Luftfahrt-Unternehmen EADS schafft Doppelspitze ab
Toulouse - Alleiniger EADS-Chef wird der Franzose Louis Gallois, das gab der bisherige Co-Vorstand Thomas Enders heute in Toulouse bekannt. Enders übernimmt im Gegenzug von Gallois den Chefposten bei Airbus. Leiter des EADS -Verwaltungsrates wird Enders Angaben zufolge Rüdiger Grube vom EADS-Großaktionär DaimlerChrysler . Geschäftsführer unter dem neuen Airbus-Chef Enders wird der Franzose Fabrice Brégier. Kurz nach der Bekanntgabe der Umstrukturierung begannen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der französische Präsident Nicolas Sarkozy ihren Besuch des Airbus-Werkes in Toulouse.
Gallois war bislang neben Enders Co-Chef des Luft- und Raumfahrtkonzerns und zugleich Chef von Airbus. "Ich weiß, es kommt überraschend, aber es ist eine gute Entscheidung", sagte Enders. Die Zukunft von EADS entscheide sich an der Zukunftsfähigkeit von Airbus. "Das ganze Unternehmen macht einen großen Schritt nach vorn." Auf die Frage, wer sich im Tauziehen um die neue Führung durchgesetzt habe, sagte Enders: "Es gibt keine Gewinner und keine Verlierer."
Enders sagte weiter, er freue sich auf die Zusammenarbeit mit Gallois. "Unsere Zusammenarbeit ist eingeübt und krisenerprobt." Außerdem sei es notwendig, dass der Konzern "ein normales Unternehmen wird". Auch Gallois zeigte sich zufrieden: "Ich bin sehr glücklich über meine zukünftige Arbeit. Sie ist meiner jetzigen Aufgabe sehr ähnlich."
Die doppelte Besetzung der Führungsposten bei EADS mit einem Deutschen und einem Franzosen hatte seit der Gründung des Unternehmens vor sieben Jahren immer wieder für Ärger gesorgt. Nach der Krise um die Lieferverzögerungen beim Riesen-Airbus A380 erklärte der im Mai gewählte Präsident Nicolas Sarkozy die Veränderung der Führungsstruktur bei EADS zur "Priorität". Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte mehrfach betont, EADS müsse nach unternehmerischen und nicht nach politischen Erwägungen geführt werden.
Derzeit halten der französische Staat und der französische Lagardère-Konzern über die Gesellschaft Sogeade zusammen rund 27 Prozent an EADS, DaimlerChrysler hält einen Anteil von etwa 22 Prozent und die spanische Staatsholding Sepi 5,5 Prozent. Der Streubesitz beläuft sich auf 45 Prozent. Nach Abschluss derzeit laufender Transaktionen der Großaktionäre sollen sich mehr als 49,5 Prozent der Anteile in Streubesitz befinden. DaimlerChrysler und Sogeade sollen jeweils 22,5 Prozent halten, während Sepi weiter 5,5 Prozent besitzt.
Der europäische Betriebsrat beim Flugzeugbauer Airbus fürchtet unterdessen ein Ungleichgewicht zwischen Deutschland und Frankreich beim Mutterkonzern EADS. Durch jahrzehntelange politische Verhandlungen habe Deutschland "Stück für Stück" Einfluss, Macht und Führungspositionen ergattert, kritisierte der stellvertretende Betriebsratschef Jean-François Knepper heute im Radiosender France Inter. "Die Deutschen (...) sind gerade dabei, sich nicht mehr und nicht weniger als die Luft- und Raumfahrtindustrie und die europäische Verteidigung anzueignen."
Gewerkschaftsführer François Chérèque sagte vor Beginn des deutsch-französischen Gipfeltreffens bei Airbus in Toulouse im Nachrichtensender LCI, es gehe nicht darum, ob ein Deutscher oder ein Franzose den Mutterkonzern EADS leite. "Wichtig sind die Entscheidungen, die sie treffen", und ob sie Stellen schafften. "Wir brauchen einen einzelnen Piloten an der Spitze von EADS", erklärte Chérèque.
sam/AFP/AP/ddp