenn EADS den Auftrag der US-Luftwaffe für Tankflugzeuge bekommt, wird in den USA ein Flugzeugwerk errichtet. "Der Maghreb interessiert uns wegen der Kosten für die klassischen Produktionen", sagte Gallois.
Zum laufenden Sanierungsprogramm gehört auch die Ausgliederung von Werken zum späteren Verkauf. In Deutschland wurden die Werke Augsburg, Nordenham und Varel in der neuen Gesellschaft Premium Aerotec gebündelt. Airbus investiert in Augsburg und Nordenham 360 Millionen Euro in die Fertigung des Langstreckenfliegers A350. Entsprechend will Airbus in Frankreich die Werke Méaulte und Saint-Nazaire Ville ausgliedern und dort in die Verbundstofftechnik für die A350 investieren.
Unterdessen werden die Sorgen mit dem Großjet A380 keineswegs geringer. Wegen Problemen mit der Elektrik kann die Fluggesellschaft Emirates ihren bisher einzigen A380 derzeit nicht einsetzen. "Die Arbeiten an der Technik dauern länger als geplant", sagte eine Emirates-Sprecherin.
Die zweite, in Hamburg ausgelieferte Emirates-Maschine, dürfte erst im Oktober mit mehrwöchiger Verspätung einsatzbereit sein. Die Elektrikprobleme seien vergangene Woche aufgefallen, sagte die Sprecherin. Emirates hoffe, das erste Flugzeug ab dem 12. September wieder auf der Strecke Dubai-New York einsetzen zu können.
Problemfälle bei Airbus
Airbus hat der französischen Zeitung "Figaro" zufolge 30 Mitarbeiter für Emirates nach Dubai und New York abgestellt. Die Fluggesellschaft ist mit 58 Bestellungen der wichtigste Kunde für das Großflugzeug, das in der Produktion zwei Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan liegt. Die Maschine A380 ist mit anderer Innenausstattung bereits bei Singapore Airlines im Einsatz.
cvk/dpa-AFX/Reuters/Dow Jones