Luftfahrtkrise Auch Sabena muss Konkurs
Brüssel - Der Verwaltungsrat des Unternehmens entschied am Dienstagabend nach Angaben seines Vorsitzenden Fred Chaffart, am Mittwoch Konkurs anzumelden. Der Flugverkehr ist bereits fast vollständig eingestellt worden.
In Erwartung des drohenden Konkurses hatte die Fluggesellschaft am Dienstagnachmittag nahezu alle Flüge eingestellt. Hunderte Mitarbeiter der angeschlagenen Airline traten am Brüsseler Flughafen Zaventem in einen spontanen Streik.
Der Konkurs wird wohl die Entlassung der meisten der 12.000 Sabena-Beschäftigten bedeuten. Am Flughafen Zaventem spielten sich zum Teil chaotische Szenen ab. Die Flughafenbehörde BIAC rief Reisende mit einem Sabena-Ticket dazu auf, zu Hause zu bleiben. "Es ist unsinnig, jetzt mit einem Sabena-Ticket fliegen zu wollen", sagte BIAC-Sprecher Jan Van der Cruysse.
Die belgische Tageszeitung "La Libre Belgique" titelte am Dienstag in Erwartung des Konkurses "Die letzten Flüge der Sabena". Bereits am Montag hatte die belgische Regierung ein zusätzliches Polizeiaufgebot in Zaventem stationiert, um Ausschreitungen der Beschäftigten vorzubeugen. Am Dienstag trafen Vertreter der Gewerkschaften mit einer Regierungsdelegation zusammen, um über einen Sozialplan für die Beschäftigten zu verhandeln. Der für Staatsunternehmen zuständige Minister Rik Daems sagte, die Bewältigung der sozialen Aspekte des drohenden Konkurses sei das Hauptanliegen der Regierung.
Wegen der Sitzung musste der belgische Finanzminister Didier Reynders ein Treffen der EU-Finanzminister vorzeitig verlassen. Vor Journalisten sagte er: "Es ist möglich, dass Sabena heute oder morgen Konkurs wird."
Sabena wurde 1923 gegründet. Derzeit besitzt der belgische Staat 50,5 Prozent der Anteile. Der Rest gehört der Schweizer SAir Group, die nach den Turbulenzen um die Swissair ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnte. Für die ohnehin angeschlagene Sabena war das der Todesstoß.
Gespräche mit Virgin laufen weiter
Der Konkurs könnte nun den Weg für den Neuanfang einer Airline frei machen, die sich auf europäische Flüge konzentriert. Nach vorliegenden Plänen sollen Teile des Sabena-Vermögens in die Tochtergesellschaft Delta Air Transport (DAT) übergehen, die von dem Konkurs nicht betroffen wäre. Aber auch dafür müssten neue Investoren gefunden werden, was nach den Anschlägen vom 11. September schwieriger geworden ist.
Die britische Fluggesellschaft Virgin Express erklärte am Dienstag, sie sei bereits seit Wochen im Gespräch mit Sabena. Mit den belgischen Vorstellungen über die Gründung eines Nachfolgeunternehmens sei man bislang aber nicht einverstanden. Die Gespräche würden fortgesetzt.
Ein belgisches Handelsgericht hatte Sabena am 5. Oktober Gläubigerschutz gewährt und eine Frist für einen Rettungsplan des Unternehmens bis zum 8. November gesetzt. Allein im ersten Halbjahr 2001 machte Sabena einen Verlust 139 Millionen Euro.